Kino/Film/Theater | Heft 47/2008

Der Spion, den er liebt

Im März 2008 gab uns Edmund Stoiber ein Interview über sein Leben nach dem Rücktritt als Ministerpräsident. Darin bekannte er auch, Bond-Fan zu sein. Also luden wir Stoiber zu einem Besuch des neuen 007-Films "Ein Quantum Trost" ein. Lesen Sie hier seine Filmkritik.

Von Edmund Stoiber  Fotos: Patrick Hamilton


Edmund Stoiber mit seiner Frau Karin im Matthäser-Kino in München
Bond. James Bond. Zwar fehlt diese Schlüsselszene im neuen 007-Streifen, aber: Die Legende lebt.

Regisseur Marc Forster hat nicht nur den teuersten, sondern auch den erfolgreichsten James-Bond-Film aller Zeiten gedreht. Fans und Kritiker sind entflammt. An den Kinokassen bricht "Ein Quantum Trost" alle Rekorde. Und tatsächlich ist den Bond-Machern ein außergewöhnliches Werk gelungen. Frei von jeder Nostalgie haben sie den britischen Super-Agenten in das 21. Jahrhundert gebracht. Denn: Bond hat sich verändert. Der Held ist menschlich und verletzlich geworden. Erstmals hat er eine Vergangenheit bekommen, die Ermordung seiner Geliebten Vesper, die ihn geradezu traumatisiert. Dem Herzensbrecher wurde selbst das Herz gebrochen. Wo Gefühle früher keinen Platz hatten und der Hang zur Selbstironie dominierte, ist der neue Bond unter seinem kalten Panzer beinahe gefühlvoll. Nicht der berühmt-berüchtigte Sarkasmus, sondern Trauer, Wut und Liebe sind die neuen Triebfedern, die Bond am Ende – natürlich - alle Abenteuer bestehen lassen.

Doch bei aller Neuentwicklung des weltweit bekanntesten Actionhelden mit einem brillianten Daniel Craig: Weniger Bond ist verändert als die Welt, die er rettet. Der Ost-West-Konflikt ist überwunden, in dem die Gefahren der Welt klar abgesteckt und überschaubar erschienen. Im Gegensatz zu den heutigen Herausforderungen waren für viele die Unsicherheiten des kalten Krieges geradezu verlässlich und kalkulierbar. Damals hatte Bond noch Zeit: Für attraktive Gefährtinnen. Für den Barkeeper und den richtigen Mix des einen oder anderen Martini. Für einen Flirt mit Miss Moneypenny. Oder für die penible Einführung in allerlei technische Wunderwaffen. Gute, alte Zeit. Jetzt ist alles anders.

Die globalisierte Welt dreht sich schneller. Der Feind ist nicht mehr verlässlich, nicht einmal der Freund. Bond hat keine Zeit und keinen Freiraum mehr, lässige Eleganz zu leben. Selbst die Schurken haben sich gewandelt. Nicht mehr Staaten oder einzelne Größenwahnsinnige bedrohen den Globus, sondern ein international verfilztes Konsortium smarter Terroristen. Und dennoch oder gerade deshalb: Dieser Bond ist politisch wie nie. Das beginnt bei der Finanzmarktkrise, die ihre Spuren hinterlässt, wenn Verbrecher auf Euro bestehen statt auf Dollar. Und das geht bis zur Frage unserer ökologischen Ressourcen, wenn Wasser als das kostbarste Gut der Zukunft in den Mittelpunkt gerückt wird.

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