EM-Stilkritik 2008 26. June 2008 Online exklusiv Noch keine Kommentare
Das Unterarm-Tattoo
Von Torsten Frings über Luca Toni bis zu Fernando Torres: Die halbe EM trägt Unterarm-Tattoos. Was wollen uns die Spieler damit sagen?
Von Martin Kotynek
Solange Sporthemden ihre tätowierten Körperteile bedeckten, war ein Tattoo auf Fußballerkörpern noch akzeptabel. Doch nun, da sich die runenhaften Symbole - teils aus Platzmangel - schon auf die Unterarme der Spieler ausgedehnt haben, springen sie dem TV-Zuschauer direkt ins Auge. Und das ist oft ein Problem. Zudem entfremdet dieses Unterarm-Gekritzel den ursprünglichen Zweck der Tätowierung: Während sich Seefahrer und Soldaten einst für ihre Verwegenheit mit Totenköpfen und für ihre Liebesabenteuer mit eingeritzten Herzen brüsteten, sind die Helden von heute eher Softies. So tragen der Holländer Wesley Sneijder und der Portugiese Simao die Namen ihrer Kinder am Unterarm. Der Deutsche Marcell Jansen zeigt an der gleichen Stelle die Initialen seiner Eltern. Wie rührend! Aber taugt das zur Demonstration von Kampfgeist oder gar zur Einschüchterung des Gegners? Es sind wohl andere Gründe, die zur Entstellung von Unterarmen führen und im vorliegenden Fall über dem rechten Handgelenk von Gennaro Gattuso zu suchen sind. Blickt Gattuso dorthin, so liest er: „Champion". Sein Tattoo ist also bloße Selbstbestätigung, die dem Spieler mentale Stärke verleihen soll. Auch wenn das manchmal ziemlich daneben geht. Darum gilt: Egal wie hässlich so ein Ding ist - Hauptsache, es wirkt.
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