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bedeckt München
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aus Heft 46/2017 Ein Interview ohne Worte

Sagen Sie jetzt nichts, Martin Eder

Fotos: Alfred Steffen

Der Maler im Interview ohne Worte über seine Vorstellung von Gott, das Geheimnis eines langen Lebens und seinen Kurztrip ins Jenseits. 



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Geboren
31. August 1968 in Augsburg
Beruf Maler
Ausbildung Kommunikationsdesign-Studium in Augsburg, Kunststudium in Nürnberg und Dresden
Status Der letzte Romantiker

Macht Martin Eder Kunst oder Kitsch? Ganz falsche Frage, wenn es nach ihm geht. In einem Interview hat er mal gesagt: »Wenn ich eine Dame mit Geige male, brüllen die Kritiker: Kitsch! Picasso hat zehn Jahre lang Geigen in Ton mit Karton collagiert, noch eine Dörrblume draufgeklebt, und da schreit keiner.« Eders Bilder, von denen keines für weniger als 70 000 Euro verkauft wird, sind wirklich extrem: Meistens liegen, sitzen, stehen ölgemalte nackte Frauen herum, begafft von grotesk glotzenden Kätzchen, Häschen, Hunden, Fischen; ob kurz vor oder kurz nach dem Koitus, ist schwer zu ermitteln. »Meine Bilder sind wie Batterien, die von mir aufgeladen sind - ich bin froh, wenn sie weg sind«, sagt Eder. Malerei als Mittel, die eigene Wut, die eigene Intensität auszulagern, damit man nicht platzt. Zuerst kam das in den USA gut an, wo Eder vor Jahren auf der Art Basel Miami zum Verkaufsschlager wurde. Er hat dann einfach weitergemacht: Wut outgesourct, Traurigkeit abgekoppelt, nackte Haut gemalt, Brüste als Projektionsflächen für Melancholie und Grusel, schwülstig wie ein Herrenduft von Valentino. Am 18. November eröffnet seine Ausstellung Martyrium in der Galerie Eigen + Art in Leipzig - wieder wimmeln die Bilder vor Nackten, diesmal sind es Männer.
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