Süddeutsche Zeitung Magazin

Politik | Heft 49/2012

Ich und er

Oskar Lafontaine und Gerhard Schröder: Höchste Zeit, dass sich die zwei Kontrahenten aussprechen. Doch zum Treffen kam nur einer.

Von Evelyn Roll



Über Lafontaine wurde oft gesagt, er sitze zwischen allen Stühlen. Jetzt lässt er extra einen frei - aber kein Gerhard Schröder in Sicht. Doch, es funktioniert noch immer, das Lafontaine-Phänomen. Sogar im Nahversuch.

Oskar Lafontaine sitzt vor weiß-gestärktem Tischtuch in Saarbrückens feinstem Italiener, dem »Roma« in der Hafenstraße. Vorspeise: »Duetto vom Thunfischtatar und Schwertfischcarpaccio«. Dazu gut gekühlten Sancerre und eine mittelgroße Lafontainsche Ereiferung über das Wort Staatsschuldenkrise: »Was für ein Lügenwort! Wir haben doch keine Staatsschuldenkrise. Wir haben eine Bankenkrise, die eine gewaltige Umverteilung von unten nach oben bedeutet. Gewinne werden privatisiert, Schulden sozialisiert!«

Schon in seinen Jugendjahren hat er Texte dazu verfasst, dass Sprache von den Machtstrukturen bestimmt ist, und wie man mit den Begriffen auch die Logik und die Ideologie übernimmt, solche Sachen. Aber jetzt erst sieht er die Zusammenhänge wirklich ganz deutlich, sagt er.

»Arbeitnehmer und Arbeitgeber, damit fängt es ja schon an. Die, die ihre Arbeit geben, werden als Arbeitnehmer bezeichnet. Da gibt es dann also den Arbeitgeber, den gütigen Patron, der gibt dir die Arbeit. Danke, lieber Onkel, hast mir die Arbeit gegeben. In Wahrheit gebe ich dem ja meine Arbeit. Und er gibt mir nur einen Teil des Geldes, das mir zusteht. Den Rest sackt der ein. Solange wir Kapitalismus sagen, werden wir nicht verstanden. Wenn wir aber sagen, wir leben in einer Gesellschaft, in der eine Minderheit dadurch reich wird, dass sie die Mehrheit für sich arbeiten lässt, dann kapieren das die Leute.«

Das Lafontaine-Phänomen geht so: Man ist kein bisschen Sympathisant der Linken, eigentlich auch nicht einmal mehr SPD-Wähler, seitdem die SPD gar nicht mehr sozialdemokratisch ist. Dann spricht Oskar Lafontaine im Fernsehen oder, noch besser, in einem Saal, neokeynesianistisches, vulgärmarxistisches Zeug, wie man zur Abwehr gerne denkt. Während er aber spricht, muss man andauernd nicken. Viele, denen das neoliberale Zeitalter Verstand und Herz noch nicht ganz kaltgemacht hat, haben sich schon dabei ertappt. Willy Brandt hat nach einer Rede von Lafontaine einmal gesagt: »Es war, als ob man Jesus über die Saar hat kommen sehen.«

Es funktioniert in Sälen noch besser als in Talkshows. Und im Nahversuch also auch.

Und jetzt soll das aus und vorbei sein? Weil Oskar Lafontaine nur noch hier im Saarland eine Weile den Oppositionsführer gibt für die Linken? Für eine kleine Landespartei in einem Bundesland, das 7000 Einwohner weniger hat als Köln? Mit diesem kleinen Büro im Landtagsflur ganz hinten rechts? Mit der neuen, jungen Frau, Sahra Wagenknecht. Und einem kleinen Privathaus, das schon fast nicht mehr in Deutschland liegt?

Von der Terrasse aus kann man nach Frankreich rüberblicken. Napoleon von der Saar im Austragshäusl. Unvollendet. Gescheitert. Nächstes Jahr wird er 70.

Und es gibt kein Zurück mehr in die Bundespolitik?

»Nach menschlichem Ermessen nicht.«

Was immer das heißt: nach menschlichem Ermessen. Aussehen und argumentieren tut er vollkommen anders: fit, entspannt, angriffslustig, gesund.

