In Frankreich, wo man seit Proust ein nahezu libidinöses Verhältnis zum »point-virgule« pflegt, werden indes noch andere Gründe diskutiert. Französische Intellektuelle entdecken die Totengräber des Semikolons dort, wo der ganze restliche Ungeist herkommt: in den USA. Die amerikanische Sprache mit ihren kurzen Hauptsätzen mache dem Semikolon den Garaus; die Popkultur mit ihrer Ästhetik der Oberfläche tue ein Übriges, um komplexe Analysen und längliche Gedankengänge, die sich nur mithilfe von Strichpunkten aufschreiben ließen, gar nicht erst aufkommen zu lassen.
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Zum Glück hält Michel Houellebecq als einer der letzten Virtuosen des Semikolons die Fahne hoch: »Sie trug ein kurzes, hautenges, makellos weißes Kleid«, schreibt er in Ausweitung der Kampfzone, »das der Schweiß an ihren Körper geklebt hatte; darunter trug sie, wie man sehen konnte, nichts; ihr kleiner runder Hintern war perfekt geformt; deutlich zu erkennen die braunen Höfe ihrer Brüste.«
Alles in allem erscheint der Niedergang des Semikolons somit als Symptom der Angepasstheit unserer Epoche. Von der Freizeitkultur des Denkens entwöhnt, können wir zwar noch wählen, etwa wenn wir im Elektronikmarkt einen von 35 Flachbildschirmen auswählen; aber wir haben weder den Mut noch den Instinkt, uns zu entscheiden; und sei es nur für ein Semikolon statt eines Kommas.
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