Mit Herz und Hand

Gutes Design ist keine Frage des Preises. Es geht immer um die Seele - wie diese Do-it-yourself-Projekte beweisen, die Topdesigner für uns entworfen haben. Zum Nachbauen. Zum Verschenken. Zum Freudehaben.


»Tys Vico« - Holzflieger von Jaime Hayon

Entwerfen heißt immer auch basteln. Wer das als Majestätsbeleidigung empfindet gegenüber den Gestaltern, braucht sich nur in Designerstudios umzusehen, wo es meistens nach Sprühkleber und Sägemehl riecht und sehr viel mit Papier, Pappe und Holz probiert wird, bevor es ans Finetuning der Prototypen geht. Es ist also nicht nur die Vaterliebe, die einen Stardesigner wie Jaime Hayon dazu bringt, für seine kleinen Söhne einen Spielzeugflieger zu entwerfen: Ein Kind steckt eben in jedem Designer. Hayons Variante zum Selbstbauen auf Basis einer Schablone ist so unkompliziert, dass die Kleinen die Montage auch ohne Eltern schaffen dürften.

Kosten:
10 Euro, Zeit: 15 Min.
Die Bauanleitung finden Sie hier.

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»Flex« - Schreibtischorganizer von Benjamin Hubert

Wer schon einmal versucht hat, im Kaufhaus ein vernünftiges Behältnis für Stifte, Schere oder Pinsel zu finden, das nicht nach gesichtslosem Zweckdesign aussieht, weiß: fast unmöglich. Benjamin Huberts Lösung für diesen Mangel ist so elegant wie einfach zu bauen: Kleine Stücke aus -Sattelleder werden gemäß einer festgelegten Form ausgeschnitten, auf der Oberfläche mit dem Cutter eingeschlitzt und zusammengerollt. Ein Haushaltsgummi stabilisiert das Objekt. Dank der Spiralkonstruktion bietet »Flex« Platz für lange wie kurze Utensilien. Zudem eignet es sich sehr gut als Geschenk zum Verschicken, denn flach ausgerollt passt es in jede Versandtasche.

Kosten: 20 Euro, Zeit: 60 Min.

Die Bauanleitung finden Sie hier.

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»Minutes en Balade« - Wanduhr von Julie Richoz

Für Designer sind Uhren ein ewiges Projekt, sie werden sich immer mit ihnen beschäftigen. Es gibt sie analog und digital, im öffentlichen Raum oder als Modeaccessoire. Julie Richoz fügt dieser Typologie eine Uhr hinzu, die man ganz leicht selbst bauen kann, mit Material aus dem Schreibwarengeschäft: »Ich wollte mit existierenden Produkten arbeiten und die Wand als Bestimmungsort der Uhr in das Design miteinbeziehen. Reißzwecken gibt es in diversen Formen und Farben, perfekt, um damit zu spielen.« Im Zentrum ist ein Standarduhrwerk, um das zwölf Reißzwecken als Stunden in die Wand gepinnt werden. Dazwischen stecken die Minuten - als freie Radikale. Und als Plädoyer für etwas mehr Zeitlosigkeit.

Kosten:
10 Euro, Zeit: 25 Min.

Die Bauanleitung finden Sie hier.

»Stummer Diener, Leuchte, Tischaccessoires

»Hangout« - Stummer Diener von Antenna Design

Eigentlich sind Designer dafür da, Lösungen für Probleme zu entwickeln. Für ihr DIY-Projekt gingen Masamichi Udagawa und Sigi Moeslinger von Antenna Design den umgekehrten Weg: »Wir besuchten einen Baumarkt und ließen uns vom Angebot inspirieren.« Einen Besenstiel und ein buntes Seil brachten sie mit und ließen ihre Assistenten Isaac Chen und Binsei Numao damit experimentieren. Heraus kam ein stummer Diener von bemerkenswerter Schlichtheit. Das Seil wird durch Bohrlöcher im Stiel geführt und dann seitlich so in der Wand verankert, dass die Konstruktion lässig in den Raum hängt. Perfekt für Schlafzimmer oder ungenutzte Ecken in WGs.

Kosten: 20 Euro, Zeit: 1,5 Std.

Die Bauanleitung finden Sie hier.

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»Magpie« - 
Tischaccessoires von Formafantasma

»Gott ist der beste Designer.« Und: »Die Natur ist meine größte Inspiration.« Mit diesen Phrasen kann ein Designer heute, da mit 3-D-Druckern praktisch alles kopiert werden kann, niemanden mehr beeindrucken. Das italienische Design-Duo Formafantasma versucht gar nicht erst, Gott zu kopieren - Formafantasma bedient sich einfach am Fundus, den die Natur uns bietet. So wird aus einer Muschel eine Salzschale, aus einem Felsbrocken ein Nußknacker und aus einem Schwamm ein Ölspender. »Wir benutzen diese Objekte bei uns zu Tisch zu Hause. Dafür braucht es kein Design. Wir haben einfach schöne Fundstücke für unsere Zwecke umfunktioniert - wie diebische Elstern.«

Kosten: 5 Euro, Zeit: 20 Min.

Die Bauanleitung finden Sie hier.

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»F-Light« - 
Leuchte von Johanna Grawunder 

Die Idee, Schwarzlichtleuchten mit fluoreszierender Wandfarbe zu kombinieren, hatte Johanna Grawunder bereits 2003, als sie dieses Prinzip für eine Lichtinstallation in einem sizilianischen Museum ausprobierte. Für das SZ-Magazin hat sie nun eine DIY-Variante für den Hausgebrauch entworfen. Man braucht dafür eine Schwarzlichtquelle, ein freies Stück Wand (je roher und unverputzter, desto besser) und fluoreszierende Farbe. »Die Farbfläche erstrahlt wie eine Projektion. Je nach Farbton taucht sie den Raum in ein warmes, indirektes und stimmungsvolles Licht«, sagt Grawunder. »Perfekt zum Tanzen, Essen oder Entspannen - zu dunkel vielleicht, um Flaschenschiffe zu bauen.«

Kosten:
50 Euro, Zeit: 30 Min.

Die Bauanleitung finden Sie hier.

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