Gesund?

»Es war ja Krebs, wissen Sie ja. Wenn man die Prostata bei der Operation ganz rauskriegt, und es ist nichts durchgekommen, passiert da nichts. Da ist man auf der sicheren Seite.«

Es kommt die Hauptspeise, der Babysteinbutt. Sieht gut aus. Es kommen die Honora-tioren der Stadt. Lafontaine kennt offenbar jeden in diesem Lokal. Sie nähern sich respektvoll, freundschaftlich, fast höfisch.

Wir wollen über die SPD reden. Muss sich Geschichte eigentlich immer wiederholen? Aufgestellt wird ein Kandidat der Mitte wie Peer Steinbrück, mit der Idee, dass der mehr Wähler fischt als ein Linker. Ist der Kandidat dann gewählt und Kanzler, schaltet die SPD-Linke um auf Opposition und bekämpft ihren eigenen Kanzler als viel zu rechts. So haben sie es mit Hermann Müller-Franken gemacht in der Weimarer Republik, mit Helmut Schmidt in der Bonner Republik, mit Gerhard Schröder in Berlin. Bei den letzten beiden hatte Oskar Lafontaine entscheidenden Anteil am Geschehen.

»Aber mit Steinbrück wird es nicht so kommen. Weil er gar nicht Kanzler wird. Weil die SPD ja keine Strategie mehr dafür hat, den Kanzler zu stellen. Weil sie sich festgebissen hat in der Ablehnung der Linken. Es ist ja auch ziemlich gleichgültig, ob Steinbrück der Kanzler ist oder Angela Merkel. Steinbrück könnte genauso gut in der CDU sein. Dieses Urteil mache ich mir nicht leicht, ich habe sein letztes Buch sorgfältig studiert. Da gibt es keinen Unterschied. Steinbrück ist lebendiger als Redner, rhetorisch besser. Aber die Rechnung, wir stellen jetzt einen Mann auf, der dasselbe erzählt wie Merkel, und dann werden wir gewinnen, wird nicht aufgehen.«

Zum Wohl. Weiter.

»Die SPD wird ein Ergebnis unter 30 bekommen und deutlich auf Platz zwei landen. Dann kann sie den Vizekanzler stellen. Und wenn sie mit der FDP was versucht, dann kann sie sich endgültig verabschieden als sozialdemokratische Partei, was sie nach meiner Ansicht längst getan hat. Die Ernsthaftigkeit, etwas durchsetzen zu wollen, fehlt ja völlig. Schröder wollte zumindest noch die Macht. Er war ja auf seine Art, das hat mir immer imponiert, auch ehrlich. Einmal habe ich zu ihm gesagt: Was willst du eigentlich? Sag mir mal, was du eigentlich willst. Da saßen wir, so wir jetzt hier sitzen, zu zweit, und es ging um inhaltliche Dinge. Und seine Antwort war: ›Ich will die Macht und die Kohle.‹ Die Macht und die Kohle. So war der. Und das ist ja auch, was ich an ihm geschätzt habe. Er hat in dieser etwas merkwürdigen Brutalität immer gesagt, was er denkt und will. Er war bereit, jede Volte zu schlagen, um die Macht zu erreichen. Seitdem er weg ist, sind die Nachfolger noch nicht einmal dazu in der Lage.«

Gerhard Schröder also. Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine, noch ein nicht zu Ende erzähltes Kapitel sozialdemokratischer Geschichte. Leider bekommt man die beiden einfach nicht an einen Tisch. Eines Tages wird es ausgehen wie bei Willy Brandt und Helmut Schmidt. Dann gewinnt am Ende der, der länger lebt. Deutungshoheit nennt man das.





Einst waren wir Könige: Oskar Lafontaine und Gerhard Schröder im August 1997, während eines Waldspaziergangs im Saarland. Hier entstand die Legende einer Männerfreundschaft, die es in Wahrheit nie gab.

