Live aus dem Kreißsaal

Live-Videos, Whatsapp-Dauerchat und Fußballspiele per Stream: Smartphones  sind auch bei Geburten nicht mehr wegzudenken. So manchen werdenden Eltern möchte unsere neue Kolumnistin, eine Hebamme, sagen: Augen weg vom Display!

Illustration: Cynthia Kittler

Die Geburt kam schnell, sehr schnell. Mit einer Hand am Bauch mit der anderen ihr Smartphone umklammernd, stolperte die junge Frau in unser Krankenhaus. Die Strähnen hingen ihr ins Gesicht, sie war keine 25. Eine Hand auf die Liege gestützt, versuchte sie panisch ihren Freund zu erreichen. Es war drei Uhr nachts.

Er habe einfach weitergeschlafen, als sie ihm sagte, dass es jetzt wohl losgehe, keuchte sie schmerzverzerrt. Tief und fest. Sie habe ihn nicht wecken wollen. Ich nickte verständnisvoll.

Irgendwann habe sie beschlossen, dann doch ins Krankenhaus zu gehen, notfalls alleine. Eine gute Entscheidung, denn lang würde das hier nicht mehr dauern: Der Muttermund war schon acht

Ihr Handy drückte sie an die Brust, als wäre es ein Stück Treibgut in tosender See. Dann hielt sie es mit dem Mikrofon in Richtung Mund und sprach

Manche meinen, nichts hätte Geburten so verändert wie der Wunsch-Kaiserschnitt oder die PDA. Ich finde: Smartphones kommen auf Platz 3. Und im Falle der jungen Frau war das

Sonst sind es oft die Väter, die im Kreißsaal ihr Handy nicht aus der Hand legen. Vor allem wenn die Wartezeit vorbei und das Baby geboren ist: So

Doch das soll keine Handyschelte an die Väter werden: Das Handykabel ist die Nabelschnur aller werdenden Eltern. Nicht auszudenken, wenn jetzt der Akku leer würde! Ein Gerät – das von Vater oder Mutter – hängt im Kreißssaal eigentlich immer aus der Steckdose. Wir geben den Frauen ja vorher eine Liste, was sie zur Geburt ins Krankenhaus mitbringen sollen. Ladekabel steht weit oben. Es ist unsere Form der Drama-Prävention.

Apropos Drama: Immer öfter werden jetzt auch Filme gemacht. Die Geburtshelfer, also die Ärzte, wir Hebammen und Pflegekräfte, werden dann automatisch zum Cast dieses großen Abenteuerepos, das im

Aber die moderne Technik kann auch Vorteile haben. Bei der letzen EM kam es zu einer Geburt während eines wichtigen Deutschlandspiels. Die werdende Mutter war ganz aufgelöst, weil

Weniger lustig sind die Businesseltern. Wenn die Männer für Stunden hinter einer Zeitung oder in irgendwelchen Akten verschwinden, während ihre Frau stöhnt und hechelt, das geht ja noch.

Eine andere Frau schrieb mal »kurz noch zwei Arbeitsmails«, mitten unter der Geburt, sie hatte gerade eine PDA bekommen. Da frage ich mich als Hebamme schon, wann genau

Die junge Frau, die mutterseelenalleine bei uns war, hielt sich immer noch an ihrem Smartphone fest, als nach nur einer halben Stunde die Presswehen einsetzten. Weiß traten ihre

»Sie haben es auch ohne ihn geschafft«, sagte ich zu ihr. Sie war stolz und glücklich, und ich war es angesichts dieses fabelhaften rosa Bündels in ihrem Arm auch. Eine Träne war gerade dabei, sich in meine Augen zu schleichen, als ein Handyklingeln diesen feierlichen Moment unterbrach. Ich wollte schon schimpfen: Jetzt ist aber mal genug. Doch es war mein eigenes. Die Kollegin war dran: »Wir holen Frühstück. Cappuccino und Käsebrötchen?«