Sie haben Ihren Adblocker auf unserer Seite aktiviert. Bitte deaktivieren Sie diesen für SZ.de! mehr zum Thema

bedeckt München 10°
Anzeige
Anzeige

Vorgeknöpft: die Modekolumne 25. August 2017

Fehlgriff des Transgender-Stars

Von Sarah Obertreis  Foto: The MEGA Agency

Caitlyn Jenner zeigt sich mit Trump-Kappe - nachdem sie sich erst kürzlich vom Präsidenten abgewandt hatte. Ihre Begründung für die Mützenwahl klingt wenig überzeugend.

Anzeige
Es gibt Kombinationen, über die braucht man nicht zu streiten, die funktionieren. Caitlyn Jenner in ihrem 1960er Austin-Healey-Cabrio scheint so ein Fall zu sein: Rot-weiß-gestreiftes Auto zu weißem Poloshirt und roter Kappe. Super kombiniert für einen Ausflug zum Golfplatz – möchte man meinen.

Doch bei genauerem Hinsehen sieht man, dass der Transgender-Star eine Kappe trägt, die zum Symbol eines dunklen Kapitels der amerikanischen Politik geworden ist: Die »MAGA«-Trucker Cap, angeblich vom US-Präsidenten Donald Trump höchstpersönlich entworfen und mit jenem Slogan bestickt, den er sich wohl schon vor fünf Jahren patentieren ließ: »Make America Great Again«.

Man hat es ja schon fast wieder vergessen, aber im Wahlkampf hat Donald Trumps Team mehr für die Produktion dieser Caps ausgegeben, als für politische Berater, Personal und Fernsehwerbung. Die Kappe schaffte es sogar in den Stil-Teil der New York Times als »ironisches Must-Have Accessoire des Sommers«. Der Trend verflüchtigte sich zeitgleich mit den ironischen Lachern, die der Wird-schon-nicht-so-schlimm-werden-Fraktion wenige Wochen später im Halse stecken blieben.

Um zu verstehen, wie irritierend diese Kopfbedeckung an Caitlyn Jenner ist, muss man sich nochmal kurz vor Augen halten, was seit Sommer 2015 passiert ist: Da hieß Caitlyn noch Bruce, war Sieger im Zehnkampf bei den Olympischen Spielen 1976, sechsfacher Familienvater und überzeugter Republikaner. Mit 65 Jahren rang sich Bruce, der nach eigenen Aussagen schon sein ganzes Leben mit seinem Männerkörper haderte, zu einer Geschlechtsumwandlung durch.

Ein Vanity-Fair-Cover verkündete ihren neuen Vornamen Caitlyn, auf Twitter richtete sie einen Account ein, der nach vier Stunden eine Million Follower verzeichnete, das Weiße Haus gratulierte. Die Transgender-Community hatte eine neue Fürsprecherin, die sich mit Kamerateam, Lippenstift und High Heels auf den Weg machte, das kleinstädtische Amerika von der sexuellen Freiheit jedes einzelnen zu überzeugen. Dabei wurde sie von »ihrer Community« begleitet, wie Jenner sie nennt: einer Gruppe junger und älterer Transgender-Frauen, die mit Entsetzen im Gesicht Jenners Begeisterung für die Republikaner registrierten: »Aber deine Leute hassen uns«, entgegnete eine von ihnen.
Anzeige

Das sah Jenner anders. Zwischen ihr und Donald Trump bestand lange so etwas wie ein stilles Einverständnis: Der US-Präsident sprach sich alle paar Monate halbherzig für die Rechte der Transgender-Gemeinschaft aus: Nein, es mache ihm nichts aus, wenn ein Mann, der sich als Frau fühlt, auf die Damen-Toilette geht; Ja, er werde für die LGBTQ-Community kämpfen, mehr als seine Kontrahentin Hillary Clinton zumindest. Im Gegenzug stellte sich Jenner im Wahlkampf hinter Trump. Auf der Republican National Convention im Juli 2016 sagte sie mit Blick auf die Transgender-Gemeinschaft: »Trump verhält sich ausgezeichnet, was ihre Belange angeht.« Der Reality-TV-Star machte nie einen Hehl daraus, dass sie Trump mit vollster Überzeugung gewählt hatte.

Doch dann kam der Transgender-Bann in der Armee – und Jenner musste sich entscheiden: Trump-Unterstützerin oder LGBTQ-Botschafterin. Sie entschied sich für Letzteres und schrieb auf ihrer Webseite: »Amerikas 15.000 transsexuelle Militärmitglieder und 134.000 Veteranen sind viel mutiger als Sie, Mr. Trump; meine Loyalität gehört ihnen und unserem Land, nicht Ihnen.«

Nur eine Woche später wurde Jenner mit der »MAGA«-Trucker-Cap in Malibu gesichtet. Sie erzählte dem Klatschportal TMZ, sie habe nicht auf die Kappe geachtet, die sie aus dem Stapel in ihrem Schrank gezogen habe. Sie habe lediglich mit einer Kopfbedeckung ihre Frisur vor dem Fahrtwind schützen wollen. »Ich entschuldige mich bei der Trans-Gemeinschaft. Ich habe einen Fehler gemacht«, erklärte Jenner reumütig.

So einfach ist es aber nicht. Mit Kleidung, das weiß Jenner als Promi-Profi inmitten des Kardashian-Clans, sagt man immer etwas aus. Vor allem wenn sie mit politischen Slogans versehen ist. Sie sagt, welchem Team man angehört. Jenner ist Team Trump.

Typischer Instagram-Kommentar: Tja, das geht wohl auf deine Kappe, Caitlyn.

Nicht zu verwechseln mit: der »Make Donald Drumpf Again«-Trucker Cap von Talkshow-Host John Oliver, die auf Trumps deutschen Familiennamen anspielt
  • Vorgeknöpft: die Modekolumne

    Mann trägt wieder rosa

    Jared Leto hat schon so ziemlich alles angezogen, was je als Kleidungsstück vermarktet wurde. Dass er jetzt als Märchenonkel mit Bastelblume auftritt, ist auch auf gesellschaftlicher Ebene progressiv. 

    Von Maria Hunstig
  • Anzeige
    Vorgeknöpft: die Modekolumne

    Knotenfrau

    Jennifer Lawrence knotet ihre Micro-Bluse nicht über dem Bauchnabel, sondern an den Schlüsselbeinen – wo soll das nur hinführen?

    Von Silke Wichert
  • Vorgeknöpft: die Modekolumne

    Eine gute Lüftung ist alles

    Sie fragen sich in Läden auch immer, wer diese Jeans mit riesigen Löchern und Schlitzen kauft? Nun, Lewis Hamilton. Überhaupt ist der Formel-1-Weltmeister modisch gesehen ein bunter Hund, auch wenn man es nicht auf den ersten Blick vermutet.

    Von Maria Hunstig