Meinung - Zur Lage der Nation 29. September 2008 8 Kommentare
Folge 4: Realitätsverlust im Affenhaus
Wenn sich gute Laune auf Schadenfreude reduziert, kann eigentlich nur ein Verlierer dahinter stecken. Schlimm aber, wenn er das noch nicht mal realisiert. So wie die SPD nach der bayerischen Landtagswahl.
Manchmal wird einem plötzlich klar, warum der Rest der Welt auf Bayern schaut wie ein Zoobesucher, der vorm Affenhaus steht. Man musste am Wahlabend nur in die Gesichter der Politiker sehen, die – nachdem sich der Staub des Erdrutsches gelegt hatte – das kommentieren sollten, was gerade passiert war. Es war ein Bild des Jammers.
Es war traurig, den armen Günter Beckstein zu beobachten, wie er am Wahlabend tumb sein vorher auswendig gelerntes Verteidigungsmantra herunterbetete und bei jedem Interview um ein Jahr älter wurde. Auch Erwin Huber machte keine gute Figur bei dem Versuch, die Niederlage einfach wegzunuscheln. Beide waren angezählt, und wirkten doch irgendwie menschlich. Der Preis für den armseligsten Auftritt jedoch gebührt eindeutig der SPD, der Partei, die seit einem halben Jahrhundert kein Bein auf bayerischen Boden bekommt und an diesem Abend irgendetwas zu feiern hatte. Nur wusste keiner was.
Dabei hätte es so viel zu erklären gegeben: Warum rannten die flüchtigen CSU-Wähler überall anders hin, nur nicht in die Arme der SPD? War es wirklich kühn von Franz Maget, aus seinem Wahlergebnis einen Regierungsanspruch abzuleiten? Oder war es einfach nur peinlich? Als Gerhard Schröder 2005 der Wahlsiegerin Angela Merkel vor laufenden Kameras die Regierungsfähigkeit absprach, konnte man das noch als Testosteronüberschuss eines Wahlkampf-Alphatieres abtun. Zu Franz Maget fällt einem nur eines ein: Realitätsverlust.
Es gehört zu den Ritualen unserer politischen Kultur jedes Wahlergebnis ganz gleich wie es ausging, "nach vorne zu verkaufen", wie der Werber sagen würde. Wer Schwäche zeigt, wird angreifbar. Heraus kommt dabei jener verklausulierte Verbalabfall, der kurz nach Schließung der Kabinen jeden Wahlabend als Hintergrundrauschen begleitet und Niederlagen zu Siegen hochjazzt und umgekehrt. Alle reden davon, dass die Politiker am Wähler vorbeireden. Die bayerische SPD hat etwas viel Schlimmeres getan: Sie hat ihre Wähler an diesem Abend für dumm verkauft.
Es war traurig, den armen Günter Beckstein zu beobachten, wie er am Wahlabend tumb sein vorher auswendig gelerntes Verteidigungsmantra herunterbetete und bei jedem Interview um ein Jahr älter wurde. Auch Erwin Huber machte keine gute Figur bei dem Versuch, die Niederlage einfach wegzunuscheln. Beide waren angezählt, und wirkten doch irgendwie menschlich. Der Preis für den armseligsten Auftritt jedoch gebührt eindeutig der SPD, der Partei, die seit einem halben Jahrhundert kein Bein auf bayerischen Boden bekommt und an diesem Abend irgendetwas zu feiern hatte. Nur wusste keiner was.
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Da war dieses zufriedene und gönnerhafte Gewisper von Franz Maget zu Beckstein kurz bevor die so genannte Elefantenrunde losging, das Beckstein wie ein lästige Fliege wegmurmelte. Hier machte einer auf Staatsmann, der mit 18 Prozent im Rücken knapp an der Bedeutungslosigkeit entlangschrammt. Oder das selbstzufriedene Resümee von Franz Walter Steinmeier, der irgendwie versuchte, die Niederlage des Gegners in einen Sieg für die SPD umzudeuten. Irgendwie hat er dabei vergessen, dass die SPD in Bayern noch nie schlechter abgeschnitten hatte. Es war wie in der Schule: Der Klassenprimus hat es verhauen und am lautesten jubeln gerade die, die ständig sitzen bleiben. Und so reduzierte sich die ganze aufgesetzte Feierlaune der SPD auf das Niedrigste aller politischen Gefühle: die Schadenfreude.
