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aus Heft 28/2008 Liebe & Partnerschaft 4 Kommentare

Warnung: Kinder können ihre Beziehung zerstören!

Viele Paare wünschen sich nichts sehnlicher als Nachwuchs. Aber wenn er dann da ist, lassen sie sich von ihm völlig beherrschen. Und plötzlich funktionieren sie nicht mehr als Paar. Protokoll einer postnatalen Krise.

Von Mareen Linnartz  Fotos: Anja Frers




Dass ein Kind nicht automatisch die Krönung jeder Beziehung ist, sondern auch eine erhebliche Belastungsprobe darstellen kann, stellen viele junge Elternpaare fest. Zum Beispiel Max und Julia, die vor einem Jahr die kleine Johanna bekamen und seitdem nicht mehr zueinanderfinden. Wir haben uns ihre Geschichte angehört und ihre Schilderung der Ereignisse von der renommierten Paartherapeutin Olivia Wacker kommentieren lassen.
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Max: Von meiner vorherigen Freundin habe ich mich getrennt, weil sie keine Kinder wollte. Ich wusste immer, dass ich nicht auf ewig zu zweit durchs Leben irren möchte, die Johanna ist ein absolutes Wunschkind. Jetzt aber frage ich mich manchmal, wenn ich abends allein am Küchentisch sitze, was eigentlich von meinem Traum geblieben ist, einmal Frau und Familie zu haben. So wie Julia, Johanna und ich zusammenleben – das ist eine Katastrophe. Ich fühle mich, als säße ich im Gefängnis. Früher habe ich mich fünfmal die Woche mit Freunden auf ein Bier getroffen, jetzt sehe ich sie fünfmal in fünf Monaten.

Julia: Ich beneide den Max, dass er einfach die Tür hinter sich zuziehen und den ganzen Tag arbeiten gehen kann. Ich hätte gern mehr Zeit für mich. Einmal duschen, ohne das Gefühl zu haben, gleich steht die Johanna vor mir und will etwas! Am Abend, wenn Max nach Hause kommt, will er erst mal seine Ruhe. Er hatte ja einen anstrengenden Arbeitstag. Ich hatte aber auch einen anstrengenden Arbeitstag!

Max: Ich bin selbstständiger Schreiner, ackere bis zum Umfallen, um meine Familie ernähren zu können, und dann komme ich nach Hause und werde erst von meiner Frau angeschrien und dann von meinem Kind.

Julia: Am Anfang, als die Johanna noch kleiner war und abends schrie, hat er sie vielleicht drei Minuten geschaukelt. Und dann stand er schon in der Tür und sagte: Die will trinken, die hat Hunger. Das war einfach ein anderer Ausdruck für: Kümmere du dich um sie.

Max: Johanna hatte einen unglaublichen Hunger. Teilweise musste Julia sie alle halbe Stunde stillen, sogar nachts, das konnte ich ja wohl nicht übernehmen. Aber ich kümmere mich gern um mein Kind. Wenn ich Johanna bade, brauche ich allerdings keine Julia, die mir assistiert, das Handtuch reicht und dann noch Ratschläge erteilt. Ich lege doch keine Baby-Badeprüfung ab!

Julia: Wie er sie manchmal anfasst – beim Baden zum Beispiel! Das macht mich rasend. Es dauert ewig, bis er sie angezogen hat. Da übernehme ich das lieber selbst.

Die Therapeutin: »Da übernehme ich das lieber selbst« – ein typischer Satz von Müttern, der viel kaputt macht. Denn wie soll ein frisch gebackener Vater eine gute Beziehung zu seinem Kind aufbauen, wenn er dabei permanent beaufsichtigt und gegängelt wird? Viele Mütter bringen es nicht über sich, ihr Kind ihrem Mann zu überlassen und sich einfach mal Zeit für sich zu nehmen. Aber der Mann schafft das schon! Julia soll doch froh sein, dass Max Johanna badet. Ihre Tochter wird bestimmt keinen Schaden davontragen.

