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aus Heft 49/2017 Das Beste aus aller Welt

»Die Grünen haben versucht, Hackfleisch aus uns zu machen«

Von Axel Hacke  Foto: dpa; Illustration: Dirk Schmidt

Christian Lindners Großeltern besaßen eine Bäckerei. Hat der FDP-Chef die EU deshalb einmal als »Marmorkuchen« bezeichnet? Und wie würde er reden, wäre der Opa Schreiner gewesen? Oder Metzger?

Benutzt der FDP-Chef Christian Lindner gerne Kuchen-Metaphern, weil seine Großeltern eine Bäckerei hatten?
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Im Spiegel las ich einen Artikel des sehr geschätzten Autors Nils Minkmar über Christian Lindner und dessen Buch Schattenjahre. Minkmar war aufgefallen, dass Lindner beim Schreiben und Reden gern Sprachbilder aus der Welt der Konditoreien wählt, was, mutmaßte er, damit zusammenhänge, dass die Großeltern des FDP-Chefs eine Bäckerei hatten; so habe Lindner gefordert, die Europäische Union dürfe kein Marmorkuchen sein, sondern müsse eine Schichttorte werden. Tatsächlich sprach unser Mann schon 2013 vor der Studentenverbindung Markomannia in Münster von seiner Ablehnung der EU als Marmorkuchen, »bei dem alle mitmischen«, und der Zielvorstellung einer Gemeinschaft als Schichttorte, bei der es »klare Zuständigkeiten« gebe.

Nun leuchtet mir die Marmorkuchen-Metapher nicht unmittelbar ein, denn wer sollen »alle« sein, die bei der Herstellung »mitmischen«. Der Konditor, sein Geselle, der Auszubildende und die Konditorin? Würde in einer funktionierenden Konditorei nicht in der Regel einer den Kuchen backen? Ich weiß es nicht, einer meiner Großväter hatte ein Möbelgeschäft. Hingegen las ich auf lecker.de das Rezept für »Himmlische Schichttorte mit Aprikosen und Schmand-Sahne-Creme« (Ächz! Sabber! Tropf!) und entnehme ihm tatsächlich eine klare Kompetenzverteilung: Die vier Böden sind für die Trennung der Schichten da, die Aprikosenpüree-Ebene für den Fruchtgeschmack, die Schmand-Sahne-Mischung für den späteren heftigen Ausschlag des Waagen-Zeigers, der Puderzucker für die Süße.

Das mag mit der EU zu tun haben, was es will. Ich konnte nicht umhin, mir Lindners Sprachgestaltung für den Fall vorzustellen, dass Opa und Oma eine Metzgerei gehabt hätten. Hier sind die Sätze, die er dann nach dem Ausstieg aus den Sondierungen gesagt hätte: »Nachdem alles mal ein Ende hat (nur die Wurst hat zwei, wie ich seit glücklichen Kindertagen am Fleischwolf meiner Großeltern weiß), machen wir heute Schluss mit wochenlangem Herumwursteln. Die Grünen haben versucht, Hackfleisch aus uns zu machen, die CSU hat eine Extrawurst nach der anderen verlangt, der Kanzlerin ist im Grunde alles wurscht gewesen, uns aber ist es immer nur um die Wurst gegangen. Ich will hier nicht die beleidigte Leberwurst spielen, aber in dieser Koalition wären wir nur arme Würstchen gewesen. Wir hätten uns ins eigene Fleisch geschnitten.«

Und hier, nur zum Spaß, die Erklärung eines Schreiner-Enkels Lindner: »Wir sind von vornherein in diese Gespräche gegangen nach der Maßgabe ›Holzauge, sei wachsam!‹ Aber wir mussten feststellen, dass der Wurm drin war, es knackte im Gebälk, wir waren auf dem Holzweg! Mit den Holzköpfen der Grünen kann man nicht an einem Tisch sitzen, sie haben zu viel auf dem Kerbholz. Mag Frau Merkel noch so viel Süßholz raspeln, wir werden dem nicht auf den Leim gehen, dazu sind wir aus zu hartem Holz geschnitzt. Wir werden eine astreine Oppositionspartei sein und der Regierung Zunder geben. ›Politik bedeutet ein starkes langsames Bohren von harten Brettern‹, hat Max Weber geschrieben. Für die Zukunft des Landes klopfe ich drei Mal auf Holz.«

Da aber Lindners Großeltern nun mal Bäcker waren, hier seine bisher unveröffentlichte Argumentationskette zum Ende der Sondierungen.

»Frisch gebacken im Parlament zurück, wären wir die Hefe im Teig einer guten Regierung gewesen. Aber die Grünen sind Windbeutel, die CSU wollte sich die Rosinen aus dem Kuchen picken, und die Kanzlerin uns, als der Kuchen verteilt werden sollte, nur ein paar Krümel lassen. Die geschlossenen Kompromisse sind Plunder, wir werden kleine Brötchen backen und das harte Brot der Opposition essen. Unsere Losung im Bundestag lautet: Back to work!«


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Axel Hacke

Axel Hacke will reinen Tisch machen und klarstellen, dass sein Möbelhändler-Großvater keinen Einfluss auf seine Sprache hat. Hacke achtet einfach so darauf, dass seine Sätze immer gut gedrechselt, frisch poliert und bequem zu lesen sind.

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