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aus Heft 45/2008 Innenpolitik Noch keine Kommentare

"Wenn er 2 Mark Taschengeld bekommen hat, hat er 1,80 Mark gespart"

Eigentlich wollten die Eltern des SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier »nur ein paar Minuten« ihrer Zeit opfern – sie sind ziemlich pressescheu –, am Ende erzählten sie uns eineinhalb Stunden lang von ihrem Sohn.

Foto: Reuters




Zwei Wochen bevor Frank-Walter Steinmeier zum SPD-Kanzlerkandidaten gekürt wurde, besuchte unser Autor seine Eltern in Brakelsiek. Ein Gespräch mit Walter, 80, und Ursula Steinmeier, 78, über Frank-Walter Steinmeier, wie ihn keiner kennt.
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SZ-Magazin: Wenn Ihr Sohn sie in Brakelsiek besucht, wie verbringen Sie die wenigen Stunden mit ihm?
Walter Steinmeier:
Auf jeden Fall reden wir nicht über Politik. Wirkliche Geheimnisse würde er uns eh nicht erzählen. Wir fragen schon mal, wie Bush so ist oder so, aber weiter geht das nicht.
Ursula Steinmeier: Wir reden lieber über private Dinge, zum Beispiel was er im Urlaub gemacht hat. Er geht ja sehr gerne in die Berge.

Sind Sie keine politisch interessierten Menschen?
Walter Steinmeier: Schon, aber wir sind nicht aktiv, im Ortsverein oder so. Ich bin 80, meine Frau 78, da mischen wir nicht mehr in der großen Politik mit...

Aber Sie gehen wählen?
Walter Steinmeier: Das schon.

Bleibt er dann über Nacht, wenn er nach Brakelsiek kommt?
Ursula Steinmeier: Kommt immer drauf an, was er am nächsten Tag vorhat. Meistens bleibt er ein paar Stunden, manchmal auch über Nacht, er schläft dann in seinem alten Zimmer.

Und kochen Sie ihm dann sein Leibgericht?
Ursula Steinmeier: Ja, das schon, am liebsten isst er Frikadellen mit Kartoffelbrei und Sauerkraut.

Die SPD steckt in der Krise, die Chancen für die Wahl 2009 sind nicht gut. Hätten Sie lieber, dass er nicht Kanzlerkandidat wird?
Walter Steinmeier:
Die Aussichten sind schlecht, irgendwie wird er verheizt. Generell raten die Leute ab.
Ursula Steinmeier: Aber andere Leute haben sie ja nicht, das ist ja das Problem.

Glauben Sie, dass Ihr Sohn ein guter Kanzler wäre?
Ursula Steinmeier:
Auf jeden Fall. Er behält immer die Übersicht und hat ein unglaubliches Gedächtnis. Wenn ich ihm am Telefon was aus dem Ort erzähle, sag ich immer: Ach, den kennst du eh nicht. Er weiß aber jedesmal, wen ich meine. Er speichert einfach alles.

Ein gutes Gedächtnis allein macht aber noch keinen erfolgreichen Kanzler.
Ursula Steinmeier:
Er weiß aber auch, was er will. Und wenn ihm was nicht passt, kann man ihm das am Gesicht ansehen. Also ich sehe das sofort, auch im Fernsehen.

Halten Sie Ihren Sohn für geeigneter als Kurt Beck?
Walter Steinmeier:
Er selbst vertritt den Stadtpunkt, dass Beck verkannt wird. Frank sagt immer: Beck hätte die Fähigkeit, das zu machen. Leider kommt er bei den Frauen nicht an.
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