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aus Heft 23/2008 Liebe & Partnerschaft 1 Kommentar

Ihre Verbindung wird gehalten

Wenn in einer Ehe die Kommunikation zusammenbricht, hilft oft nur noch der Gang zum Psychiater. Chronologie einer Paartherapie.

Von Gabriela Herpell  Fotos: Myrzik & Jarisch




Sie hat Brotsalat für eine Party gemacht, er wollte ihr helfen, schnitt aber das Brot zu dick. Sie sagte ihm das, er war sofort sauer. Er sagt, er hat das Brotmesser weggezogen; sie sagt, er hat es nicht zur Seite geschoben, sondern »weggepfeffert«. Sie sagt, sie hat gar nichts gemacht, nur gesagt, »schneid das Brot halt dünner«, und er sagt, so wie sie das gesagt hat, war das vorwurfsvoll und vehement, er hat gar nicht verstanden, was da plötzlich schon wieder los war. Er denkt an nichts Böses, sagt er, und sie ist auf 180, ständig. Jetzt donnert sie empört ihre Handtasche, die rechts von ihr auf dem Sofa lag, in die Lücke zwischen den beiden. »So ist es nicht!«, ruft sie. Er sitzt neben ihr, die Beine nebeneinander gestellt, wie auf dem Sprung, und lächelt, abgeklärt, skeptisch, leises Kopfschütteln schwingt mit.
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Mittwochabend, 19.30 Uhr, Karin und Gerhard*, 39 und 40 Jahre alt, sind zu Angélique Lawal, einer Münchner Paarberaterin, gekommen, um über ihre Ehe zu sprechen. Sie sind seit neun Jahren verheiratet. Beide sind schlank, sportlich, modern angezogen. Sie trägt Jeans mit Trenchcoat, er Jeans mit Lederjacke. Sie hat rote Haare, seine sind lockig. Sie arbeitet nachts und am Wochenende in der Altenpflege, er baut Möbel und fängt morgens um sieben an. Sie haben zwei Kinder bekommen, ein Haus gebaut – und nun verstehen sie sich nicht mehr. Ständig streiten sie und können nichts dagegen machen, sagen sie, dass aus kleinen Anlässen – wie dem mit dem Brotsalat – große Kämpfe werden, nach denen sie sich nur noch schwer wieder versöhnen, weil die Distanz so groß ist. Klingt wie eines der ältesten Themen, seit Menschen Liebesbeziehungen führen. Ist es ja auch. Aber jedes Paar ist in seiner ganz eigenen widersprüchlichen, seltsamen, unerklärlichen und unerwünschten Weise unglücklich.

Gerhard war es, der nach einem Eklat an Weihnachten meinte, sie sollten sich professionelle Hilfe suchen. Gerhard ist in ihrer Ehe überhaupt derjenige, der die Dinge klären möchte, während Karin Diskussionen oft abbricht. Heute ist der dritte Mittwoch, an dem sie bei der Paarberaterin sind. Sie sollen die Rollen tauschen. Karin spricht für Gerhard und umgekehrt. Denn oft fühlen Partner das Gleiche: Mangel. Und es zeigt große Wirkung, die eigenen Worte und Ansichten aus dem Mund des anderen zu hören, sagt die Paarberaterin Lawal. Karin und Gerhard schauen kritisch. Sie wirken erschöpft: Ihr Leben ist vollgepackt mit Geldverdienen, den Kindern, den Eltern und den Schwiegereltern, den Freunden, ganz abgesehen von der Ehe.

Sie leiden unter ihren vielen Streitigkeiten. Und sie möchten zusammenbleiben, darum sind sie ja in die Beratung gekommen. Die Zeitschrift Brigitte fand allerdings heraus: Haben Paare sich endlich zu einer Therapie durchgerungen, kommen sie im Durchschnitt sechs Jahre zu spät. Und dann wird aus der Paarberatung leider häufig eine Trennungsberatung. Paradox: In einer Gruppe krisengeschüttelter Paare fragte der Therapeut, warum sie so lang gewartet haben, bis sie zur Beratung gekommen seien. Die meisten Teilnehmer antworteten: aus Angst, dass ihnen in der Therapie deutlich würde, wie unwiderruflich ihre Beziehung am Ende sei.

(Lesen Sie auf der nächsten Seite:
Für Gerhard ist es schwierig, mit Karin zu schlafen.)

Kommentare

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  • Andrea Kaufmann (1) Der Text hat mir sehr gut gefallen - aber als Psychologin komme ich nicht umhin, zum Untertitel anzumerken, dass es definitiv einen Unterschied zwischen den Berufsgruppen Psychologe, Psychotherapeut und Psychiater gibt (der allerdings, wie sich immer wieder und auch hier zeigt, großen Teilen der Bevölkerung nicht bekannt ist). Ein Psychiater - zumindest einer, der im herkömmlichen Sinne arbeitet - wäre für das beschriebene Problem mit Sicherheit nicht der richtige Ansprechpartner. Ein Psychiater ist ein Arzt, der (vorwiegend schwere) psychische Störungen in erster Linie medikamentös behandelt. Eine Paartherapie oder -beratung, wie sie im Artikel beschrieben wird, gehört gewöhnlich nicht zum Tätigkeitsfeld eines Psychiaters.