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Vorgeknöpft: die Modekolumne 09. Januar 2018

Schwarzsehen dank rosaroter Brille

Von Silke Wichert  Foto: Getty Images / Gabriel Olsen

Bei den diesjährigen Golden Globes kamen bekanntlich fast alle Gäste in schwarz. Was man dabei auch noch lernen konnte: Partnerlook geht bis in die angegrauten Haarspitzen, wie Gary Oldman und seine Frau unter Beweis gestellt haben.

Obwohl die beiden erst seit kurzem verheiratet sind, ist die optische Verschmelzung bereits in vollem Gange: Gary Oldman und seine Frau Gisele Schmidt

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Können wir bitte bis auf Weiteres festlegen, dass auf dem roten Teppich nur noch Schwarz getragen wird? Abgesehen vom politischen Statement war das ja auch ästhetisch eine denkwürdige und glorreiche Veranstaltung bei den Golden Globes vergangenen Sonntag. Kein Pailletten-Potpourri, keine grellen Farben, die sich mit Hauttönen beißen, stattdessen: dunkle Eleganz.

Bis auf dieses »deutsche Model« Barbara Meier jedenfalls, das vor lauter persönlichem Aktivismus nicht anders konnte als doch etwas strahlend Helles zu tragen, worüber die eigentliche Frage, was die ehemalige GNTM-Gewinnerin überhaupt auf einer Film-Gala zu suchen hatte, leider ein bisschen in Vergessenheit geriet. Haben diese Mädchen bei Heidi Klum denn wirklich gar nichts gelernt? Etikette bitte auf die Agenda der nächsten Staffel setzen. Oder wenigstens Farbenlehre.

Wer ebenfalls auffiel, obwohl diesmal in gewisser Weise, und endlich straffrei, alle Partnerlook trugen: die neuen Oldmans. Der Brite Gary Oldman, der für seine Rolle als Winston Churchill in Darkest Hour ausgezeichnet wurde, zeigte sich mit seiner Ehefrau Gisele Schmidt, und obwohl die beiden erst seit ein paar Monaten verheiratet sind, ist die Verschmelzung bereits in vollem Gange: Ähnlich markante schwarze Acetat-Brillen, gleicher Winter-Teint, beide beinahe identisch grau durchgesträhnt – vor lauter Eintracht glaubt man sogar zu erkennen, dass sich die vorderen Haarwirbel miteinander synchonisiert haben. Sollte die französische Modekette The Kooples, die traditionell mit »Couples« in ihren Kampagnen wirbt, demnächst neue Paare suchen, legen wir ihnen jetzt dringend die neuen Oldmans ans Herz. Keine optische Brachial-Verbindung durch blaue beziehungsweise rosa Slimfit-Daunenjacken, aka Herr und Frau Schöffel, oder Matching-Tuxedos wie es Johnny Depp und Amber Heard in ihrer halt doch nicht so perfekten Liaison einmal versuchten – die neuen Oldmans passen auf viel selbstverständlichere Art zusammen, ein Pärchen wie aus dem Kartenspiel Memory.

Das bringt zwar die alte ästhetische Evolutionstheorie ins Wanken, nach der wir stets glaubten, Lebenspartner würden sich erst im Laufe von Jahrzehnten auch optisch angleichen, aufgrund von all den Algorithmen bei Dating-Apps ist das aber wahrscheinlich ohnehin die Zukunft: optische Treffer statt kompliziertem Herzblatt-Findungsprocedere. Hauptsache, man sieht gut zusammen aus; seit es Smartphones gibt, reden Paare ja sowieso kaum mehr miteinander.

Wer bei seiner/seinem Liebsten und sich selbst jetzt so gar keine Ähnlichkeiten feststellen kann – kein Grund zur Sorge. Was nicht ist, kann noch werden. Bei diesem oder halt beim nächsten Mal. Auch für Oldman ist es bekanntlich die fünfte Ehe.

Typischer Instagram-Kommentar: »Darkest Hour, Black Dresscode – schwarze Magie!«
Das sagt die kompetente Verkäuferin: »Darf ich Ihnen beiden mal was in Komplementärfarben zeigen?«
Passender Song: »We belong together« von Mariah Carey

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Silke Wichert

hat mehrere Jahre das Moderessort des SZ-Magazins geleitet. Leute sagen deshalb gern vorweg, dass sie sich wirklich! überhaupt! nicht! für Mode interessieren. Um dann, nur mal so interessehalber, hinterher zu schieben: Was trägt man denn gerade so? Auch dafür schreibt sie jetzt diese Kolumne.

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