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Kino/Film/Theater 19. Januar 2018

»Wir leiden an kollektiver Selbstüberschätzung«

Foto: AP

Im Interview spricht Christoph Waltz über Momente des Größenwahns und über den Abgrund, in den man blickt, wenn man seine eigene Bedeutungslosigkeit erkennt.

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Ist man eigentlich besonders anfällig für Größenwahn, wenn man es binnen drei Jahren aus dem deutschen Fernsehen an die Weltspitze geschafft hat? Christoph Waltz muss nicht lange nachdenken, wenn man ihm diese Frage stellt. Er hat sie sich selbst oft genug gestellt. Und beantwortet.

Spätestens, als er im Jahr 2012 seinen zweiten Oscar als bester Nebendarsteller entgegen nahm, war klar, dass er sich seine Engagements von nun an aussuchen kann. Nicht viele Schauspieler erreichen dieses Level. Bei Waltz kommt aber noch eine Besonderheit hinzu: Kaum vier Jahre davor hatte man seinen Namen in Hollywood noch nie gehört. »Wenn man die eigene Bedeutungslosigkeit erlebt hat«, sagt Waltz heute, »dann ist die Gefahr nicht mehr so groß, dass man so eine aufgeblasene Größe über den Moment hinaus für real hält.«

Mit dem SZ-Magazin spricht er über Größenwahn und Demut, und plädiert dabei generell für mehr Demut, die er für eine aussterbende Tugend hält: »Gerade durch die digitale Revolution, bei der jeder Mensch in der Lage ist, seine Meinung überall öffentlich kundzutun, ohne dafür geradestehen zu müssen, neigen viele Menschen wieder dazu, sich für das Zentrum des Universums zu halten«, sagt Waltz. Die Menschheit leide an »kollektiver Selbstüberschätzung«.

Und genau so möchte er auch den neuen Film von Alexander Payne verstanden wissen: In »Downsizing« spielt Waltz einen alternden Playboy, der sich zusammen mit einigen anderen Probanden auf eine Größe von zwölf Zentimetern schrumpfen lässt und fortan in einer Miniaturwelt lebt, um Müll zu vermeiden und so die Umwelt zu schützen. Es sei nicht nur ein Umweltfilm sondern auch »eine Metapher für das menschliche Denken«, sagt Waltz. Sein Tipp für das Downsizing im Geiste: »Maul halten und Hirn einschalten«.

Für die neue österreichische Regierung hat er im Interview keine netten Worte übrig, ebenso wenig für Donald Trump. Außerdem erklärt er in dem ausführlichen Gespräch, warum er manchmal wildfremde Menschen zum Essen einlädt – und dabei noch nie eine Absage bekommen hat, warum er Kinder für die besten Fotografen der Welt hält, was er vom elfjährigen Daniel Bahrenboim gelernt hat und was ihn nach einem kurzfristigen Aufgeblasen-Sein nach der Oscarverleihung wieder auf Normalmaß zusammenschrumpfen lässt.

Lesen Sie das Interview mit SZ Plus:


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