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Nackte Zahlen: Sexkolumne 04. Januar 2018

Denk ich an Beischlaf in der Nacht

Von Till Raether  Illustration von: Eugenia Loli

Acht Prozent unserer Träume sind erotischer Natur. Aber was bedeuten sie? Unser Kolumnist übt sich in Deutungsversuchen.

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Angeblich träumen Menschen rund 60 Stunden im Jahr von Sex. Wahnsinn, was man in der Zeit an Fernsehserien streamen könnte. Die hohe Zahl ergibt sich nach einer Berechnung von Broadly.com daraus, dass einer kanadischen Studie zufolge acht Prozent unserer Träume von Sex handeln, und insgesamt träumen Menschen zweieinhalb Stunden pro Nacht. Leider können wir uns an das Wenigste davon erinnern. Und wenn doch, dann sind die Sexträume mitunter besonders seltsam. Vor allem, was das Personal angeht: Viele Menschen berichten, sie hätten im Traum Sex mit Leuten, bei denen sie im Wachzustand nicht daran denken würden. Nach Aussage der von Broadly.com befragten Traumforscherin Jane Teresa Anderson sollten wir unsere Träume jedoch eher als Metapher betrachten. Wer also von Sex mit einem platonischen Freund träumt, sehnt sich nicht insgeheim nach Sex mit dieser dieser Person. Sondern gewissermaßen auf der metaphorischen Ebene nach etwas, was dieser Freund als Persönlichkeitsmerkmal hat: Abenteuerlust, Stabilität, was auch immer.

Von dieser Hypothese ausgehend, möchten wir hier im Folgenden einige uns zugetragene Sex-Träume entschlüsseln.

Der Traum: Ein Mann lädt dich in sein Büro ein und zeigt dir in einer Abseite seinen großen Knopf, so viel größer als alle andere Knöpfe.
Was er bedeutet: Du sehnst dich nach dem Weltuntergang.

Der Traum: Du bist auf einer geheimnisvollen Party eingeladen, wo lauter Menschen, die du seit zwanzig Jahren nicht gesehen hast, Masken mit deinem Gesicht tragen. Die Vertrauenslehrerin sagt, wenn du nicht sofort deine Hose findest und die Klausur über »Das Fräulein von Scuderi« nachschreibst, wird dir das Abitur aberkannt. Danach erweist sie sich als überraschend zärtliche Liebhaberin.
Was er bedeutet: Du sehnst dich danach, das nächste Klassentreffen zu organisieren.

Der Traum: Du bist mit vielen anderen Menschen in einen Raum gesperrt, den du erst wieder verlassen darfst, wenn das Buffet leergegessen ist. Durch ein trübes Fenster beobachtest du mit wachsender Erregung, wie im gegenüberliegenden Haus dein ehemaliger Fahrlehrer seinen nackten Körper einölt.
Was er bedeutet: Du sehnst dich nach einem Ende beziehungsweise dem Beginn der Sondierungsgespräche.

Der Traum:
Machst du ein Tür zu, geht auf ein Tor. Wein in der Flasche Löst keinen Durst.
Was er bedeutet: Du sehnst dich nach Sex mit einem Glückskeks.

Der Traum: In einer verborgenen Schublade deines Orchideen-förmigen Schreibtisches findest du dir unverständliches erotisches Material, dass du aus dir unerfindlichen Gründen in eine bestimmte Ordnung bringen musst, wobei du jedoch eher Demütigung empfindest als Befriedigung.
Was er bedeutet:
Du sehnst dich nach einer Fristverlängerung vom Finanzamt.

Der Traum:
Auf einer stark ansteigenden Straße, die du mit deinen aus Watte bestehenden Beinen kaum bewältigen kannst, kommt dir der verschollene Onkel deiner ersten großen Liebe entgegen. Als er zum Gruß seine Hand hebt, siehst du, dass seine Finger die Form der Penisse griechischer Statuen haben, und das Auge in seiner Handfläche verdeckt eine Faschingspiratenklappe mit Guckloch. Danach erweist er sich als überraschend zärtlicher Liebhaber.
Was er bedeutet: Du liebäugelst mit der Anschaffung eines E-Bikes.

Der Traum:
Die Vertrauenslehrerin, der Fahrlehrer und der verschollene Onkel deiner ersten Liebe schlagen dir vor, eure gemeinsamen Erlebnisse als Webserie zu pitchen, »6-Minuten-Episoden, edgy, schon funny, aber auch hot, und erstmal monetarisieren wir das gar nicht, das kommt alles später«, aber du bist super gestresst, weil du ganz dringend die Vorhänge in Erich Honeckers Gästehaus vermessen musst.
Was er bedeutet:
Schwer zu sagen. Vermutlich irgendwas mit Sex.

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Till Raether

ist freier Journalist und Buchautor in Hamburg. Zu Beginn seiner Laufbahn schrieb er in einer großen Publikumszeitschrift einen Artikel über Sexualfantasien unter dem Pseudonym »Dirk Meinerstedt«. Für diesen Kalauer leistet er jetzt hier Abbitte. Diese Kolumne schreibt er im Wechsel mit Alena Schröder.

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