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aus Heft 31/2017 Gesellschaft/Leben

»In meiner Freizeit telefoniere ich nicht mehr«

Protokoll: Patrick Bauer 

Wer die 110 wählt, hat ein Problem. Aber welche Probleme hat die 110? Ein Polizist berichtet.

Markus Doormann, 45, Oberkommissar in Frankfurt am Main.
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Seit 25 Jahren nehme ich in der Einsatzzentrale Notrufe entgegen. In einer Zwölf-Stunden-Schicht sind das bis zu 1200 Anrufe. Daraus resultieren ungefähr 400 Einsätze. Der Rest sind keine polizeirelevanten Sachverhalte oder sogenannte Daueranrufer. In Frankfurt gibt es viele amerikanische Touristen dazu. Diese halten die 110 in der Telefonzelle am Flughafen für die Vermittlung.

Ein weiteres Problem ist der mangelnde Respekt gegenüber der Polizei, das spüre ich sogar am Telefon. Ich werde oft beschimpft. Die Verständigung mit Anrufern ist mitunter schwierig, da viele kein oder nur gebrochenes Deutsch sprechen. Es gibt auch viele Anrufer, die offenbar berauscht sind. Ich versuche jedem am Telefon zu helfen, jedoch kommen einfach viele Anrufe, die nicht für die Polizei sind. Deswegen meine Empfehlung: Bitte wählen Sie nicht wegen jeder Kleinigkeit die 110. Und: Wenn Sie einen Notfall haben, überlegen Sie sich bitte vor dem Anruf, wo Sie sich befinden. Viele können mir gar nicht sagen, wo sie sind.

Einen Notruf werde ich jedoch nie vergessen. Der Anrufer stand an den Gleisen. Ich konnte ihn in diesem Moment überzeugen, sich nicht das Leben zu nehmen. Später kam er ins Präsidium, um sich zu bedanken.
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Es gab auch mal einen Daueranrufer, der meldete sich über Monate, aus Angst vor UFOs. Eines Nachts klang er anders: Jetzt seien sie da! Wir hatten Sorge. Eine Streife fuhr hin. Der Mann hatte Taschenlampen gesehen. Bei den Nachbarn waren Einbrecher. Man lernt, genau zuzuhören. Aber in meiner Freizeit telefoniere ich nicht mehr. Ich schreibe Whatsapps. Ich genieße die Ruhe.
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