Süddeutsche Zeitung Magazin

Humor | 02. Februar 2017

»Niemand weiß heute, was ein Clown überhaupt ist«

Weil wir der Politclowns in Amt und Würden überdrüssig sind, haben wir drei echte Clowns nach den Geheimnissen ihrer Zunft gefragt. Es wurde ein komisches Gespräch.

[Bild1="Hier mal in nachdenklicher Pose: die drei Clowns Antonio Casselly, Bernhard Paul und Tonito Alexis (v.l.n.r.)."]Wer einmal versucht hat, drei Clowns außerhalb der Manege zusammenzubringen, damit sie sich am selben Tag, am selben Ort um einen Tisch setzen und reden, der weiß: Im Vergleich dazu muss es ein Vergnügen sein, einen Sack Flöhe zu hüten. Clowns arbeiten nämlich sechs Tage die Woche, vor allem im Winter. Immerhin, montags haben sie meistens frei. Das Treffen musste also an einem Montag stattfinden. In München. Zwei sollten mit dem Zug anreisen, der dritte im Flugzeug. Der eine ist aber noch nie Zug gefahren und kann sich das gar nicht recht vorstellen, der andere fährt zwar oft Zug, ist aber noch nie 2. Klasse gefahren. Der Dritte ist sauer, dass ein vierter Clown, den er über die Maßen schätzt, nicht eingeladen wurde. Und sagt ab. Dann sagt er wieder zu.



Es wurde dann doch recht nett. Die Themen lagen quasi auf dem Tisch: Was halten echte Clowns von Horrorclowns? Von Politclowns wie dem Unaussprechlichen im Weißen Haus in Washington? Von all den Clownschulen und Clownwitzen? Erzählte Bernhard Paul etwas, Direktor des Zirkus Roncalli und eine Art Grandseigneur der Clowns, hörten die beiden bedeutend Jüngeren, Tonito Alexis und Antonio Casselly, fast andächtig zu. Bernhard Paul ist eine Instanz, mit immensem Wissen über die Geschichte des Zirkus und einer großen Sammlung alter Zirkuswagen und Kostüme. »Niemand weiß heute mehr, was ein Clown überhaupt ist«, sagt er und erklärt die Ursprünge der noch heute üblichen Figuren im christlichen Mysterienspiel und der Commedia dell'arte. »Wir Clowns kennen ja nicht mal unsere eigene Geschichte. Woher auch? Die meisten haben in kleinen Zirkuswagen gewohnt, nichts wurde aufgehoben, viele waren Analphabeten, oftmals ist es noch heute so.«

Als sich alle warm geredet hatten, ging es zur Sache: Clowns und Alkohol, Clowns und ihre Wirkung auf Frauen, warum Clowns, so sehen sie das jedenfalls, viel besser als Comedians sind. Und endlich mal eine Antwort, die einleuchtete auf die Frage, warum es so wenige weibliche Clowns gibt. Zum Schluss ging es noch um die Frage, warum viele wirklich große Schauspieler kein Talent zur Komik haben und Bernhard Paul erzählte, wie sich Klaus Maria Brandauer mal beim Versuch, witzig zu sein, blamierte. Dann mussten die drei Herren aufstehen, um sich zu schminken.

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Quelle: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/45563