Ein Mann sieht rot

Unser Koch liebt Granatapfelsaft, hat aber seine Presse verschlampt. Zum Glück kann er seine Lieblingsfrüchte mit einem gängigen Küchengerät genauso gut entsaften.

Manchmal kaufe ich eine Kiste Granatäpfel, um Saft aus meinen Lieblingsfrüchten zu pressen. Die Saison in der Türkei geht demnächst zu Ende, die Granatäpfel sind gerade superreif, halten aber im Haushalt nicht mehr sehr lange. Deshalb sind sie jetzt gerade günstig. Der Saft von Granatäpfeln schmeckt unvergleichlich süß und fruchtig, dabei gleichzeitig ein bisschen herb. Und schön macht er auch. Hoffe ich.

Jedenfalls steht gerade wieder so ein Kistchen in meiner Küche - nur ist die Granatapfelpresse nicht zu finden. Wir haben sie hier schon einmal beschrieben, das Ding ist hübsch, handlich und nicht so teuer wie die Standhebelmodelle für Profis. Nur eben leider verschwunden. Meine Frau hat alle möglichen Theorien, wo ich das Ding verbummelt haben könnte - leider sind alle plausibel. Da kommt mir die rettende Idee: In einer Kartoffel- oder Spätzlepresse müsste es doch auch gehen. Und wenn das klappt, ist es ein Spitzentipp! Granatapfelsaft pressen mit einem Haushaltswerkzeug, das jeder daheim hat oder vom Nachbarn leihen kann - wunderbar.

Beschwingt schneide ich einen Granatapfel in grobe, große Stücke und presse sie in der Kartoffelpresse aus. Die Saftausbeute ist tatsächlich gut. Als die »echte« Granatapfelpresse nämlich später doch noch auftaucht, vergleiche ich die beiden Geräte - die Saftmenge ist fast gleich. Allerdings hat die Spezialpresse eine kleine Zahnhebelübersetzung, die viel Kraft spart. Die Kartoffelpresse hat das nicht. Man muss also ziemlich fest zudrücken um wirklich jeden kostbaren Tropfen Saft aus dem Granatapfel zu quetschen. Außerdem ist es sinnvoll, den Oberkörper frei zu machen oder ein Lätzchen anzulegen, damit Hemd oder Bluse später nicht blutrot gesprenkelt sind. Aber das gilt für alle Arbeiten am Granatapfel, unabhängig von der verwendeten Technik. Der Aufwand lohnt sich.

Granatapfel-Aufstrich
Falls der unwahrscheinliche Fall eintreten sollte, dass mal 100 ml Saft übrig bleiben: hier noch ein kleines Rezept für einen feinen, kaltgerührten Brotaufstrich. Der funktioniert ähnlich wie die Sauce zu unserer Pavlova.

Zutaten für ca. 350 g
65 g reife Mango
65 g Blutorangenfruchtfleisch
100 ml Granatapfelsaft (siehe Tipp)
1 Pckg. Gelierzucker ohne Kochen für 250 g Früchte

Mango und Blutorange mit einem Messer schälen, jeweils 65 g Fruchtfleisch abwiegen (oder stattdessen 100 g Aprikosen oder 100 g reife Birne nehmen und 30 ml Zitronen-Fruchtfleisch zugeben). Mit 100 ml Granatapfelsaft und dem Gelierzucker im Mixer oder mit dem Pürierstab auf höchster Stufe 1 Minute mixen. Mindestens 2 Stunden kalt stellen und auch im Kühlschrank lagern

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