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Meinung - Zur Lage der Nation 23. February 2009 13 Kommentare

Folge 29: Falsche Freunde

Immer mehr Deutsche entdecken das soziale Netzwerk Facebook für sich. Unser Autor hat Facebook ausprobiert - und ist umgehend ausgetreten.


Die digitale Revolution begann irgendwann Ende der 1980er-Jahre. Jedenfalls für mich. Ein Freund aus den USA wohnte bei mir und hatte einen tragbaren Computer dabei. Der konnte sprechen, es war der erste Apple-Laptop. Wenige Jahre später steckte dieser Freund noch ein Kabel in die Telefonbuchse und zeigte mir etwas, das er Internet nannte. Es sei vom US-Militär entwickelt worden und werde bald eine Revolution auslösen. „Interessant“ antwortete ich und las doch lieber über Russland 1917.

In der Fachsprache der Marketingexperten zähle ich zu den „Late Adoptern“. Denjenigen, die jegliche technische Neuerung verschlafen und sie erst dann für sich entdecken, wenn sie schon wieder überholt zu werden droht. Beim Vorläufer der EC-Karte war das so (1988), beim Anrufbeantworter (1992), beim Handy (1997). Zum World Wide Web machte dann ein anderer Freund kürzlich die kluge Bemerkung: „Alt ist man dann, wenn man die neuesten Entwicklungen nicht mehr versteht.“ Also habe ich mich vor ein paar Wochen bei Facebook eingetragen. Man will ja vieles sein. Aber alt?

Ich verhielt mich, wie ich mich auch im normalen Leben verhalte. Da renne ich auch nicht mit offenen Armen auf jeden x-beliebigen Menschen zu. Die Folge: Auch nach zwei Wochen im Freundschaftsnetzwerk Facebook hatte ich keinen einzigen Freund. Es ist nämlich dort wie im echten Leben: Freundschaften sind ein Geben und Nehmen. Ich hatte nur meinen Namen preisgegeben und bekam nichts. Das empfand ich als beruhigend.

Bis sich Anfang vergangener Woche dann doch ein mir vollkommen unbekannter Mensch meldete: Er wolle mein Freund sein. Ich fühlte mich entdeckt, so wie man sich manchmal fühlt, wenn sich in der U-Bahn plötzlich die Blicke mit einem fremden Menschen kreuzen. Oder wenn man als Kind vor einem Foto in einem Buch erschreckte, weil man dachte, der Mensch auf dem Bild könne einen sehen. Und so wie ich früher dann schnell das betreffende Buch einfach zugeklappt habe, wollte ich jetzt meine Mitgliedschaft bei Facebook kündigen. Es war fast unmöglich.

Zumindest kostete es mehrere E-Mail-Wechsel und einen Ausflug in die Untiefen der Allgemeinen Geschäftsbedingungen, bis ich aus dem Freundschaftsnetzwerk aussteigen konnte; immer begleitet von den Ermahnungen Facebooks, dass ich mit meiner Mitgliedschaft auch alle bisherigen Kontakte verlieren werde.

Dies war eine neue Erfahrung: Es ist heutzutage einfacher, Freundschaften zu knüpfen, als sie zu beenden. Früher nannte man das „falsche Freunde“, nun heißt es Facebook.


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Kommentare

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  • Fausto Copy (0) Den Artikel habe leidlich gelangweilt ich zur Kenntnis genommen und ich bin ob seiner Gehaltlosigkeit ebenso erschrocken wie meine Vorredner. Ich selbst nutze Facebook um den Kontakt mit alten Freunden aufrechtzuhalten bzw. aufzufrischen. Herrn Nimsgas Aussage, Facebook sei nicht geeignet, neue Freundschaften zu schliessen kann ich nur müde lächelnd entgegenhalten, daß es eben immer darauf ankommt, wie kontaktfreudig man selbst ist - ich für meinen Teil habe bei Facebook schon nette neue Bekanntschaften gemacht und diese auch im "echten Leben" getroffen.
  • nils christian nimsgarn (0) Facebook hat auch Vorteile: Ich habe 20 Jahre in Italien gelebt, und bin jetzt im vierten Jahr wieder in Deutschland. Um mit meinen italienischen Freunden in Kontakt zu bleiben, benutze ich Facebook. Ich kann (fast) an deren Alltag teilnehmen. Ohne Facebook müßte ich entweder telefonieren (teuer!) oder per E-Mail mit ihnen kommunizieren. Bei Facebook habe ich einen Gesamtüberblick. Merkwürdigerweise habe ich keine Facebook-Kontakte zu Menschen, die hier wohnen. Da ziehe ich die persönliche Begegnung vor.
    Zum Freunde FINDEN ist es überhaupt nicht geeignet.
  • Horst Loeffel (0) Das Seufzen des Bildungsbürgers.
  • Anette Mayerhofer (1) Den Vergleich mit der Party finde ich sehr gut! Danke, Martin Schmidt. Den Artikel dagegen finde ich sehr fragwürdig.

