Was mich die Pandemie-Einsamkeit lehrte

Kurz vor dem ersten Lockdown zerbricht die Beziehung – einen schlimmeren Zeitpunkt könnte es nicht geben, denkt unsere Autorin. Doch die Angst vor der Isolation weicht im folgenden Jahr einer Erkenntnis: Aus dieser brutalen Art des Alleinseins kann sie mehr ziehen als aus jeder schnellen Ablenkung.

Einen Balkon hat die Autorin nicht, was sie in der Pandemie aber ebenfalls oft macht: alleine rumsitzen und sich bestmöglich selbst umarmen.

Foto: Getty/AleksandarNakic

»Hilfe !!!!«, schrieb ich am 20. März 2020 in mein Notizbuch. »Jetzt also die Steigerung von Einsamkeit.«

In Bayern wurden an diesem Tag die ersten Ausgangsbeschränkungen erlassen, und mich überfielen lauter Ängste auf einmal. Globale Seuche, überfüllte Intensivstationen, meine sture Oma, die gerade erst eine ernste Krankheit überstanden hatte, die Gefahr für alle anderen älteren und kranken Menschen, Infektionszahlen. Darunter mischte sich meine persönliche Furcht, die im Vergleich unbedeutend klingt, mir aber ebenfalls unüberwindbar vorkam: Wie sollte ich die kommende

Wenige Wochen vorher war meine Beziehung in die Brüche gegangen. Nachts erschrak ich manchmal noch darüber, dass kein warmer, vertrauter Mensch neben mir im Bett lag. Morgens schien mir mein einziges Ziel, es irgendwie durch den Tag schaffen, unerreichbar. Soweit der Vor-Lockdown-Stand. Jetzt würde ich mich nicht einmal mehr umarmen oder bei einem Spaziergang trösten lassen dürfen. Sogar am Fluss zu sitzen und

Aufstehen, arbeiten, essen, arbeiten, heulen, arbeiten, essen, Infektionszahlen, arbeiten, essen und dabei heulen, Netflix, Infektionszahlen und dann schlafen: So quälte ich mich durch die ersten Tage des Lockdowns. Mit der Zeit ploppten in meinem Kopf immer wieder diese Eigentlichs auf, also Dinge, die ich eigentlich tun müsste: Eigentlich würde ich jetzt mit einer Freundin auf dem Sofa sitzen und über meinen Schmerz reden.

Im folgenden Jahr wurde ich eines Besseren belehrt. Die Corona-Einsamkeit hat mir eine neue Art des Alleinseins aufgezwungen, durch die ich, anders als in früheren Single-Phasen, wirklich zu mir fand. Ich überstand den Liebeskummer und die Zeit ohne romantische Liebe nicht nur, ich kriegte es am Ende sogar besser hin als je zuvor.

Nach einer Trennung müsse man wieder zu sich kommen und

1. Verzweifelt sein, Eispackungen vernichten, zerstört aussehen.
2. Mit lieben Menschen kochen oder Essen bestellen, sich ein bisschen ablenken, aber auch Traurigkeit in Anwesenheit anderer zulassen.
3. Sich zum Ausgehen überreden lassen, sich gute Laune antrinken und verdrängen, dass der Kummer spätestens auf dem Heimweg mit doppeltem Gewicht zurückkommt.
4. Affäre mit einer Person anfangen, die irgendwie cool ist, aber auf keinen Fall für etwas Ernstes in Frage kommt.
5. Neue Frisur oder neues Tattoo, Hobbys wiederentdecken.
6. Eroberungsmodus: Wieder in die Welt hinausgehen, ein Karrieresprung machen oder ein Schweigekloster besuchen, Hauptsache mutig sein eben.
7. Jemand Neues und Besseres kennenlernen.

Wenn all das abgehakt ist, hat man es wirklich geschafft,

Die beste Antwort, die ich innerhalb des vergangenen Jahres auf

Ich könnte zwar von Erkenntnissen erzählen. Darüber, dass manches doch

Wenn ich weinte, mich langweilte, vereinsamte, wollte ich natürlich nichts

Damit will ich nicht sagen, eine Pandemie sei super für

Die Autorin Noreena Hertz schreibt in ihrem aktuellen Buch Das Zeitalter der Einsamkeit sogar: »Bei der aktuellen Einsamkeitskrise handelt es sich nicht nur um eine Krise der psychischen Gesundheit. Diese Krise macht uns auch körperlich krank.« Mehrere Studien belegen das: Einsamkeit sei schädlicher als zu wenig Sport, genauso schädlich wie Alkoholabhängigkeit oder 15 Zigaretten am Tag und doppelt so schädlich wie Übergewicht. Aber es ist eben auch bekannt, dass Einsamkeit nicht damit gleichzusetzen ist, alleine zu leben. Wer schon mal mit einem Menschen im Bett lag, von dem er oder sie sich nicht mehr verstanden fühlte, weiß das.

»Ich bin nicht allein, wenn ich selbst zu mir stehe«,

Konkret lief es bei mir nach dem ersten Lockdown so,

Inzwischen habe ich den Liebeskummer überwunden. Es ist mir nicht

In diesem Frühling, ein Jahr nach der großen Angst, musste