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#7Tage7Songs 17. September 2017

»Das war schon mein Liebeskummer-Lied, als ich die Liebe erst entdeckte«

Protokoll: Sarah Obertreis  Foto: Gerhard Kühne

Leslie Clio über die sieben Songs ihres Lebens: Sie haben die Sängerin in ihrer Kindheit, durch Sinnkrisen und eine dringend benötigte Auszeit im Dschungel von Hawaii begleitet.

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#1 »Que Sera, Sera (Whatever Will Be, Will Be)« von Doris Day

Seit ich denken kann, wollte ich Sängerin werden. Zwar komme ich aus einem nicht besonders musikalischen Haushalt, aber meine Mama hat viel mit mir gesungen, unter anderem »Que Sera, Sera«. Das Lied lief ständig bei uns zuhause, es war sozusagen das Motto meiner Kindheit. Ich bin mit meiner Mutter alleine groß geworden und bei uns liefen immer viel Swing, Motown und viele Musicals. Das Musical »Annie« habe ich gefressen, das habe ich sehr oft geschaut.



 

#2 »Tell Him« von Lauryn Hill

»Tell Him« soll man auf meiner Hochzeit spielen und auf meiner Beerdigung. Mit diesem Song verbinde ich so viel, zum Beispiel meine Internatszeit mit zwölf. Da habe ich das erste Mal so richtig meine Liebe zur Musik entdeckt und gemerkt: Ich will definitiv Sängerin werden. Im Internat habe ich auch angefangen, Songs zu schreiben – mit brachialem Englisch. »The Miseducation of Lauryn Hill« von 1998 war das erste Album, was mir so zugesagt hat, dass ich es rauf und runter gehört habe. Wenn ich »Tell Him« anmache, denke ich auch immer an das erste Mal Verknallt sein. Es war schon mein Liebeskummer-Lied als ich gerade erst angefangen habe, die Liebe zu entdecken. Es ist ein Song, an dem ich mich auch nach 18 Jahren nicht satt gehört habe.



 

#3 »Goodbye Don’t Mean I’m Gone« von Carole King

Carole King hat mich zum Songwriting gebracht. Sie war die erste Songwriterin, die es gab – natürlich neben Singer-Songwritern wie Joni Mitchell, die beides gemacht haben. Aber Carole King war die erste reine Songwriterin, die für andere geschrieben hat, als der Beruf des reinen Songwriters gerade entstanden ist. Da sind die Leute morgens in ihr Büro in New York gekommen und ihre Arbeit bestand darin, sich in einen Raum mit einem Klavier zu setzen und innerhalb eines Tages einen Song zu schreiben für irgendeinen Künstler. Unter diesen Songwritern war Carole King die einzige Frau und sie hat mich sehr inspiriert. Ich liebe alle ihre Songs. Ihr Album »Tapestry« hat mich genauso geprägt wie »The Miseducation of Lauryn Hill«. »Goodbye Don’t Mean I’m Gone« kann man gut während einer verregneten Autofahrt hören. Und irgendwie erinnert es mich auch an meine Mutter.



 

#4 »Wildest Moments« von Jessie Ware

Dieses Lied hätte ich gerne selber geschrieben. Es spricht mir aus dem Herzen. Es handelt von einer Beziehung, die nicht funktioniert. »Wildest Moments« zeigt die Schattenseiten der Liebe. Ich habe den Song auch viel mit meinem Produzenten gehört, mit dem ich meine erste Platte »Gladys« gemacht habe. Der Song hat uns inspiriert.





#5 »Bad Self Portraits« von Lake Street Dive

Als meine zweite Platte »Eureka« rauskam, war ich schon länger Single. In dem Lied heißt es »I’m painting bad self portraits, I'm a lonely woman« und die Sängerin zählt auf, was sie jetzt alles macht, weil sie so viel Zeit hat. Das hat gut in meine damalige Phase gepasst. Ich war auf Tour und alle anderen hatten Freundinnen, die die ganze Zeit angerufen haben, nur mein Telefon hat nie geklingelt. Ich habe »Bad Self Portraits« auch viel beim Joggen gehört. Dieses Lied steht einfach stellvertretend für die letzten Single-Jahre. Es ist zwar subtil traurig, aber auch sehr bestärkend. Mein Schlachtruf-Lied.



 

#6 »Right Down The Line« von Gerry Rafferty

Es gab ein, zwei Momente in meiner Karriere, wo ich gedacht habe: Warum mache ich das eigentlich alles? Was will ich und wo will ich hin? In der Zeit zwischen meinem ersten und zweiten Album war ich in Los Angeles und stand mit einem Mietauto im Feierabendstau auf dem Hollywood Boulevard. Es war heiß. Ich kam aus einer Session und war schon seit zwei Wochen in L.A., in denen ich jeden Tag in irgendeinem Studio gewesen war, jeden Tag irgendwelche Songwriter kennengelernt hatte. Ich war krass erschöpft und dachte: Es kann doch nicht nur darum gehen, irgendwelche Hits zu schreiben. Warum verausgabe ich mich so? Was bleibt, wenn das nicht mehr da ist? Und da hat der liebe Gott zu mir gesprochen: Ich habe das Radio angemacht und es kam »Right Down The Line«. Ich habe angefangen zu heulen, weil ich es so schön fand und dachte, wenn der Mensch in der Lage ist, solche Lieder zu schreiben, dann werde ich niemals aufhören. »Right Down The Line« hat so viel Schönheit. Es ist ein so persönliches, ehrliches und fast schon kitschiges Lied. Als ich es im Radio gehört habe, war ich wieder ganz bei mir und dachte: Natürlich mache ich weiter!




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#7 »Fade Away« von Susanne Sundfør«

Ich bin immer auf der Suche nach Liebe und meine Musik ist eine Art Abfallprodukt davon, des Nicht-Findens. Vor einiger Zeit ist meine Beziehung in Berlin in die Brüche gegangen, ein Kapitel war zu Ende. Meine damalige Wohnung war nicht mehr mein Zuhause und ich wollte neu anfangen in Amerika. Meine Freunde haben eh immer gesagt: Du gehörst hier doch gar nicht nach Deutschland. Also habe ich mir ein One-Way-Ticket nach New York gekauft, bin in den USA rumgereist. In Milwaukee habe ich dann gemerkt, dass ich erstmal meine Akkus aufladen muss. Kurz darauf saß ich im Flieger nach Hawaii. Wenn du das Gefühl hast, du bist traurig, du hast nicht mehr so viel Kraft, dann nimmt man sich ja im besten Fall raus und meditiert darüber ein bisschen. Das habe ich auf Hawaii gemacht. Ich habe mich in ein Bergdorf in den Dschungel verzogen. Es war sehr heilend.
»Fade Away« habe ich auf Hawaii sehr oft beim Rumfahren gehört und bis jetzt hat es sich nicht erschöpft.