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aus Heft 18/2008 Alphabet der Sexualität Online exklusiv 2 Kommentare

R - Reeperbahn

Seite 2

Von Kerstin Greiner 



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Jeden Abend treffen sich auf der Reeperbahn viele unterschiedliche Charaktere: Albaner, die ein gutes Geschäft wittern, Jugendliche, die gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen, alte Männer mit Astra-Lächeln, die ordentlich einen wegstecken wollen, und Frauen, die aus den Augenwickeln die Prostituierten mustern und fragen: "Warum machen die das bloß?"

Dazu unzählige Jungessellenabschiede und Bundeswehr-Ausscheider, die an diesem Abend die besten Freunde der Welt sind. Und Paare, die nur ein bisschen über die Reeperbahn schlendern wollten, aber dann, zack, zieht der Mann die Frau doch in einen Sexshop rein.

Das mit den Prostituierten läuft auf der Reeperbahn so: Entweder sie sitzen in den Schaufenstern ihrer bunten Häuschen in der Herbertstraße, in der nur Männer erlaubt sind (Frauen, die sich da hineinwagen, bekommen schon mal einen Eimer Urin über den Kopf geschüttet). Oder sie stehen am Hans-Albers-Platz oder an der Davidstraße (nur auf der rechten Seite) vor dem McDonald’s, gegenüber der Davidwache, solariumgebräunt und mit dicken Plateau-Turnschuhen an den Füßen, und man fragt sich, ob die einen Sponsorvertrag mit der Firma Buffalo haben. Im Winter tragen sie alle – wie verabredet – einteilige Skianzüge, die sie aussehen lassen wie eine Super-G-Mannschaft.

Eine Konversation zwischen einer Prostituierten und einem potenziellen Freier läuft so ab: "Hey, du mit dem Käppi/der Hose/der Jacke, kommst du mit?" – "Nein, danke." – "Was spricht dagegen?" – "Muss nach Hause." – "Aber mit schön entspannten Eiern geht man doch viel besser nach Hause und die 30 Euro tun dir doch nicht weh." Wem jetzt kein gutes Gegenargument einfällt, der ist fällig. Man hört, dass das, was man letztlich für die 30 Euro bekommt, ordentliche Arbeit sein soll. Nicht richtig schön, aber auch nicht traumatisierend.

Sex kann man auf der Reeperbahn sehr einfach haben, in vielen Variationen, womit wir wieder bei dem Mann mit den Netzstrümpfen vom Anfang dieser Geschichte wären (der Transen-Strich befindet sich übrigens in der Schmuckstraße parallel zur Reeperbahn).

Für die Hamburger aber stellt sich eine ganz andere Frage: Wie schafft man es, auf der Reeperbahn keinen Sex zu haben? Gibt es einen Trick, damit die Damen einen in Ruhe lassen, wenn man nur eben mal so dahin will? Ein Freund aus Hamburg kennt einen: „Trage eine Penny-Markt-Tüte, dann lassen sie dich in Ruhe.“ Er wohnt seit vielen Jahren auf der Reeperbahn. Er muss es also wissen.

Kommentare

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  • Captain Zero (1) Vielen Dank für die großartige Beschreibung meiner Lieblingsstraße, die auch heute noch immer wirklich verrucht ist aber so viel Spaß macht. Besser kann man das Flair nicht beschreiben. Da kriege ich wirklich Heimweh - Habe ich doch die besten Zeiten dort mit meine Kumpels verbracht und oft genug jede Vernunft vergessen. Immer wenn ich morgens total Scholle im Nachtbus nach Hause gefahren bin hatte ich das Gefühl wieder ein wildes Abenteuer erlebt zu haben.

    Für Sex bezahlt habe ich dort aber noch nie. Meine Strategie: Ich erzähle,dass ich vor der Ehe keinen Sex haben darf und mache einen Heiratsantrag. Die Prostituierten sind ja schließlich auch junge Mädels und ich habe damit schon einige sehr zum Lachen gebracht.
  • Robert W. (1) Ein anderer Trick, als Mann unangequatscht über die Reeperbahn zu kommen ist, mindestens 2 weibliche Begleiter zu haben.

    Und noch eine Warnung: Immer schön freundlich mit den Damen in leichter Bekleidung sein. Es gab schon einige Männer, die nach unfreundlichen Worten vor 4 großen Typen wegrennen mussten.

    Ansonsten viel Spaß!