Julia: Wenn die Johanna nachts schreit, stehe ich meistens auf, sie lässt sich von mir einfach besser beruhigen. Das ist halt so, auch wenn ich an manchen Tagen vor Übermüdung wie ferngesteuert rumlaufe. Ich möchte mir dann allerdings nicht noch vorwerfen lassen, ich sei so lustlos und schlapp.

(Lesen Sie auf der nächsten Seite: Ich denke manchmal: Bin ich jetzt nur noch der Versorger? Der Würmerpicker, der das Nest füttert und dann wieder wegfliegt?, fragt Max.)

Kommentare

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  • Lieselotte Maisch (1) Herrn Preiners Meinung schließe ich mich gerne an. Mein Mann und ich sehen ebenfalls die Ursache für die geschilderten Probleme in der Kommunikation: die beiden (Julia und Max) reden zu wenig miteinander.

    Schon vor und dann in der Schwangerschaft haben wir über Wünsche und Vorstellungen als Familie geredet. Dabei entdeckten wir so manch Neues - auch unerwartetes - am Partner.
    Inzwischen sind unsere Kinder erwachsen und es war für uns täglich eine Herausforderung die Kinder gemeinsam zu erziehen.Natürlich war es nicht leicht, aber es hat Spaß gemacht.
    Familie bedeutet auch nicht: Kind ja - aber alles soll so bleiben wie es ist.
    Unser Motto war: weniger ich, mehr wir.
    Heute können wir feststellen, dass wir uns richtig entschieden haben. Keiner ist zu kurz gekommen.

    Trotz der räumlichen Distanz zu unseren Kindern haben wir regen Kontakt - schließlich gibt es ja Telefon und Internet.Und wenn der Schuh drückt, dann hören wir gerne unseren Kindern zu. Und umgekehrt haben unsere Kinder für uns ein offenes Ohr.

    Ich hoffe, dass Max und Julia die Herausforderung, ein gemeinsames Kind zu erziehen, annehmen und gemeinsam schultern. Dann ist ein happy-end nicht ausgeschlossen.
  • Michael Preiner (1) Der Artikel zeigt nach meiner Meinung das Dilemma vieler junger Eltern auf. Sie sind sich der Herausforderung Kindererziehung nur latent bewusst. Allerdings ist der Titel meiner Meinung nach völlig falsch gewählt, denn nicht das Kind zerstört die Beziehung, sondern vielmehr der Kommunikationsstil von Julia und Max sorgen für die Eheprobleme.

    Als Autor und Eheberater erlebe ich oft, dass die Ursachen einer Krise in der Situation oder in der Umwelt gesucht werden und nicht in der Interaktion und Kommunikation miteinander. Ich glaube, Max und Julia sollten ihre grundlegenden Kommunikationsmuster überprüfen und weniger mit Vorwürfen und Kritik gegeneinander vorgehen. Der Psychologe John Gottman hat die Wirkung dieser Kommunikatonsmuster auf eine Partnerschft sehr gut analysiert und erforscht. Eines muss ich als Vater von 1 Tochter und 2 Söhnen allerdings auch bestätigen: Erziehung ist nicht stressfrei und nicht immer lustig und leicht. Es kostet Kraft und Anstrengung und ist immer wieder eine Herausforderung im Alltag.
  • Marc Behrens (1) Tja, Eltern sein ist eben ganz schön stressig.
    Als wir noch keine Kinder hatten, dachten wir auch manchmal, wir hätten keine Zeit für nichts.
    Dann hatten bekamen wir eine Tochter, und uns fiel auf, wieviel Freizeit wir vorher hatten.
    Jetzt haben wir zwei Töchter, und uns fällt auf, dass wir mit einem Kind noch gewisse Freiräume hatten.
    Wenn wir drei haben, werden wir uns wohl nach der ruhigen Zeit mit zwei kleinen Kindern zurücksehnen...
  • wolf buetow (1) Danke fuer diesen Bericht, der mich als angehenden Vater schon einmal darauf vorbereitet, was da so kommen kann. Viele der geschilderten Probleme tauchen auch schon in der Schwangerschaft auf. Was mir gut gefallen hat, dass der Artikel - trotz schonungsloser Beschreibung - das happy-end nicht ausschliesst...