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aus Heft 25/2008 Wirtschaft/Finanzen

Deutschlands beste Köpfe

Seite 2

Jan Heidtmann  (Fotos: Van Vincent)


Wenn einmal etwas abseits von Kennziffern und Börsengängen aus den Vorstandsetagen bekannt wird, schildert es vor allem das Versagen der Klasse: Die Telekom lässt ihre Aufsichtsräte bespitzeln, bei Siemens gehörte die Bestechung praktisch zum Arbeitsalltag, die Banken handeln mit faulen Krediten. Es scheinen rohe, fast archaische Zustände zu herrschen. Da sagt der Deutschland-Chef der Investmentbank Goldman Sachs, Alexander Dibelius: »Geld kann man nie genug haben.« Da formuliert Josef Ackermann auf dem Höhepunkt der Bankenkrise: »Wenn andere schwach sind, müssen wir stark sein.«
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Befragt nach den enormen Gehältern der Manager, gab der Chef der Deutschen Bank dann noch eine Antwort, die das Verhältnis vom Volk und seinen Vorgesetzten sehr schön beschreibt: »Das ist natürlich aus der Logik einer Welt gesprochen, die nicht öffentlich darstellbar ist. Das ist mir auch klar.«

So ist der Vertrauensverlust absolut. Die Bürger haben den Glauben in ihre Wirtschaftselite längst verloren. Die wiederum reagiert verschreckt. Nur noch fünf Prozent, das hat eine Umfrage unter 1200 Führungskräften ergeben, glauben, dass man ihnen traue. Dabei – und das sagt immerhin der Chefredakteur der Financial Times Deutschland, Steffen Klusmann – wissen wir so gut wie gar nichts über das Leben auf der Vorstandsetage: »Von dem, was hinter den Kulissen vorgeht, erfahren wir vermutlich gerade einmal fünf Prozent.«

Norbert Essing ist PR-Berater. Fragt man ihn, was genau dies bedeute, sagt er, er sorge für Verständigung in der komplizierten Welt der Wirtschaft. Es gibt auch Menschen, die von ihm sagen, dass er die Öffentlichkeit manchmal in die Irre führe. Jedenfalls hat ein Kunde, der Norbert Essing engagiert, meist ein Problem. Ein ziemlich großes Problem. Vielleicht steht er kurz davor, seinen Job zu verlieren. Oder es droht eine feindliche Übernahme durch einen Hedge Fonds, eine Heuschrecke. Der Kunde braucht dann jemanden, der die Dinge wieder gerade rückt, den Lauf der Ereignisse verändert.

Norbert Essing ist jetzt 47, er sagt, seine Arbeit sei härter geworden und dass man in der Wirtschaftswelt in Deutschland immer klarer Weiß von Schwarz trennen müsse: Da gebe es die anständigen Unternehmer, die langfristig denken und Werte schaffen. Und da gebe es die unanständigen Unternehmer. Die kommen von den Unternehmensberatungen und denken nur an ihre nächste Bonuszahlung. Daran, wie sie ein Unternehmen zerschlagen und zu Geld machen können.


(Lesen Sie auf der nächsten Seite: Sonntag gemeinsam mit den Frauen fröhlich zum Brunch treffen – »und am Mittwoch liefert der eine den anderen ans Messer«.)
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