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Außenpolitik 05. November 2017

Wie es sich unter Putin lebt

Foto: Bernd Goldblatt

Wer Russland verstehen will, kann im Städtchen Rosljakowo, wo einst die mächtige Nordmeerflotte stationiert war, viele Antworten finden. 100 Jahre nach der Oktoberrevolution: Ein Besuch bei Menschen, die sich gegen die Freiheit entscheiden.

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Russland ist vielen Deutschen ein Rätsel: sein Präsident, seine Politik, seine Größe, manchmal auch seine Menschen, wenn auch meistens nur deswegen, weil wir sie nicht kennen. Ungläubig nehmen wir die Zustimmungswerte für Wladimir Putin zur Kenntnis: 80 Prozent. Wie kann es sein, dass ein Volk einen Mann unterstützt, der es klein hält, der keine zweite Meinung duldet und offenbar auf ewig regieren will? Was treibt dieses Land an? Machthunger, Sehnsucht nach einstiger Größe oder einfach nur Angst vor dem Westen, vor der Freiheit?
 
Unser Autor, der in Moskau lebt, hat ein paar Antworten auf diese Fragen gefunden – nicht in der Hauptstadt oder Sankt Petersburg, sondern jenseits des Polarkreises in dem Städtchen Rosljakowo, wo einst die mächtige Nordmeerflotte der Sowjetunion stationiert war. Rosljakowo war militärisches Sperrgebiet und damit eine so genannte »geschlossene Stadt«, niemand durfte einfach so rein oder raus. Doch als die Stadt vor zwei Jahren aus dem Sperrgebiet entlassen wurde, gab es Proteste. Die Bewohner wollten nicht in einer gewöhnlichen Stadt leben, sie wollten eingekapselt bleiben.
  
Es sind Menschen, die Machtlosigkeit erleben und auf unterschiedliche Arten damit umgehen: Resignation ist eine, in die Kirche gehen eine andere, sich seine eigenen Regeln machen und hoffen, dass es gut geht, eine dritte. Diese sonderbare Lähmung, die man in Rosljakowo erlebt, hat das ganze Land im Griff: wenige Machthaber stehen einem Heer aus ängstlichen Menschen gegenüber. Die meisten Menschen – die Lehrer, die Beamten, die Ärzte, die Polizisten – halten es für angebracht, nicht mit eigenen Ideen aufzufallen und womöglich anzuecken.
  
Und doch gibt es Ausnahmen, in den Städten, wo in den Boomjahren zwischen 2000 und 2008 eine schmale Mittelschicht entstanden ist. Immer wieder haben Menschen in den letzten Jahren versucht, für Freiheit, für Gleichberechtigung, für einen ordentlichen Rechtsstaat auf die Straße zu gehen, auch dieses Jahr wieder, motiviert durch den Anti-Korruptions-Aktivisten Alexej Nawalny. Und doch kommt er in Umfragen gerade mal auf 1 Prozent. Wie schafft Putin es, diese urbane Bewegung klein zu halten? Warum mischt sich Russland gerade überall auf der Welt ein, in Syrien, in der Ukraine, sogar im amerikanischen Wahlkampf? Und wie lange kann das noch gut gehen? 

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