»Kruzifix Sakrament Hallelujah!«

Warum fluchen wir? Wie fluchen wir? Und wer flucht am lustigsten? Ein Gespräch mit dem Schimpfwortforscher Reinhold Aman.

SZ-Magazin: Herr Aman, was war die schönste Beschimpfung, die Sie in letzter Zeit gehört haben?
Es gibt im Jiddischen einen Fluch, den ich sehr gern mag: »Drei Schiffsladungen voll Gold sollst du erben, aber es soll dir nicht reichen, um deine Arztrechnungen zu begleichen!«

Wie ging das alles los, seit wann flucht der Mensch?
Flüche und Beschimpfungen gibt es, seitdem es Menschen gibt. Wir haben natürlich keine schriftlichen Belege, wie die Neandertaler vor 100 000 Jahren schimpften. Das erste mir bekannte Schimpfwort ist »Hund«, das in einem Gedicht in der altindischen Rigveda vorkommt, die vor rund 3000 Jahren entstanden ist. Ungefähr ebenso alt sind ägyptische Flüche, da wurde zum Beispiel gedroht: »Ein Esel soll dich vögeln!« Diese Beschimpfung wird noch heute in arabischsprachigen Ländern benutzt. Und man könnte auch sagen: Der erste und älteste Flucher ist Gott – in der Bibel verflucht er die Schlange und Kain. Die Bibel ist ja sowieso voll mit Schimpfwörtern, von »Giftschlangenbrut« bis »Otterngezücht«.

Warum flucht der Mensch überhaupt?

Weil er sich ärgert und der Ärger irgendwie rausmuss. In der Psychologie spricht man von einer Kausalkette aus drei Elementen: Frustration, Affekt, Aggression. Anders gesagt: Es passiert etwas, Sie regen sich auf, und das muss raus. Falls es einen Schuldigen gibt, richtet sich das natürlich gegen den.