    Zum Thema: "Freunde" - jeder weiß doch, dass facebook eine amerikanische Company ist und wie viel lockerer in den USA mit dem Wort "friend" umgegangen wird. Siehe "I love you all". Natürlich kann man das blöd finden, aber vielleicht sollte man es einfach nicht so verbissen sehen? Ich spreche z.B. von meinen "facebook-Freunden", und die Präposition "facebook" macht klar, dass das nicht zwangsläufig meine echten Freunde sind. Na und?

    Außerdem wird vor der Registrierung bei facebook deutlich gemacht, dass es sich um ein Angebot handelt, mit dem man mit seinen Freunden (und da sind alte und wirkliche Freunde gemeint, keine neuen Bekanntschaften) in Kontakt bleiben und sich mit ihnen vernetzen kann.

    Wenn jemand das nicht möchte - klar, kein Problem. Einfach nicht registrieren, es wird ja keiner gezwungen. Aber an einem sozialen Netzwerk auf so langweilige und nicht fundierte Art und Weise einfach mal ein bisschen rumzumeckern, ist des SZ-Magazins nicht würdig.

    Wenn das Ganze wenigstens überspitzt und/oder witzig geschrieben wäre ...
  • Klaus Nick (0) Eins noch. Die Frage von Gunnar :"Aber hat er nicht doch irgendwie recht?" kann man ganz klar mit NEIN beantworten! Was aber sehr interessant wäre, wäre zu untersuchen wie man sich Freundschaftangeboten von flüchtigen Bekannten gegenüber verhält oder von solchen die man eigentlich nicht mag. Und in welche Zwickmühlen man dabei eventuell gerät. Natürlich müsste der Artikel von jemandem verfasst werden, der sich mit der Materie auskennt, weshalb dies auch explizit keine Aufforderung/Anregung an Herrn Heidtmann sein soll.
  • Katja Baer (0) Artikel gelesen und umgehend Buch über Russland 1917 rausgeholt.
  • Christoph Dienst (0) Facebook, genau wie ähnliche Webseiten, bieten denjenigen einen Mehrwert, deren reale Freunde ebenfalls registriert sind und die Seite nutzen. Dann kann man mit diesen Freunde sehr leicht in Kontakt treten, auch wenn diese mal wieder ihre Mailadresse oder Telephonnummer geändert haben, man kann leicht Einladungen verschicken, die dann auch gleich online beantwortet werden können, etc.

    Um neue Freunde zu finden eignet sich die Seite natürlich nicht. Vielmehr als Facebook selbst könnte man deshalb die Nutzer kritisieren, die eben das dort suchen.

    Und wie mein Vorgänger bereits anmerkte, gibt es bei jeder Freundschaftsanfrage zwei Möglichkeiten, bestätigen oder ignorieren, und somit bei unbekannten "Freunden" also kein Problem, diese loszuwerden.
  • Stefani Akins (1) Man kann hin und her diskutieren, wie sinnvoll die zwanghaft jugendliche Masche, Fremde als Freunde zu titulieren, ist, aber deswegen gleich aus einem Netzwerk auszutreten, ist nun wirklich... kindisch. Ebenso das Erschrecken ob eines potentiellen Freundes, dessen Antrag man im Übrigen ablehnen kann. Einfach so.

    Ich frage mich allerdings, wie auch einige meiner Vorkommentatoren, was der Sinn ist, in ein solches Netzwerk einzutreten und dann dort nichts zu tun. Lustigerweise kenne ich selber jemanden, die ebendas tat. Sie schrieb sich ein, trat einer Gruppe bei, tat gar nichts, und meldete sich am Ende wieder ab, weil es ihr "alles zuviel" wurde... wenn nichts schon zuviel ist...
  • Gunnar Lattemann (1) Aber hat er nicht doch irgendwie recht?
    Mir gings bei einem anderen "sozialen Netzwerk" genauso. Diese inflationäre Verwendung des Begriffs "Freunde". Ging ja noch, solange ich mit meinen "Bekannten" vernetzt war. Als dann wildfremde Menschen meine "Freunde" werden wollten, habe ich ebenfalls die Flucht ergriffen...
    Vielleicht sind Herr Heidtmann und ich doch schon zu alt dafür...
  • Mirco Rubel (0) Hey, ich bin auch nicht sicher, was die msg dieses Artikels sein soll.

    Naechste woche kauft er sich vielleicht ein prepaid handy und behaelt die nummer fuer sich ... und wenn dann beim ueberfahren der Grenze ne SMS vom netzbetreiber kommt wirft er es von der franzoesischen Seite aus in den Rhein.

    Dass social networking ohne soziale kontake nicht funktioniert, war ja wohl klar. fb entfalltet seine funktionalitaet erst dann richtig, wenn meoglichst viele der eigenen (real life) freunde es auch benutzen (aehnlich wie email, haendies etc.).

    Vielleicht moechte er uns daran erinnern, dass es leute gibt, die neue medien wegen sozialer Phobien nicht nutzen koennen. Und wir deshalb nicht jeden nicht-facebook-user gleich als alt bezeichnen sollten ... manche sind durchaus jung, aber dafuer halt ... anders?!!?

    ok, ich bin ingenieur und nicht gut im interpretieren von texten ... wahrscheinlich empfindet er sich als kuenstler und ist hoch erfreut ueber die reaktionen, die er provoziert hat.
    - bitte sehr, gern geschehen ...
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