Sie haben Ihren Adblocker auf unserer Seite aktiviert. Bitte deaktivieren Sie diesen für SZ.de! mehr zum Thema

bedeckt München 14°
Anzeige
Anzeige

aus Heft 23/2008 Das Prinzip

Düsseldorf

Tobias Kniebe 

Anzeige
Natürlich müssen wir, allein wegen des Überraschungseffekts, mit etwas Positivem beginnen. Mit Gründen, warum Düsseldorf eigentlich super ist. Alles andere wäre ja auch wirklich zu einfach.
Düsseldorf ist zum Beispiel, das wissen wir aus sicherer Quelle, die Stadt der Kreativen. »Fast jeder kennt in Düsseldorf einen, der gerade an etwas ganz Besonderem arbeitet«, hieß es einmal in der Zeitschrift Park Avenue, als diese einen großen Trendbericht aus Düsseldorf brachte.

Und auch: »Täglich treffen Mobilfunker auf Werbetexter, Medienheinis auf angehende Modedesigner, und Softwareentwickler tauschen sich mit erfindungsreichen Gastronomen aus.« Und das mit System: »Düsseldorf ist ein sehr schönes Beispiel dafür, wie sich Synergien in Lebenskraft umwandeln lassen.«Sorry, aber es hilft nichts. Es klingt wie ein Witz. Es ist ein Witz. Niemand kann dabei ernst bleiben. Weiß der Himmel, warum, aber Düsseldorf ist ein Stadt gewordener Kalauer. Fast jeder außerhalb Düsseldorfs kennt einen, der gerade laut über Düsseldorf lacht.
Anzeige
Denn das Bild, das sich von dieser Stadt in unseren Köpfen verfestigt hat, sieht doch so aus: Täglich treffen hier Verona und ihr Gatte Franjo Pooth, den sie nicht umsonst den »König von Düsseldorf« nennen, auf die Direktoren der lokalen Stadtsparkasse, trinken Schampus und vereinbaren faule Millionenkredite. Täglich grüßte hier der »Malerfürst« Jörg Immendorff aus der Präsidentensuite des »Steigenberger Parkhotels«, wo er lebende Tableaus aus Kokain und nackten Prostituierten arrangierte. Und täglich schleusen erfindungsreiche Gastronomen grölende Menschenmassen durch ein Labyrinth namens »Altstadt«, wo Düsseldorf ein sehr schönes Beispiel dafür bietet, wie sich Altbier erst in Fröhlichkeit und dann in Urin umwandeln lässt.

Und die Düsseldorfer selbst tun immer wieder alles, um diesem Bild zu entsprechen. Campino zum Beispiel. Der durfte im neuesten Film von Wim Wenders mitspielen, der seine Weltpremiere bei den Filmfestspielen in Cannes hatte. Wenders, ein großer Sohn Düsseldorfs wie Heinrich Heine oder Gustaf Gründgens, bekennt sich darin erstmals zu seiner Heimatstadt. Es hätte ein Neuanfang werden sollen – für Campino, für Wenders, für Düsseldorf. Was aber macht Campino kurz davor? Er gibt folgende Pressemitteilung heraus: »Aus Wut über das Ausscheiden seines Lieblingsvereins Liverpool FC in der Champions League hat sich der Sänger der Toten Hosen vor ein paar Tagen den Fuß gebrochen. Ein gezielter harter Kick mit dem Vollspann gegen eine öffentliche Mülltonne sollte der Enttäuschung über das Scheitern seines Teams Ausdruck verleihen. Campino muss im Nachhinein einsehen, dass er sich diesen Tritt besser erspart hätte: Schmerzen, Fußbruch und Gips für die nächsten Wochen! Kurzfristige Aufregung im Hosen-Camp.«

(Lesen Sie auf der nächsten Seite: Warum bringt diese Stadt die angeberischsten und zugleich dämlichsten Seiten ihrer Bewohner hervor?)
Seite 1 2
  • Das Prinzip

    Frühlingsgefühle

    Wir freuen uns über den Frühling - dabei sind die viel zitierten Frühlingsgefühle Ausdruck einer uralten Menschheitsangst.

    Tobias Kniebe
  • Anzeige
    Das Prinzip

    Dirndl

    Das Dirndl macht dürre Frauen fülliger und dicke schlanker. Und fast nur darum geht es heutzutage.

    Andreas Bernard
  • Das Prinzip

    Händewaschen

    Manche Ärzte sagen, die Schweinegrippe lasse sich tatsächlich mit wenigen Handgriffen besiegen.

    Tobias Kniebe