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»Es war ein wunderschönes Gefühl«, sagt die 16-jährige Rebecca. Kurz nach der Taufe sind ihre Haare noch feucht, fallen um ihr hübsches Gesicht. Als Ohrschmuck trägt sie lange Silberkettchen, an deren Enden Edelsteine blitzen. »Meine Eltern haben mich nie zu etwas gezwungen«, sagt Rebecca. »Sie haben nur die Bibel mit mir studiert und mich die Liebe zu Jehova gelehrt.«
Ob sie niemals Zweifel hatte? Doch, es gebe ja so viele Religionen. Eine Zeit lang habe sie sich gefragt: Woher weiß ich, dass meine die einzig wahre ist? Aber dann sah Rebecca in den Nachrichten, wie andere Religionen Kriege gegeneinander führten. Dabei stehe doch in der Bibel, die Menschen sollten »Schwerter zu Pflugscharen« schmieden. In der Tat sind die Zeugen Jehovas konsequent in ihrer Ablehnung des Militärs. Hunderte ihrer Mitglieder wurden in der Nazi-Zeit wegen Kriegsdienstverweigerung zum Tode verurteilt, Tausende in Konzentrationslagern eingesperrt.
Rebecca geht in die 11. Klasse eines Münchner Gymnasiums und lebt doch in einer anderen Welt als die anderen Mädchen und Jungen dort. Es ist ihr verboten, »heidnische Feste« wie Weihnachten, Ostern, Fasching oder Geburtstag zu feiern. Deshalb lehnt sie Einladungen zu Geburtstagspartys ab, singt im Musikunterricht oft nicht mit. Neben den ausdrücklichen Verboten gibt es eine Vielzahl von Verhaltensmaßregeln, die weniger streng formuliert sind, aber dennoch meist abso-luten Gehorsam zur Folge haben. Rebecca würde ihre Eltern und Jehova »enttäuschen«, wenn sie vor der Ehe einen Jungen mit der Zunge küsste oder Schlimmeres täte, ihr Verhältnis zu Jehova würde »leiden«, wenn sie auf Klassenfahrt fahren, in Discos gehen, Vereinssport treiben würde, überhaupt: wenn sie Zeit mit »weltlichen« Mitschülern verbrächte, statt sie dem Predigtwerk zu opfern.
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01 Uhr 15
Einen Teil der Geschichte könnte ich so ähnlich erzählen. Aufgewachsen als Kind von Zeugen Jehovas, bin ich seit meiner Volljährigkeit vor 5 Jahren raus - und habe immer noch mit schwerwiegenden Folgen meiner Zeit dort zu kämpfen.
"Feindliche Retrospektive" hin oder her, aber ich glaube, dass es gerade für Kinder und Jugendliche wichtig ist, aufzuklären, das Bild von den "harmlosen Wachtturm-Menschen" zurechtzurücken und klarzumachen, was diese Glaubensgemeinschaft ihren Mitgliedern antut. Wenn ich ihm Nachhinein betrachte, wie viele meiner damaligen Freunde schwere psychische Probleme hatten und haben, wird mir die Wichtigkeit verstärkter Aufklärungsarbeit nur noch stärker bewusst.