Dabei haben wir es versucht. ZEITmagazin und SZ-Magazin haben gemeinsam die alten Konkurrenten Oskar Lafontaine und Gerhard Schröder um ein Treffen gebeten. Geplant war ein Wiedersehen, ein Gespräch über die Kämpfe, die vielleicht ja lang genug her sein könnten. Waren sie nicht. Schröder hat sofort abgesagt, mit einem sehr nüchternen Brief. Kein Interesse, auch nach Jahren nicht. Lafontaine hat zugesagt.

Neulich an der Universität Göttingen hätte es beinahe einen Showdown gegeben. Der Verein für Socialpolitik hatte Schröder eingeladen, über »10 Jahre nach der Agenda 2010« zu sprechen. Und der Arbeitskreis Real World Economics hatte am gleichen Tag Oskar Lafontaine eingeladen zum Thema »10 Jahre Agenda 2010: Eine kritische Bestandsaufnahme«.

Als die Studenten sagten, Lafontaine könne ja erst mal rüber in den anderen Hörsaal gehen zu Schröder, hat er gedacht: Ja, okay, das mache ich. Und wenn ich reinkomme, gehe ich mal zu ihm hin und gebe ihm die Hand. Er wollte Schröder einfach provozieren. Dann hat er aber nicht gesehen, dass der schon vorne in der ersten Reihe saß. Also hat er sich hinten in die Reihe 13 rechts an den Rand gesetzt und gewartet, dass Schröder reinkommt. Der stand aber plötzlich vorne auf und hielt seine Lobrede auf die eigene Agenda. Einen Halbsatz hat er in Richtung seines ehemaligen Parteichefs und Finanzministers gesagt: Leider verliere man »den einen oder anderen Unterstützer«, das müsse man in Kauf nehmen, wenn man als Reformer unpopuläre Entscheidungen trifft. Kein Gruß, kein Augenkontakt, kein Austausch der Argumente.

Lafontaine sagt: »Er wird sich mir nicht stellen, weil er weiß, er kommt argumentativ nicht durch.«

Hat er denn da in Göttingen nur Zorn empfunden oder sich auch mal den folgenden Gedanken erlaubt? Wenn Gerd Schröder und ich noch mal zusammen rankönnten zur nächsten Bundestagswahl, wir würden es schon reißen.

Oskar Lafontaine sieht aus wie früher, wenn er lachen muss, wie vor 20 Jahren. Dann sagt er: »Gut. Wenn das die Frage ist: Ja. Ich glaube, das würden wir. Wir waren ein gutes Wahlkampfgespann. Schröder ist ein exzellenter Wahlkämpfer mit hervorragenden Qualitäten. Die Klarsicht, das anzuerkennen, muss man sich behalten, auch nach Zerwürfnissen. Ergänzt mit meinen Fähigkeiten würden wir in jedem Fall …«

Man kann sehen, wie sehr er sich jetzt zurücknehmen muss, um den Satz so zu vollenden: »… die viel größeren Chancen haben als die jetzigen Führungspersonen.«

Dann stochert Lafontaine ein bisschen ratlos in seinem Babysteinbutt herum und sagt: »Gerd Schröder hat in mir immer den älteren Bruder gesehen. Das würde er heute zwar bestreiten, aber dafür gibt es genügend Zeugen. Dann kam das Trommelfeuer der Medien: Schröder ist der Schauspieler auf der Bühne und Lafontaine der Regisseur dahinter, der alles macht. Und das hat er natürlich nicht verkraftet, was ich menschlich sogar verstehe, aber trotzdem politisch nicht billige. Und dann kam die Kehrtwende hinter meinem Rücken, regelrecht hinter meinem Rücken.«

Ein Bruderkrieg also. Ein Kindheitsmuster? Oskar Lafontaine hat einen – um wenige Minuten erstgeborenen – Zwillingsbruder Hans. Im Saarland erzählen die Klassenkameraden noch heute davon, wie der vergleichsweise kurzbeinige Oskar die 400 Meter im Wettkampf unbedingt schneller laufen wollte als sein langbeiniger Zwillingsbruder. Lafontaine, das ist das Komische, glaubt heute noch, dass er tatsächlich auch der Schnellere war. Möglicherweise gibt es ja so etwas wie den Politik anfeuernden, aber auch schädigenden Wiederholungszwang, den Bruder niederkämpfen zu müssen: Reinhard Klimmt, Rudolf Scharping, Gerhard Schröder, Gregor Gysi …

