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aus Heft 50/2017 Die Gewissensfrage

Muss ich mir »Star Wars« ansehen?

Von Dr. Dr. Rainer Erlinger  Illustration: Serge Bloch

Ein Freund lädt zum Geburtstag ins Kino ein. Ist man verpflichtet hinzugehen, auch wenn einen der Film nicht die Bohne interessiert? Unser Moralkolumnist berät einen 12-Jährigen.

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»Ein Freund hat zu seinem Geburtstag ins Kino eingeladen: in den neuen Star-Wars-Film. Ich selbst habe mich nie für Star Wars interessiert und finde, dass die Saga nur eine riesige Geldmaschine ist. Nun kommt meine Frage: Soll ich mit in den Film gehen oder nicht? Oder vielleicht einen anderen Film zur gleichen Zeit ansehen?« Paul S., 12, München


Die erste Überlegung lautet: Was ist das Wichtigste bei einer Geburtstagsfeier? Meiner Meinung nach, dass man gemeinsam feiert. Dabei hat die Geburtstagsfeier zwei Funktionen: einmal allen Beteiligten und einmal dem Geburtstagskind Freude zu machen, sozusagen als Geschenk. Deshalb kann sich das Geburtstagskind auch aussuchen, wie gefeiert wird; hier, mit welchem Film – und dein Freund mag offenbar Star Wars. Bei einer größeren Zahl von Gästen ist es fast unmöglich, dass es allen gleich gut gefällt, weil die Geschmäcker verschieden sind. Wenn man zusammen feiern will, ob Freunde oder Familie, müssen deshalb häufig manche der Eingeladenen etwas mitmachen, was sie vielleicht weniger mögen.

Nur, wie weit soll das gehen? Das ist eine sehr wichtige Frage, nicht nur hier, sondern allgemein im Leben. Man kann nicht verlangen, dass du dich zu sehr verbiegst, nur um dem Geburtstagskind eine Freude zu machen. Wenn du etwa einen Film ablehnst, weil er zu brutal ist, weil er den Krieg verherrlicht oder aus anderen Gründen wirklich gegen deine Überzeugungen geht, hast du das Recht zu sagen, dass du ihn nicht sehen willst. Und es ist auch richtig, zu seinen Überzeugungen zu stehen. Nicht alles ist gut, nur weil es andere machen. Allerdings bedeutet das in diesem Fall zugleich eine Zurückweisung der Einladung deines Freundes und ist damit ihm gegenüber nicht schön.

Du musst also zunächst überlegen, ob es wirklich um eine Überzeugung geht oder nur darum, dass du etwas mehr oder weniger magst. Und dann abwägen, ob dir das in diesem Fall wichtiger ist, als deinem Freund den Gefallen zu tun, zusammen mit ihm zu feiern. Und wenn du dich für das gemeinsame Feiern entschieden hast, ist es ein noch größerer Freundesdienst, den Freund deinen Widerwillen nicht spüren zu lassen.

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Literatur:

Bücher über Philosophie für Kinder und Jugendliche sind in den letzten Jahren etliche erschienen, hier sei auf einige Bücher hingewiesen, die sich speziell mit Moral und Ethik für Kinder und Jugendliche beschäftigen.


Eine Einführung in die Ethik für Jugendliche und Erwachsene eingebettet in Gespräche in einer Familie bietet: Rainer Erlinger, »Lügen haben rote Ohren«. Gewissensfragen für große und kleine Menschen, Ullstein Taschenbuch Verlag 2005


Stets empfehlenswert ist das sehr persönliche Buch des spanischen Philosophen Fernando Savater, »Tu, was du willst«. Ethik für die Erwachsenen von morgen, Beltz & Gelberg Weinheim 2001, das ausdrücklich kein Handbuch über Ethik für junge Menschen sein will, sondern ein Brief in Buchform oder ein Buch in Briefform über Ethik und richtiges Verhalten an Savaters Sohn Amador.


Für ältere Jugendliche eignen sich:
Héctor Zagal / José Galindo, »Ethik für junge Menschen«, Reclam Verlag Stuttgart 2000


Ernst Tugendhat / Celso López / Ana María Vicuna, »Wie sollen wir handeln. Schülergespräche über Moral«, Reclam Verlag Stuttgart 2000


Mit der – einfach formulierten – Frage, wie weit man sich verbiegen kann, ohne Schaden zu nehmen, befasst sich vertiefend auf wissenschaftlichem Niveau das Buch von Arnd Pollmann, »Integrität. Aufnahme einer sozialphilosophischen Personalie«, transcript Verlag, Bielefeld 2005


Dr. Dr. Rainer Erlinger

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