Dabei hätte es so viel zu erklären gegeben: Warum rannten die flüchtigen CSU-Wähler überall anders hin, nur nicht in die Arme der SPD? War es wirklich kühn von Franz Maget, aus seinem Wahlergebnis einen Regierungsanspruch abzuleiten? Oder war es einfach nur peinlich? Als Gerhard Schröder 2005 der Wahlsiegerin Angela Merkel vor laufenden Kameras die Regierungsfähigkeit absprach, konnte man das noch als Testosteronüberschuss eines Wahlkampf-Alphatieres abtun. Zu Franz Maget fällt einem nur eines ein: Realitätsverlust.
Es gehört zu den Ritualen unserer politischen Kultur jedes Wahlergebnis ganz gleich wie es ausging, "nach vorne zu verkaufen", wie der Werber sagen würde. Wer Schwäche zeigt, wird angreifbar. Heraus kommt dabei jener verklausulierte Verbalabfall, der kurz nach Schließung der Kabinen jeden Wahlabend als Hintergrundrauschen begleitet und Niederlagen zu Siegen hochjazzt und umgekehrt. Alle reden davon, dass die Politiker am Wähler vorbeireden. Die bayerische SPD hat etwas viel Schlimmeres getan: Sie hat ihre Wähler an diesem Abend für dumm verkauft.
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13 Uhr 22
Abgesehen davon ist es auch nicht Sinn der Sache, im Rahmen einer objektiven und seriösen Berichterstattung Beweise zu erbringen. in Reportagen und normalen Artikeln in der Süddeutschen sind die Fakten sicher wasserdichter recherchiert als so manches Indiz, das in Strafprozessen zur Anwendung kommt, dafür lege ich meine Hand ins Feuer.
12 Uhr 34
Da darf sich der Herr Maget nach getanem anstrengenden Wahlkampf auch einfach darüber freuen. So wie übrigens fast alle Leute, die ich kenne, sich unglaublich gefreut haben...
Prinzipiell hat der Autor recht, intelligent ist es nicht, wenn Politiker am Abend emotional werden. Ohne Schröders Testosteron-Schub in der Elefantenrunde 2005 wäre Angela Merkel heute vermutlich nicht Kanzlerin. Aber mir sind ehrlich gesagt Politiker lieber, die irgendwann auch Emotionen zeigen, als geklonte Pokerfaces.
Und noch eine Sache zum Thema Peinlichkeiten: 2002 Stoiber: "Wir haben die Wahl gewonnen!" Kanzler für eine Nacht...
Das ist also mitnichten ein SPD-Phänomen, dass Wahlkämpfer sich am Wahlabend etwas wirr verhalten...
Aber Journalisten haben einfach einen großen Vorteil. Sie reden und schreiben, müssen aber selber nichts beweisen.
10 Uhr 51
Traurig, dass diese Leute auch Vorbilder sind!
09 Uhr 53
Unglaublich.
09 Uhr 19
Das Drama für mich als Wähler in Bayern ist, dass es mir von Wahl zu Wahl schwerer fällt mich als braver Demokrat zur Stimmabgabe zu schleppen.
06 Uhr 18
01 Uhr 48
Sehr lustig ... auch noch ein Leser der unter Realitätsverlust leidet und das mehr als 24 Std. nachdem der Maget sich lächerlich machte.
Der ist ebenso bekloppt, wie die Grünen, die bei einer Wahlbeteiligung von 50% und einem Ergebnis von 10% = real 5% immer glauben, sie hätten die Mehrheit der Leute neben sich.
21 Uhr 34
Danach schau'n mer dann amol wer bei diesem Artikel unter Realitätsverlust leidet. Ein gewisser Franz Maget oder ein gewisser Thomas Bärnthaler.