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Kunst 08. Dezember 2017

Wie Sperrmüll zu Kunst wird

Von Jona Spreter 

Ein unbekannter Künstler verpasst Gerümpel in den Straßen von Los Angeles traurige Clownsgesichter. Seine Arbeiten sind inzwischen sehr begehrt – dabei wurde der Mann eher zufällig zum Streetartist.

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Ein betrübtes Sofa, ein weinender Fernseher, ein schluchzender Bürostuhl: Der Müll, den Leute achtlos auf die Straßen von Los Angeles stellen, wird zur Kunst. Kunst mit Clownsgesicht, geschaffen von einem Straßenkünstler, der sich auf Instagram lonesometown9 nennt.
 
    
Die zurückgelassenen Gegenstände hätten etwas wunderschön tragisches an sich, erzählt der Künstler, der anonym bleiben möchte, der LA Weekly. Entstanden sei das Projekt aus einem Anflug spontaner Empathie – für einen Kühlschrank. Das Ding habe ihn einfach traurig angestarrt, wie es da so stand, ganz allein und verstoßen von der ehemaligen Besitzerfamilie.
 
 
Dem Kühlschrank habe er zunächst nur ein Gesicht aufgemalt – doch dabei blieb es nicht: Mittlerweile experimentiert der Guerilla-Künstler bei seinen Installationen mit Hüten, Luftballons, Blumen und Coffee-To-Go-Bechern. Auch bemalt er nicht länger nur Sperrmüll, sondern etwa auch Farbkleckse, Häuserwände und Suchanzeigen vermisster Haustiere.

 
Ihn beschleiche das Gefühl, dass sich niemand um diese Momente der »Mikro-Traurigkeit« schere. Trotzdem macht sich der Künstler keine Illusionen: Er verpasse immateriellen Objekten ein trauriges Gesicht. Nicht mehr und nicht weniger. Und das sei schon ein bisschen lächerlich.
  
 
Auf seinen Streifzügen durch die Stadt hat »Lonesome Town«, wie sich der Künstler nennt, stets einen Rucksack mit jeder Menge Buntstife dabei. Ist ein passendes Objekt gefunden, nimmt er sich bis zu eineinhalb Stunden Zeit, dem Ding Leben einzuhauchen.

 
Wer die Unikate des Straßenkünstlers, der früher für Warner Bros. arbeitete, zu Gesicht bekommen will, muss allerdings schnell sein: Taucht ein neuer Lonesome Town-Kunstwerk in den Straßen von Los Angeles auf, ist es schon binnen Minuten wieder verschwunden – in irgendjemandes Kofferraum oder Wohnzimmer. Unter Hashtags wie #sadclown und #sadcouch tauschen Nutzer schon Bilder und Standorte neuer Kunstwerke aus.
  
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