Du bist Deutschland

Goleo VI [*Botswana, 5.7.1985], Mitarbeiter der FIFA-Marketingabteilung.

Unter dem Schock des unfassbar hässlich grinsenden WM-Logos verfiel unsere Redaktion vor Jahren auf die Idee, ein eigenes Maskottchen für die Weltmeisterschaft zu entwerfen und es an der FIFA vorbei ins Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen. Heraus kam »Krauti«, die wandelnde Wurst. Krauti wurde in der Hoffnung geboren, ein noch wesentlich hässlicheres Maskottchen der FIFA verhindern zu helfen. Wie viele gute Ideen vergammelt auch Krauti in einer unserer Schubladen, weshalb wir uns heute an dieser Stelle nicht über Goleo VI beschweren dürfen. Denn irgendwie hängt ja noch das Gefühl in der Luft, dass der Redaktion eine Mitschuld zukommt an seiner Existenz. Betrachtet man sich die veröffentlichte Meinung zu Goleo, so fällt auf, dass an dem zotteligen Tier seit seinem Erscheinen nicht ein gutes Haar gelassen wurde. Da war viel Häme im Spiel. Eine schlechtere Presse als Goleo hatte in jüngster Zeit wohl nur noch der Kannibale von Rotenburg. Kein guter Start für einen, der als Sympathieträger angetreten ist. Höchste Zeit also für ein paar rehabilitierende Worte. All diejenigen, die ernsthaft monieren, dass er keine Hose trägt, übersehen, dass das ein Marketing-Gag war, um ihn bekannt zu machen. Ein gelungener übrigens. Dafür trägt er Schuhe aus Herzogenaurach und kurbelt die deutsche Wirtschaft an. Und dass sein Mund offen steht, seine Zunge raushängt und er deshalb ein bisschen dämlich guckt? Gott, er ist doch nur ein Fußballer. Ein behäbiger zwar, aber so sind wir Deutschen halt.
Verglichen mit den Wappentieren vergangener Turniere schneidet Goleo außerdem gar nicht so schlecht ab. Man betrachte nur das unsinnliche grün-weiß-rote Würfelmännchen aus Italien. Oder die durchgeknallten Fußball-Aliens aus Japan. Und Tip & Tap von 1974 schwimmen doch auch nur auf der Retro-Welle.

Nein, unser Goleo verdient es nicht, in die Pfanne gehauen zu werden. Go for Goal, Goleo! Wir halten zu dir! Und Krauti? Krauti ist uns ab sofort Wurst.

Foto: AP

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