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bedeckt München
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Vorgeknöpft: die Modekolumne 30. Juni 2017

Ärmel hoch

Von Maria Hunstig  Foto: Gettyimages/ Sean Gallup

Grünen-Parteitag oder Start-up-Gründung? Cem Özdemir zeigte sich zuletzt im entschlossenen Jungunternehmer-Look. Auch Martin Schulz scheint diese Taktik anzuwenden.

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Halboffenes Hemd mit hochgekrempelten Ärmeln, Jeans, moderne Hornbrille und ein Headset um den Kopf, in das er eine leidenschaftliche Rede schwingt – nein, das ist nicht das Bild eines ambitionierten Jungunternehmers, der gerade auf einer Berliner Start-up-Convention seine neueste App-Idee vorstellt, sondern das von Cem Özdemir. Beim Parteitag der Grünen legte der Parteichef kürzlich nicht nur den Grundstein für ein neues grünes Wahlkampfprogramm, sondern auch eine veränderte (modische) Selbstdarstellung. 
Mit dem Modestil der Grünen assoziierte man lange Jahre eine Mischung aus Öko-Latschen, Cordhosen, wuchernder Gesichtsbehaarung, T-Shirts mit Weltverbesserungsslogans und Joschka Fischer bei seiner Vereidigung als Umweltminister, zu der er 1985 in Turnschuhen erschien.

Doch vom Ideal der grünen Revoluzzer-Bekleidung ist wenig übrig geblieben – parallel zum Parteiprogramm wurde in den letzten Jahren auch der »Look« der Grünen angepasster, ruhiger, schwärzer. Mit Ausnahme Claudia Roths sieht man die meisten Grünen-Abgeordneten eher im farblosen Business-Outfit statt im Hanf-Hemd aus dem Eine-Welt-Laden. So auch den notorischen Anzugträger Özdemir.

Nach den schlechten Umfragewerten der letzten Monate will Özdemir seiner Partei wieder Profil geben – sein Aufzug beim Parteitag hilft ihm dabei. Das Head-Set steht für Modernität, Jeans machen ihn authentisch und hochgekrempelte Ärmel sind nicht erst seit Rosie the Riveter und dem »We can do it«-Poster aus dem Zweiten Weltkrieg das untrügliche Zeichen für Entschlossenheit und Kampfeslust. Özdemirs Auftritt zieht – am Ende seiner Parteitagsrede erntet er minutenlagen Applaus, sein Hemd ist nassgeschwitzt. Was hier nicht peinlich, sondern wie ein Unterstreichen seiner Entschlossenheit und Glaubwürdigkeit wirkt.

Diesen Trick hat sich jetzt auch Martin Schulz abgeguckt. Am vergangenen Sonntag warf der Kanzlerkandidat nach rund 50 Minuten seiner Rede beim SPD-Parteitag mit den Worten »Mann, ist das heiß hier« sein Sakko ab, darunter ein schweißgetränktes Hemd. Auch er hat zum Kampfesgeist zurückgefunden, auch er erntet langen Beifall.

Seine Konkurrentin Angela Merkel hingegen hält sich – wie so oft - weiterhin bedeckt. Wird sie, um mit ihren angriffslustigen Herausforderern im Wahlkampf mitzuhalten, auch mal die Jackettärmel hochschieben? Oder gar ein verschwitztes Oberteil zum Vorschein kommen lassen? Wir beobachten angestrengt. Hauptsache, der Bayerische Rundfunk retuschiert dann nicht wieder vorschnell alles weg (wie 2005 bei der «Schweißfleck-Affäre«).

Wird getragen von: Kai Diekmann, Werbern, Start-up-Gründern, Agentursprechern
Wird getragen mit: Hornbrille, hippen Sneakers, Coffee-to-go
Passender Tweet: Wenn Özdemir jetzt sein Hemd wäscht, ist das dann Green Washing?

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