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Nackte Zahlen: Sexkolumne 06. November 2017

Warum haben Kiffer mehr Sex?

Von Alena Schröder  Illustration: Eugenia Loli

Studien legen nahe, dass täglicher Cannabiskonsum mit einer höheren Sexfrequenz einhergeht. Unsere Sexkolumnistin ahnt, woran das liegt.


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Dank neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse ist die weltweite Kiffergemeinde einen Schritt weiter in ihrem Kampf um die vollständige Legalisierung von Marihuana und die gesellschaftliche Anerkennung ihres Hobbys. Im wissenschaftlichen Journal der internationalen Gesellschaft für Sexualmedizin wurde kürzlich eine Studie veröffentlicht, die den Zusammenhang zwischen Marihuanakonsum und sexueller Aktivität untersucht.

Die Wissenschaftler der Universität Stanford vermuteten zunächst einen ähnlichen Zusammenhang wie beim Rauchen von Zigaretten – Tabakraucher haben ein deutlich höheren Risiko, an erektiler Dysfunktion zu leiden. Umso erstaunter waren sie über die Ergebnisse. Von den 28 000 befragten Frauen zwischen 25 und 45 Jahren gaben etwa 15 Prozent an, im Vorjahr Cannabis konsumiert zu haben, bei den 23 000 befragten Männern waren es 25 Prozent. Und diejenigen die täglich kifften, hatten unabhängig von Alter, Geschlecht oder Lebenssituation mehr Sex als Cannabisabstinenzler, im Mittel waren das bei den Kifferinnen 7,1 mal Sex pro Monat anstatt sechsmal, bei den Kiffern 6,9 mal Sex statt 5,6 mal.

Wie so oft produziert die Wissenschaft umfangreiches Datenmaterial, liefert aber keine Antworten auf die Frage nach dem Warum. Anhand biographischer Erfahrungswerte und wilder Spekulation hier nun die wahrscheinlichsten Gründe dafür, warum Kiffer mehr Sex haben als Menschen, die nie Cannabis konsumieren:

Kiffer sind entspannt und Entspannung und eine gewisse Leere im Kopf sind gute Voraussetzungen für Sex. Menschen, die täglich Cannabis konsumieren, haben entweder viel Tagesfreizeit oder Jobs, die eine gewisse körperliche und geistige Entschleunigung zulassen, auch das sind beste Voraussetzungen für eine rege Libido. Außerdem ist Kiffen, deutlich mehr als das Rauchen von Zigaretten, eine Gruppenaktivität. Joints werden nicht mal eben schnell an der Straßenbahnhaltestelle konsumiert, um sich die Zeit zu vertreiben, bis die Tram kommt. Nein, man nimmt sich Zeit, sie bewusst zu genießen, vielleicht auch mit einem lieben Menschen zu teilen, womit weitere Voraussetzungen für Sex geschaffen sind: Eine zweite Person sowie ein der Horizontalen recht nahekommende Körperhaltung.

Darüber hinaus ist das Bauen guter Joints nicht ohne ein Mindestmaß an handwerklichem Geschick und einer gewissen Fingerfertigkeit zu meistern, Eigenschaften, die Kiffern auch beim Sex zu Gute kommen. Die Vermutung liegt nah, dass Menschen, die täglich Cannabis konsumieren, sich auch selbst in der Aufzucht und Hege einer entsprechenden Pflanze versuchen, potentiellen Partnern also eine gewisse Sorge und Aufzuchtbereitschaft signalisieren, die sich wiederum positiv auf die Paarungsbereitschaft auswirken kann.
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Allerdings gibt es noch einen weiteren, von den Wissenschaftlern möglicherweise nicht bedachten Faktor: Kiffer erzählen viel, wenn der Tag lang und der Stoff gut ist. Zwar sind Angaben zur Häufigkeit sexueller Kontakte immer mit Vorsicht zu genießen, da meist übertrieben.

Doch die überdurchschnittlich hohen Sexzahlen bei Menschen, die täglich kiffen, lassen vermuten, dass eine nicht unerhebliche Anzahl der sexuellen Kontakte einfach nur halluziniert wurde. Ebenso wenig wurde erfasst, wie viele der angegebenen Sexualakte wegen anhaltender Lachflashs und Hungerattacken vorzeitig abgebrochen werden mussten.
Alena Schröder

ist freie Autorin und lebt in Berlin. Sie gelobt, keine »arm, aber sexy«-Kalauer in dieser Kolumne unterzubringen, die sie im Wechsel mit Till Raether schreibt.

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