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aus Heft 06/2018 Ein Interview ohne Worte

Sagen Sie jetzt nichts, Wolfgang Beltracchi

Fotos: Tibor Bozi

Der Maler und Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi im Interview ohne Worte über das richtige Gefühl für berühmte Maler, das Geheimnis seiner Ehe und ein Leben ohne Pinsel.


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Geboren
4. Februar 1951 als Wolfgang Fischer in Höxter
Beruf Maler und Kunstfälscher
Ausbildung Autodidakt
Status Der talentierte Mr. Beltracchi

Wenn Kunst der Religion gleicht, ist ihre Fälschung dann Blasphemie? Nicht wenn es nach Wolfgang Beltracchi geht: Nach 300 gefälschten Bildern im Stil berühmter Künstler, von Max Ernst bis Heinrich Campendonk, und mehreren Jahren in Haft hat der 67-Jährige seinen Glauben an die Kunst und an sich als Künstler längst nicht aufgegeben. Jedoch könnte man zumindest seinen Lebenslauf unchristlich nennen: Erst flog er von der Schule, weil er auf dem Pausenhof Pornohefte verkauft hatte, dann schmiss er sein Kunststudium, experimentierte mit Drogen und fand die Bonnie zum Clyde in Helene, die seine Bilder an Auktionshäuser von Paris bis New York verkaufte. Nach Wolfgang Beltracchis Logik sind lediglich die Unterschriften, die er unter seine Bilder setzte, Fälschungen. Die Kunstwerke an sich sieht er als »Leerstellen«, die im Werk der Künstler nicht hätten fehlen dürfen. Die Geschädigten und die Justiz sehen das natürlich anders. Auch als alles aufflog, war es nicht Unvermögen, das ihn verraten hätte. Es war das Titanweiß, das es zur Zeit des betreffenden Originalkünstlers Campendonk noch nicht gegeben hatte. Beltracchi zieht dem Titel »Meisterfälscher« übrigens den »Jahrhundertfälscher« vor – weil keiner in diesem Genre einen vergleichbaren Erfolg hatte.

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