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Nackte Zahlen: Sexkolumne 03. September 2017

Ein Date mit sich selbst

Von Till Raether  Illustration: Eugenia Loli

Sonntagnachmittag ist unter Singles der beliebteste Tag für Selbstbefriedigung, ergab eine Umfrage. Unser Autor (kein Single) findet, dass Freunde, Kollegen und Verwandte mehr Rücksicht darauf nehmen sollten. Hier einige Tipps.

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Der Sonntagnachmittag gilt als Bermuda-Dreieck der Woche, hier kann man leicht von einem Strudel aus Wochenende-ist-zu-Ende-Depression und Morgen-ist-Montag-Blues hinabgezogen werden. Menschen in Partnerschaften retten sich durch diese triste Zeit bis zum vorgeschriebenen Betäubungs-»Tatort«, indem sie einen Streit vom Zaun brechen, widerwillig Verwandtschaft besuchen oder einen Sport mit Zubehör betreiben. Was aber tun unsere Singles am Sonntagnachmittag?

»Die Erotik-Community JOYclub macht einen neuen Trend aus, den die Community Manager als ›Solo Sunday Love‹ bezeichnen«, heißt es in einer Verlautbarung, die uns vorliegt. Auslöser für die ›Solo Sunday Love‹-Wortschöpfung ist eine Mitgliederbefragung, der zufolge 70 Prozent der befragten Singles angaben, »sich gelegentlich (44,8%) oder häufig (25,7%) einen ganzen Sonntagnachmittag ausschließlich dafür Zeit nehmen, sich ausgedehnt selber sexuell zu verwöhnen«.

Dies ist für die Allgemeinheit eine wichtige Information. Eltern von erwachsenen, ausgewilderten Singles sollten hieraus den Schluss ziehen, ihren wöchentlichen »Kind, isst du auch genug?«-Anruf nicht auf den Sonntagnachmittag zu legen, wenn sie mehr als einsilbige Antworten bekommen wollen. Von Überraschungsbesuchen bei Single-Bekannten zu diesem Zeitpunkt ist insgesamt abzusehen, da die überwältigende Mehrheit von ihnen in Schaumbädern und/oder mit Toys bzw. beim Betrachten erotischen Filmmaterials das Wochenende ausklingen lässt (das erste trifft laut Umfrage angeblich auf Single-Frauen zu, das zweite auf Single-Männer). Außerdem ist künftig die Montags-Büro-Frage »Und, was habt ihr so am Wochenende gemacht?« in Richtung Singles mit einem leichten bis mittleren Augenzwinkern zu verbinden.
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Noch wichtiger aber ist ein anderer Schluss aus dieser zwar nicht repräsentativen, aber wie gesagt vorliegenden Umfrage. Singles haben als gesellschaftliche Gruppe völlig zu unrecht einen durchwachsenen Ruf. Es heißt, sie würden mit ihren Ein-Personen-Haushalten die innenstädtischen Ballungsräume strapazieren und die Statistiken von Familienpolitikern durcheinanderbringen, mit ihren Smarts triumphieren sie bei der Parkplatzsuche und ihre Lobby hat erreicht, dass in Supermärkten ab einer gewissen Größe wichtige Bereiche von Salatbars dominiert werden. Insgesamt blickt die partnerschafts- und familienfixierte Gesellschaft mit einer Mischung aus Sorge und Faszination auf Menschen, die alleine leben und am Sonntagnachmittag Zeit haben für ausgedehnte Schaumbäder usw.

Nun aber gilt es, die Singles endlich als das zu sehen, was sie sind: Herz und Rückgrat der Gesellschaft. Keine andere gesellschaftliche Institution ist seit Jahrzehnten so bedroht und umkämpft wie der Sonntag: Gewerkschaften kämpfen gegen die Sonntagsarbeit, Kirchen für die Sonntagsruhe, Radfahrer und Fußgänger für autofreie Sonntage, Niedersachsens Grüne gegen Internethandel am Sonntag, und immer wieder heißt es, der Sonntag müsse ein der Stille und Einkehr gewidmeter Tag bleiben. All diese Appelle sind ungehört verhallt, außer: Singles. Eigenhändig haben sie den Sonntag wieder zu dem gemacht, als was von Anbeginn der Schöpfung gedacht war: ein Tag der Ruhe und der Rückbesinnung auf sich selbst.
Till Raether

ist freier Journalist und Buchautor in Hamburg. Zu Beginn seiner Laufbahn schrieb er in einer großen Publikumszeitschrift einen Artikel über Sexualfantasien unter dem Pseudonym »Dirk Meinerstedt«. Für diesen Kalauer leistet er jetzt hier Abbitte. Diese Kolumne schreibt er im Wechsel mit Alena Schröder.

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