Karibischer Törtchentraum

Unser Kochkolumnist liebt Lissabon - für seine Läden und für Pasteis de nata. Von diesen leckeren Cremetörtchen hat er eine eigene Version entwickelt: mit Rum und Limette.

Lissabon ist die zweitschönste Stadt, die ich kenne, und es gibt dort die zweitbesten kleinen Cremetörtchen, die ich kenne: die berühmten Pasteis de nata oder Pasteis de Belém, wobei »nata« auf Portugiesisch einfach Sahne heißt und »Belém« der Name des Klosters ist, in dem die Törtchen erfunden wurden und heute noch in großer Zahl gebacken werden. Etwa 20.000 Törtchen sollen in der Klosterkonditorei täglich frisch aus dem Ofen. Das ist das wichtigste Geheimnis ihrer Qualität. Die Schweinhaxe im Münchner Wiesn-Zelt schmeckt auch oft besonders gut, weil sie - ganz einfach - immer frisch aus dem Ofen kommt.

Neben den leckeren Törtchen kann man in der Lissabon noch andere Sachen kaufen, zum Beispiel sehr schöne kleine Formen für eben diese Pasteis oder Puddings oder Eis. Mein Backschrank ist voll davon, ich verwende sie oft, zum Beispiel für Zitronenkuchen. Leider habe ich die Adresse des Ladens nie aufgeschrieben, dabei würde ich sehr gerne wieder einmal hinfahren. Dann könnte ich mich mit ein paar Cremetörtchen und einem portugiesischen Milchkaffee stärken und anschließend dem Kaufrausch hingeben.

Nun ja, immer wenn ich meine eigene Version der Pasteis backe, denke ich an Lissabon, vielleicht hilft das irgendwann beim Erinnern. »Lima« bedeutet Limette und meine Rumtörtchen sind tatsächlich eine Art karibische Version des Klassikers. Limetten machen die Creme sehr frisch, Rum passt gut dazu. Und eine spezielle Art, den Blätterteig mit Zucker einzurollen, macht die Törtchen knusprig mit einem schönen Karamellgeschmack.

Wenn man Pasteis de Lima sorgfältig bäckt, haben sie gute Chancen auf Platz eins im Cremetörtchen-Ranking. Dabei braucht es allerdings etwas Geduld: Sobald die Teigspiralen in der Form sind, müssen sie ruhen. Sonst zieht sich der Blätterteig beim Backen zusammen. Obwohl ich das weiß, habe ich nicht lange genug gewartet beim Backen fürs Foto. Wird schon irgendwie gehen, dachte ich wohl, viel zu tun war auch – aber das Ergebnis sieht leider sehr nach #erstemVersuch oder #Blätterteigfail aus. Geschmeckt haben die kleinen Dinger trotzdem und Sie wissen jetzt, wie es besser geht.

Rumtörtchen: Pasteis de Lima from Süddeutsche Zeitung Magazin on Vimeo.
Rumtörtchen: Pasteis de Lima

500 g Blätterteig
8 cl erstklassiger Rum
4-5 EL Muscovado-Zucker
Butter für die Förmchen

3 Bio-Limetten  für 125 ml Saft
4-5 Eier (275 g)
175 g Zucker
100 g Crème fraiche
Puderzucker

Tartlettförmchen mit schrägem Rand – oder eine Muffinform

Blätterteig 5 mm dick ausrollen, mit sehr wenig Rum bestreichen und mit Muscovado-Zucker bestreuen. Den Teig eng aufrollen (Durchmesser 5 cm), wieder mit Rum bestreichen und in Muscovadozucker wälzen. Teigrolle in 24 Scheiben mit je ca. 1 cm Dicke schneiden. Teigscheiben in gebutterte Tartlettförmchen drücken und mindestens zwei Stunden, besser über Nacht, kalt stellen.

Für die Füllung die Schale der Limetten abreiben, 125 ml Saft auspressen. Limettensaft und -schale mit Eiern, Zucker und Crème fraiche über einem schwach siedenden Wasserbad erhitzen, bis die Crème bindet. Vom Herd nehmen, mit 6 cl Rum abschmecken, abkühlen.

Tarteletts bei 220 Grad (Umluft 200 Grad) im Ofen ca. 15 Minuten goldbraun backen (wer Muffinformen nimmt, sollte am besten zwei Formen verwenden und die Törtchen dann zweimal backen). In jedes Tartelett einen Löffel Limetten-Rum-Crème geben, 5 Minuten fertig backen. Tarteletts aus dem Ofen nehmen und sofort aus den Formen lösen, bevor der karamellisierte Zucker erstarrt. Am einfachsten lösen sich die Tartletts aus Silikonformen. Pasteis de Lima mit Puderzucker bestreuen, warm servieren.

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