Irre! Iggy vertont Houellebecq

Vor einigen Wochen waren bereits erste Meldungen über die bahnbrechenden Pläne von Iggy Pop zu lesen, heute hat er eine Pressekonferenz in Paris gegeben und ankündigt, dass sein neues Album namens Préliminaires am 15. Mai erscheinen werde. Hier die zwei wichtigsten Fakten. Erstens: Iggy wurde durch die Lektüre von Michel Houellebecqs Roman Die Möglichkeit einer Insel zu dem Werk inspiriert. Zweitens: Musikalisch ist das Album zumindest teilweise an traditionellen New-Orleans-Jazz im Stile von Louis Armstrong und Jelly Roll Morton angelehnt! Nicht schlecht, oder?! Iggy Pop war auch bisher kein Künstler, der einen geradlinigen Weg beschritt, aber mit solch einer Kehrtwende dürften die wenigsten gerechnet haben. Eine gewisse Genugtuung über Iggys Dixieland-Bekehrung kann ich nicht verhehlen – in diesem Blog vertrete ich ja schon immer die Meinung, dass kein vernünftiger Mensch die Genialität dieses Stils leugnen kann. Deshalb möchte ich Iggy beipflichten, der in einer Videobotschaft sagte: "I just got sick of idiot thugs with guitars banging out crappy music."

So überraschend Iggys Hinwendung zum Trad-Jazz kommt, so nachvollziehbar ist die Wechselwirkung mit Houllebecq. Zwar geht es in "I Wanna Be Your Dog" ums Ausleben der Sexualität und in Elementarteilchen darum, sie nicht ausleben zu können – aber sowohl Iggy als auch Houellebecq verhandeln in ihrem jeweiligen Werk die Sexualität als Herrschaftsinstrument und gesellschaftlichen Machtfaktor. Auch ihre nihilistische Weltsicht dürfte die beiden verbinden – wenngleich Iggy, anders als Houellebecqs Protagonisten, Zeit seines Lebens sexuell aus dem Vollen schöpfen konnte.

Außerdem wurde bekannt, dass Iggy auf Préliminaires Jazzballaden und Bossa Nova covert, und dass das Artwork von der iranischstämmigen Comiczeichnerin Marjani Satrapi (Persepolis) stammt. Satrapi + Dixieland + Houellebecq + Bossa Nova + Iggy – für mich hört sich das ziemlich genial an.

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