Sie haben Ihren Adblocker auf unserer Seite aktiviert. Bitte deaktivieren Sie diesen für SZ.de! mehr zum Thema

bedeckt München 12°
Anzeige
Anzeige

aus Heft 39/2017 Die Gewissensfrage

Totalschaden mit Spielzeugauto

Von Dr. Dr. Rainer Erlinger  Illustration: Serge Bloch

Wem gehören die alten Spielsachen auf dem Dachboden? Den Eltern, die sie kauften? Den inzwischen erwachsenen Kindern, die sie geschenkt bekamen? Oder kommt es auf etwas ganz anderes an?

Anzeige
»Meine Familie räumt den Dachboden aus. Mein Vater will viele alte Spielsachen für die künftigen Enkel aufheben. Er meint, diese Dinge gehörten eher meinen Eltern, da wir so klein waren, als wir sie geschenkt bekamen. Ich finde, geschenkt ist geschenkt, sodass meine Geschwister und ich die Spielsachen auch weitergeben können. Wer darf entscheiden, was damit geschieht?« Petra S., Berlin


Im Ernst? Sie räumen den Dachboden des Hauses Ihrer Familie aus, dabei treten mit Erinnerungen behaftete Gegenstände zutage, und die Frage, die für Sie entsteht, ist die nach Eigentumsrechten? Und wer entscheiden darf? Fast möchte ich hinzufügen: Und dafür wollen Sie auch noch die Moral bemühen. Sie diskutieren also nicht, was die beste Verwendung für die Spielsachen wäre, sondern wer das Recht hat, darüber zu verfügen. Und selbst dann taucht offenbar nicht die Überlegung auf, dass vielleicht in einem Fall, in dem es vor allem um Erinnerungen, Symbole und Gefühle geht, am besten der über die Gegenstände verfügen sollte, der die stärkste emotionale Bindung zu ihnen hat; unabhängig von möglichen Rechten. Noch dazu in einer Familie.

Zudem lässt der Wunsch, etwas für die Enkel aufzuheben, aufhorchen. Kann es sein, dass es gar nicht in erster Linie um die alten Plüschtiere geht? Sondern darum, ob und wann es Enkel gibt? Und dass Ihr Vater Ihr Vorhaben, das Spielzeug weiterzugeben, als Absage an die Idee versteht, Enkel zu bekommen? Dann sollten Sie eher das besprechen. Wenn Sie noch warten wollen oder gar keine Kinder möchten, ist das Ihre persönliche Sache und Entscheidung. Aber Sie erreichen im Grunde wenig, wenn Sie Ansprüche auf Spielsachen nach welchen Kriterien auch immer klären.

Auf Ihre Frage möchte ich deshalb so antworten: Erstens ist der Bezug oder gar Rückzug auf moralische Rechte nicht immer das Sinnvollste, besonders dann nicht, wenn es um Beziehungen und Gefühle geht. Zweitens sollte man immer überlegen, ob bei Auseinandersetzungen vielleicht etwas anderes verhandelt wird. Und drittens kann man dies alles am besten in einem Gespräch lösen, in dem man einander genau zuhört und versucht, Gefühlen auf die Spur zu kommen und sie einzubeziehen

Anzeige
Dr. Dr. Rainer Erlinger

Haben Sie auch eine Gewissensfrage? Dann schreiben Sie eine E-Mail an gewissensfrage@sz-magazin.de

  • Die Gewissensfrage

    Süße Versuchung

    Zuckerbeutel aus Cafés mitnehmen – zeugt das von schlechten Manieren oder ist es gar Diebstahl? Eine Gewissensfrage.

    Von Dr. Dr. Rainer Erlinger
  • Anzeige
    Die Gewissensfrage

    Nervt irgendwie

    Darf man einer Person sagen, dass es stört, wenn sie permanent Füllwörter verwendet? Moralexperte Dr. Dr. Rainer Erlinger zur Frage, wie viel Sprachkritik erlaubt ist.

    Von Dr. Dr. Rainer Erlinger
  • Die Gewissensfrage

    Das Kreuz mit Merkel und Seehofer

    Man möchte Angela Merkel unterstützen, wohnt aber in Bayern und mag die CSU nicht. Soll man die Christsozialen dann trotzdem wählen?

    Von Dr. Dr. Rainer Erlinger