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aus Heft 49/2016 Gesundheit

Auf die harte Kur

Von Roland Schulz  Fotos: Alexander Krack

Unser Fotograf bereist seit Jahren Kurorte. In der Welt der Parks und Moorbäder hat er viel Schönheit gefunden - und menschliche Sehnsucht.



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Die Sonne wies ihm seinen Weg, an einem Sommerabend im Kurpark des Heilbades Bad Salzuflen. Alexander Krack war an diesem Ort des Verweilens auf Durchreise – ein zufälliger Stopp nur, der junge Fotograf arbeitete gerade an einer Serie von Aufnahmen über die Nacht. Aber nun, im schwindenden Licht des Tages, sah er in einem Schaufenster ein Gemälde stehen, auf das die sinkende Sonne einen scharfen Lichtkegel warf. Es war ein wundersamer Anblick. Ein Gemälde, von der Sonne in Szene gesetzt wie gemalt. Krack schoss ein Foto.

Später, er hatte Bad Salzuflen schon verlassen, kam Krack dieses Foto wie eine Frage vor: Welche Ästhetik liegt in dieser Welt der Kurorte? Er versuchte sich zu erinnern. Ärzte hatten Krack, als er fünf Jahre alt war, wegen einer chronischen Bronchitis auf Kur in die Berge geschickt, an einen sehr berühmten Kurort: Davos. Von seinem Sommer dort waren diffuse Erinnerungen geblieben – Bilder von wunderschöner Natur und fremdartigen Apparaten, von Männern in Kitteln und Menschen, die kaum krank wirkten. Wie war es wirklich?

Der Fotograf ließ seine Serie von Nachtaufnahmen liegen und begann, Kurorte zu besuchen. Bad Wildungen. Bad Salzungen. Bad Kissingen. Er streifte durch die Kurparks Dutzender Orte, fotografierte Heilstollen und Moorbäder, Wandelhallen und Gradierwerke, Konzertpavillons und Kneippbecken. Jeder Kurort war verschieden, es gab Sole-, See-, Moor- oder Thermalheilbäder, aber bald kam es Krack auch beim Besuch ihm noch unbekannter Bäder vor, als treffe er einen alten Freund. Da war der Kurpark, da die Heilmitteleinrichtungen, da die Menschen, die auf Heilung hofften.

Je tiefer der Fotograf in diesen Kosmos tauchte, umso mehr faszinierte ihn die Schönheit dieser Stätten, die nur auf den flüchtigen Blick schrullig war. »Diese heile Welt, diese Verheißung, dass es dir dort besser, dass es dir dort gut geht – ich sehe darin eine gewisse Würde«, sagt er. Diese Würde versuchte er in Bilder zu bannen. Der Serie, die daraus entstand, gab er den Titel morgens nüchtern, am Brunnen, zu Bett – ein Auszug aus einer alten Kurordnung, die damit jene drei Zeitpunkte benannte, an denen eine Trinkkur einzunehmen war. Die Fotoserie wird von jenem Bild eröffnet, das er einst als Erstes schoss, in Bad Salzuflen. Das Gemälde, das die Sonne damals in Szene setzte, zeigte einen Ort ohne Namen, viele Blumen, viel Sonne, ein Hauch von Meer – ein Sehnsuchtsort, nirgends oder überall zu finden. Könnte ein Kurort sein.

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Alexander Krack

Der Fotograf hat für diese Bilderserie mehr als dreißig Arten von Anwendungen beobachtet. Am eigenen Leib erlebte er eine der extremsten: Er ging in die Kältekammer. Drei Minuten, bei bis zu minus 110 Grad Celsius. Danach, sagt Krack, fühlte er sich wunderbar entspannt.

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