»Ich habe einen entscheidenden Fehler gemacht. In dem Moment, wo Schröder die Kanzlermacht hatte, waren mir die Karten aus der Hand genommen. Jetzt konnte er die Partei steuern und nicht mehr ich.«

Da ist einer so lange und so erfolgreich in der Politik. Und kann nicht antizipieren, was Richtlinienkompetenz bedeutet in der Mediendemokratie?

Lafontaine spürt sofort, wenn sein Gegenüber etwas nicht glauben oder nicht fassen kann. Und sagt: »Ja, da kann man sich heute drüber lustig machen, aber es war so. Ich war der Meinung – und das war mein Irrtum –, weil ich ihn zum Kanzler gemacht habe, wird er mir gegenüber im Sinne von Kameradschaftsehre sein Versprechen halten: Die wichtigen Entscheidungen machen wir gemeinsam.«

So wie sie es sich im Restaurant »Ritter St. Georg« in Braunschweig versprochen hatten?

Lafontaine nickt zufrieden. Er redet gern mit Menschen, die solche Details wissen, weil sie offenbar seine Bücher gelesen haben. Und er benutzt seltsame Vokabeln: Kameradschaftsehre.

»Als ich erlebt habe, wie er, sobald er Kanzler war, sich nicht mehr mit mir abgestimmt hat, war mir klar, wie es enden würde.«

Seither ist Lafontaine links und hat immer recht. 2008, als Peer Steinbrück im Bundestag sagte, der Finanzkapitalismus ist an die Wand gelaufen, die Dinge werden sich ändern. Da hat er gesagt: Der Finanzkapitalismus ist zwar an die Wand gelaufen, aber ansonsten wird sich nichts ändern, weil sich die neoliberalen Denkstrukturen über Jahrzehnte halten. Neulich bei Maischberger ging es um den Euro. Da wurde Kohl eingespielt, 1998 im Bundestag: Der Euro ist stabil, alle Befürchtungen sind Geschwätz. Lafontaine hat nach Kohl gesprochen und ziemlich genau die jetzige Entwicklung prognostiziert. Auch bei der Wiedervereinigung hat er sich aus dem Fenster gehängt gegen die Mehrheitsmeinung. War links und behielt recht. Aber Politik haben die anderen gemacht. Weil er die Nerven verloren hat, ausgerastet ist.

Denkt er heute manchmal, er hätte bleiben sollen trotz allem, hätte versuchen sollen, die Dinge in seinem Sinn zu beeinflussen?

»Ja, denke ich. Kann sein. Vielleicht wäre das besser gewesen. Dass das spontan war, ist teilweise richtig. Aber wenn der Kanzler über die Bild-Zeitung sagt, er kann die Politik des Finanzministers nicht mehr mittragen, gibt es ja nur zwei Möglichkeiten: Entweder er geht oder der Finanzminister geht.«





(Illustration: Antonio Prohias/E.C. Publications, Inc.)

Und was wäre, wenn er geblieben wäre? Mehr linke Politik als heute? Erlaubt er sich solche Gedanken?

»Natürlich erlaube ich mir solche Gedanken. Wenn ich geblieben wäre, dann wäre sicher das eine oder andere korrigiert worden. Aber wie weit hätte ich mich verbiegen müssen? Es war ja bei meinem Rückzug schon erkennbar, in welchem Umfang das neoliberale Gedankengut die SPD verseucht hatte. Ich hätte kaum eine Chance gehabt.«

Und dann die Idee, über die Partei der Linken die SPD wieder zu mehr sozialdemokratischer Politik zu bewegen. Hat nur ganz kurz funktioniert. Auch aus der Traum.

