Bilderflut

Clark Little fotografiert seit acht Jahren die Wellen an den Küsten von Hawaii. Wenn er nach Stunden aus dem Wasser kommt, sieht er aus wie eine Rosine - und hat mit Glück eines seiner atemberaubenden Bilder dabei.

Name: Clark Little
Geboren:
1968 in Napa, Kalifornien
Website:
www.clarklittle.com

SZ-Magazin: Herr Little, Sie waren jahrelang Profi-Surfer, bevor Sie anfingen Wellen zu fotografieren. Warum haben Sie das Brett gegen die Kamera ausgetauscht?
Clark Little: Das war Zufall. Vor etwa acht Jahren ist meine Frau mit dem Foto einer Welle nach Hause gekommen, das sie in unser Schlafzimmer hängen wollte. Es wurde mit einem großen Objektiv von der Küste aus aufgenommen. Ich sagte: Lass mich ein besseres Bild machen – direkt vom Wasser aus. Ich kaufte eine kleine Kamera mit wasserdichter Hülle. Dann ging ich raus und probierte es. Ich hatte großen Spaß dabei und fand die Ergebnisse ganz ordentlich. Meine Familie und Freunde waren begeistert von den Fotos, das hat mich ermutigt weiterzumachen. Kurz darauf kaufte ich eine professionelle Ausrüstung. Und habe seitdem nicht aufgehört zu fotografieren.

Fast alle Ihre Fotos sind in Hawaii entstanden – was ist das besondere dort?

Ich lebe nur fünf Minuten von den Stränden entfernt, an denen ich meistens fotografiere. Meine Heimat, die Nordküste von Oahu, ist weltberühmt für ihre großen Wellen. Das Wasser ist sehr klar. Der weiße Strand und die Palmen geben eine super Kulisse ab. Ich habe aber auch schon in Kalifornien, Japan, Brasilien und Tahiti fotografiert.

Ganz ungefährlich ist das aber nicht, oder?

Ja, manchmal sterben hier Schwimmer oder Surfer, auch Fotografen sind schon in den Wellen ums Leben gekommen. Gefährlich ist es vor allem, wenn man die Brandung nicht gewohnt ist. In seichtem Wasser können dich große Wellen mit voller Kraft auf den Grund werfen, und du kannst dir den Rücken oder das Genick brechen. Meine Ausrüstung wiegt etwa fünf Kilo – auch wenn mich die am Kopf trifft, kann ich mich verletzen.

Wie gehen Sie mit dem Risiko um?
Oft brechen mehrere große Wellen nacheinander. Wenn du acht- bis zehnmal in Folge die Luft anhalten musst, bist du irgendwann ganz schön außer Atem. Einmal wäre ich fast ertrunken, seitdem bin ich etwas vorsichtiger. Ich muss mir jeden Tag gut überlegen, ob ich wirklich fit genug bin, um rauszuschwimmen. Aber irgendwie mag ich die Gefahr. Sie hält mich aufmerksam und zwingt mich, schnelle Entscheidungen zu fällen.

Wie dauert es, bis die perfekte Welle kommt – und Sie sie perfekt erwischen? Manchmal mache ich an einem Tag 300 bis 400 Bilder in ein paar Stunden und vielleicht ist ein gutes dabei. Manchmal schaut es nach einem schlechten Tag aus und fünf Minuten später habe ich den perfekten Schuss. Im Schnitt würde ich sagen: Jedes tausendste Foto ist gut, und jedes zehntausendste ist richtig gut. Allerdings brechen die Wellen hier an der Nordküste nur während der Hälfte des Jahres. Ich muss also immer wieder sechs Monate warten, bis der Winter kommt.

Wie kam es, dass Sie mitten in den donnernden Wellen eine Schildkröte entdeckt haben?
Die Schildkröten fressen gerne Seegras. Wo es flach genug ist und das Gras wachsen kann, findet man sie. Normalerweise sind die Tiere sehr mit Fressen beschäftigt und kümmern sich nicht um mich. Manchmal werden sie von einer Welle mitgerissen und ans Riff geschleudert.

Sie fotografieren die Wellen jetzt schon ein paar Jahre. Wird das nie langweilig?
Nein, nie. Am Strand ist jeder Tag anders. Für die Fotos rauszuschwimmen ist ein großartiges Sportprogramm. Die Gefahr macht es aufregend. Jede Welle ist einzigartig, wie eine Schneeflocke. Wenn ich nach Hause komme und die Fotos am Computer anschaue, ist das wie ein Geschenk auszupacken. Langweilig ist es also nicht, aber anstrengend: Nach drei oder vier Stunden im Wasser bin ich komplett blau gefroren. Meine Haut ist verschrumpelt wie eine Rosine und meine Muskeln sind so erschöpft, dass ich kaum noch gehen kann.

Fotos: Clark Little

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