Ein Augenschmaus

Der Name klingt wie ein Scherz, aber Wassermelonenrettich gibt es wirklich. Und das Gemüse schmeckt nicht nur großartig, sondern sieht auch spektakulär aus.

Sie mögen es eher kühl, sie sind anspruchslos und sie lassen sich nach der Ernte gut lagern: Wassermelonenrettiche sind das ideale Wintergemüse. Ursprünglich kommen sie aus China, wegen ihrer knalligen Farbe werden sie aber weltweit angebaut. Wer will kann die Rettiche im Juli für eine Ernte im Spätherbst oder Winter aussäen. Auch ich habe die schönen Wurzeln erst auf einem Foto bewundert und dann auf dem Markt gesucht. In Deutschland kommen sie von Dezember bis Ende März in den Handel, jetzt ist also eine gute Zeit. Vielleicht schmecken Wassermelonenrettiche etwas weniger scharf und dafür einen Hauch bitterer als weiße Rettiche, aber das Aroma unterscheidet sich wenig – und das war mein Problem: Was soll ich mitten im Winter mit einem Radi? Die Biergärten sind tief verschneit und mir steht der Sinn nach warmem comfort food. Knackige kalte Rettichsalate können noch so schön leuchten, jetzt ist einfach die falsche Zeit dafür.

Zum Glück kann man Rettiche und Radieschen aber auch sehr gut als Gemüse dünsten oder schmoren und die schöne Farbe bleibt dabei sogar erhalten. Der chinesische Name 心裡美蘿蔔
wird mit »Shinrimei-Rettich« übersetzt, die Bedeutung ist ungefähr: Schön-in-seinem-Herzen-Rettich. Das passt.

Geschmorter Wassermelonenrettich mit Rosenkohlpüree und Granatapfel

Für 4 Personen:

  • 750 g Wassermelonenrettiche (oder Radieschen)
  • 1 Knoblauchzehe
  • 2 EL Olivenöl
  • 1 großer Thymianzweig
  • 1 EL Honig oder Ahornsirup
  • 2 EL Rotweinessig
  • Salz, Pfeffer (z.b. fermentierter Kampotpfeffer - muss aber nicht sein, eingelegter grüner Pfeffer passt auch sehr gut)
  • 1/2 Granatapfel

Für das Püree:

  • 600 g Rosenkohl
  • 2 Zwiebeln
  • 100 g geräucherter Speck (Veggievariante siehe unten)
  • 2 EL Butter
  • 200 g Sahne
  • Muskat

Die Wassermelonenrettiche schmoren
Wassermelonenrettiche waschen und in daumendicke Spalten schneiden. Knoblauchzehe mit Schale quetschen. Zusammen mit Thymianzweig und Honig im Olivenöl 3 Min. zugedeckt andünsten, mit Essig ablöschen, mit Salz und Pfeffer würzen, 200 ml Wasser zugeben und bei kleiner Hitze 12 Min. zugedeckt auf dem Herd schmoren.  

Granatapfelkerne auslösen
Während die Rettiche schmoren die Granatapfelkerne aus der Frucht lösen. Dafür entweder rabiat und effizient den Granatapfel mit der Schnittfläche nach unten über eine Schüssel halten und mit einem Kochlöffel oben auf den Granatapfel schlagen bis alle Kerne herausfallen – Vorsicht spritzt. Oder nach und nach die Häute von den Granatapfelkernen abziehen und die Kerne in größeren Gruppen mit dem Finger aus ihrer Verankerung drücken.

Rosenkohlpüree vorbereiten
Rosenkohl putzen, dabei den Strunk kürzen und kreuzweise einschneiden, welke Blätter entfernen. Einen Topf mit reichlich Salzwasser aufkochen, den Rosenkohl darin 10 Minuten kochen. Rosenkohl abgießen, abschrecken, abtropfen lassen. Zwiebeln abziehen und würfeln. Speck in Streifen schneiden und mit Butter in einem Topf 3 Minuten knusprig braten. Den Speck aus dem Topf heben und auf Küchenpapier abtropfen. Zwiebeln im Speckfett kurz anbraten, den Kohl durch die grobe Scheibe eines Fleischwolfes drehen oder mit etwas von der Sahne in einer Küchenmaschine pürieren. Rosenkohl und restliche Sahne zu den Zwiebeln geben und 5 Minuten kochen lassen. Mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken.

Anrichten und Veggievariante
Rosenkohlpüree und Wassermelonenrettiche auf Teller verteilen, mit knusprigem Speck und Granatapfelkernen bestreuen. Dazu passt Röstbrot. Den Speck kann man sehr gut auch durch grob gehackte Walnusskerne ersetzen, die einfach mit der Butter anrösten, aus dem Topf heben und dann wie beschrieben fertig kochen.

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