»Das war ja mein Projekt«, sagt er. Und dann, nach einer Weile: »Das ist mein Projekt. Wir sind nur bei Weitem nicht so weit gekommen, wie ich das gerne hätte.«

In diesem seltsamen, etwas traurigen Augenblick kommt der Sänger Udo Jürgens an Lafontaines Tisch, gut gelaunt, mit Gefolge: Er begrüßt Lafontaine. Sie plaudern eine Weile. Der Espresso wird kalt. Udo Jürgens sagt schließlich: »Vollkommen unverändert! Wie beim letzten Mal, als wir uns sahen.«

Und erst, als Udo Jürgens schon fast wieder weg ist, sagt Lafontaine: »Du aber auch. Unverändert!«

Gerade noch die Kurve bekommen.

Was hält er von dem folgenden Gedanken? Vielleicht leidet die SPD immer schon an einer maskierten Schizophrenie, an dem unauflösbaren und leider auch ewig unbehandelten Widerspruch zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik, daran, dass man als Juso vehement genau die sozialromantischen These vertritt, die man auf der Stelle vergessen und verraten muss, sobald man irgendwo praktische Verantwortung übernimmt. Vielleicht hatten Oskar Lafontaine und Gerd Schröder diese Schizophrenie ganz gut und geschickt heilsam unter sich aufgeteilt, auch die Wahlkampfthemen Innovation und Gerechtigkeit. Vielleicht …

»Schröders Agenda-Reformen waren schlicht ein Programm zur Verarmung der Mehrheit. Die Zahlen sind ja eindeutig.«

Aber dem Land geht es doch sehr viel besser als allen um uns herum.

»Große Lüge. Wir haben, Zitat Schröder, ›den besten Niedriglohnsektor‹, das sind acht Millionen Menschen, die schlechte Arbeitsbedingungen haben. Wir haben einen 20-prozentigen Kaufkraftschwund der Renten. So was verkaufen Sozialdemokraten als Erfolg, da kann man sich nur noch an den Kopf fassen. Die SPD hat mit der SPD, in der ich groß geworden bin, nichts mehr zu tun.«

Es gibt eine Zeile bei Franz Josef Degenhardt: »Aus Rache ist er reich geworden. In der Oberstadt …«

»Bourdieu hat geschrieben, dass der Aufsteiger nur dann aufsteigen kann, wenn er die Klasse, aus der er kommt, verrät. Ich glaube, dass Gerd Schröder im tiefsten Inneren weiß, dass er eigentlich seine eigene Herkunft verraten hat. Er ist ja so wie ich groß geworden, in noch schwächeren Verhältnissen. Und er müsste irgendwann doch mal daran denken, dass seine Mutter, die ja Putzfrau war, heute noch schlechtere Arbeitsverhältnisse hätte als damals. Ich muss ja nur zu Aldi gehen. Dann sehe ich den Niedriglohnsektor. Dann sehe ich die Niedrigrenten. Ich sehe, wie die jede Nudelschachtel dreimal umdrehen und überlegen, ob sie sie wirklich kaufen können.«

Letzte Woche hatte Oskar Lafontaine ein Gespräch mit einem Rentner aus dem Dorf, in dem er neuerdings wohnt. Der hat ihm erst zugestimmt in vielen Dingen. Und dann hat er gesagt: »Aber Sie wissen ja, von der Familie her, dass wir immer schwarz wählen.«

Lafontaine hat gesagt: »Nee, weiß ich nicht. Sie haben mir doch gerade erzählt, dass die Partei, die Sie immer wählen, Ihnen die Rente kürzt.«

Da hat der Mann gelacht und gesagt: »Ja, eigentlich haben Sie recht. Wir sind wie die Schafe, die wir früher hielten. Wenn ich gepfiffen habe, sind die Schafe gekommen. Und wenn ich sie dann zum Metzger geschickt habe, sind sie ganz fröhlich da reingegangen.«

Da war es dann also wieder, das Lafontaine-Phänomen.

➳ Das Gegenstück bei den Kollegen/Konkurrenten fällt leider aus: Gerhard Schröder war unter keinen Umständen zu einem Gespräch bereit.



Quelle: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/39041