Die Mensch-Maschine

Unsere Autorin hat auf einer Amazon-Plattform wochenlang stumpfsinnige Kleinstaufträge erledigt - für wenig Geld und gegen weltweite Konkurrenz. Ist das die Zukunft der Arbeit?

In einem kleinen Büro am Rande einer indischen Schnellstraße sitzen drei Frauen an veralteten Lenovo-Laptops und tippen Kassenzettel ab. Wofür? Das wissen sie nicht. Sie wissen nur: Mit jedem abgetippten Kassenzettel verdienen sie 0,03 Dollar. Die Frauen sind meine Kolleginnen - und meine Konkurrentinnen im Kampf um den nächsten Auftrag.

Seit einigen Wochen arbeite ich als Clickworkerin für Amazon Mechanical Turk. Mechanical Turk ist ein Onlineportal, auf dem Firmen Aufgaben einstellen, die sich innerhalb von ein paar Minuten erledigen lassen. Einen Kassenzettel abtippen, beispielsweise. Oder zwanzig Fotos auf ihre Jugendfreiheit prüfen. Diese Aufgaben erledigen die "Turker": Meine etwa 500 000 Kollegen weltweit - und ich. Mit jeder Aufgabe, die wir auf unserem Computer oder Smartphone abschließen, verdienen wir zwischen einem Cent und ein paar Euro. Dabei konkurrieren wir in Echtzeit um dieselben Aufträge. "A global, on-demand, 24x7 workforce", schreibt Mechanical Turk auf seiner Homepage: weltweit jederzeit verfügbare Arbeitskräfte, 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche.

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