Sie haben Ihren Adblocker auf unserer Seite aktiviert. Bitte deaktivieren Sie diesen für SZ.de! mehr zum Thema

bedeckt München 26°
Anzeige
Anzeige

aus Heft 19/2008 Sport

"Ich glaube nicht, dass ich den Zuschauern viel Spaß vermittelt habe"

Lars Reichardt und Alexandros Stefanidis  (Interview); Fotos: Niko Schmid-Burgk

Oliver Kahn hört auf. Der richtige Zeitpunkt, um endlich über alles zu reden. Auch über den Moment, als er unter der Dusche angepinkelt wurde.

Anzeige
SZ-Magazin: Herr Kahn, haben Sie schon einmal auf dem Spielfeld geweint?
Oliver Kahn:
Nicht dass ich mich erinnern könnte. Vielleicht mal als ganz kleiner Junge.

Machen Sie sich Sorgen, dass Sie vielleicht nach Ihrem letzten Spiel weinen werden?
Nein. Wenn ich weinen muss, dann weine ich. Aber ich verspüre momentan weniger Wehmut oder Trauer als eine Art Aufregung, diesen Lebensabschnitt zu beenden und noch nicht genau zu wissen, wie der neue aussehen wird.

Macht Ihnen deshalb Fußball derzeit vielleicht mehr Spaß als je zuvor?
Dieser Leistungssport ist zu anstrengend, als dass er in erster Linie Spaß machen könnte, schon gar nicht für einen Torwart. Ich bin eher dankbar, dass wir jetzt noch einmal so eine gute Saison spielen.

Mehmet Scholl wollte den Zuschauern im Stadion immer seinen Spaß am Fußball vermitteln. Hatten Sie keinen Spaß am Fußball?
Ich hatte immer wieder Spaß, vor allem Spaß am Training, Spaß, mich als Torwart zu verbessern. Aber ich glaube nicht, dass ich den Zuschauern viel Spaß vermittelt habe, eher diese Mentalität des »Nie-Aufgebens«.

Im Bundesliga-Heimspiel gegen Leverkusen vor einigen Wochen gelang Ihnen eine unglaubliche Parade, als Sie einen Ball noch mit der linken Fußspitze im Flug abwehrten – diese Szene hat Ihnen keinen Spaß bereitet?
Ich fühlte eine tiefe Befriedigung, wie immer, wenn ich einen Ball gehalten habe, den viele schon drinnen gesehen hatten. Ich habe mir ja lange den überzogenen Anspruch auferlegt, mindestens drei Unhaltbare pro Spiel zu halten. Die Zeiten sind Gott sei Dank vorbei.

Wie viele Ballberührungen haben Sie als Torwart im Durchschnitt pro Spiel?
Beim FC Bayern erlebt man ja häufig immer nur ein, zwei spielentscheiden-
de Aktionen. Hier wirst du nie warmgeschossen, sondern stehst zwischendurch nur rum und musst deine Konzentration aufrechterhalten. Das ist das Anstrengende.

Wie muss man sich diese psychische Belastung für den Torwart vorstellen?
In einem Champions-League-Halbfinale konnte ich leicht mal bis zu drei Kilo Gewicht verlieren, nicht durch die Bewegung, sondern allein durch die Anspannung.

Letzte Saison mussten Sie sich beim FC Bayern erheblich mehr bewegen als diese.
Ja, vor allem in der Rückrunde haben wir sehr schlecht gespielt. Da bin ich mir wie beim VfL Bochum vorgekommen, so viele Chancen hatten die Gegner. Diese Saison haben wir bisher 18 Gegentore in 30 Spielen bekommen, das ist eine sensationelle Leistung der ganzen Mannschaft.

Anzeige
Der FC Bayern besitzt auch eine Freizeitmannschaft um Paul Breitner, Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge. Haben Sie sich da schon angemeldet?
Nein, und wenn, dann würde ich mich höchstens im Mittelfeld versuchen. Ins Tor stelle ich mich nicht mehr. Ich denke, dass ich im Feld mit-
halten könnte. Beckenbauer, Breitner, Rummenigge haben keine Konditionsprobleme. Nur der Uli muss manchmal schwer kämpfen, aber der hat als Manager auch den härtesten Job.

Vorstellbar, dass wir auch Sie irgendwann mit kleinem Bauch wiedersehen werden?
Mit einem kleinen vielleicht, aber ich nehme ja auch bei 18 Loch im Golf zwei, drei Kilo ab. Ich brauche regelmäßigen Sport, daran wird sich nicht viel ändern, wenn ich aufhöre.
  • Sport

    Die Freunde

    Ein Lehrer, ein Schüler, das ewige Meer: Gallo bringt Axi das Wellenreiten bei. Jahre später ist Gallo blind – und Axi nimmt ihn mit hinaus in die Brandung. Die Geschichte einer besonderen Verbindung.

    Von Sebastian Stier
  • Anzeige
    Sport

    Verdirbt der Fußball unsere Kinder?

    Früher lernten Kinder beim Fußball Anstand und Fairness. Heute, dass nur das Geld zählt und man mit Anstand nicht weit kommt. Zwischenruf einer empörten Mutter.

    Von Nataly Bleuel
  • Sport

    Warum protestierte niemand gegen dieses Tor?

    Wer sich das Finale der Fußball-WM 1966 noch einmal ansieht, wird feststellen: Ein Treffer hätte niemals zählen dürfen – aber es ist nicht das berühmte Wembley-Tor.

    Von Detlef Esslinger