aus Heft 11/2009 Wirtschaft/Finanzen 8 Kommentare
Hochmut kommt vor dem Phall
Die Wirtschaftskrise ist vor allem eine Krise der Männer. Im Ernst: Wäre Frauen der ganze Mist passiert?
Von Hermann Droske
Das Schlimmste an der Krise ist, dass sie so langweilig ist. Immer noch sieht man in den Nachrichten lauter Männer in knitterfreien Anzügen, die unbeirrt knitterfreie Textbausteine vortragen. Marktbereinigung, wird schon wieder, blablabla.
Vielleicht ist das ja die Botschaft, die einem beigebogen werden soll: Es wird sich nie etwas ändern. Immer werden die ganz großen Jungs mit unserem Geld spielen. Und niemand wird sie aus dem Spiel nehmen, auch wenn ihnen niemand mehr vertraut. Was die großen Jungs übrigens nicht stört. Sie sind überzeugt von sich. Selbst wenn sie gerade die Weltwirtschaft in den Abgrund gerissen haben.
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Dabei könnte man sich durchaus die Frage stellen, wozu man sie überhaupt braucht. Im Boom tragen sie einem bloß penetrant vor, worauf man alles verzichten müsse, damit der Boom anhält (Gehalts-erhöhungen, Sozialleistungen, Freizeit, Kündigungsschutz). Dennoch kommt der Crash, den sie nie vorhersehen, obwohl sie Wirtschaftsweise sind, und die Einzigen, die nicht unter ihm leiden müssen, sind sie, die großen Jungs mit ihren todsicheren Anlagetipps.
Während viele die Krise bei Hartz IV aussitzen müssen, bekommen sie (von uns) ein paar Milliarden, um ihre Läden wieder flottzumachen, damit sie uns für die nächste Runde eventuell wieder einstellen, zu deutlich schlechteren Bedingungen. Falls einer von ihnen doch seinen Job verliert, macht er mit seiner Abfindung ein Weingut auf und gibt Interviews über sein Glück, gerade noch rechtzeitig im Leben die wahren Werte entdeckt zu haben.
Das würden wir auch gern, aber die wahren Werte können wir uns nicht leisten, weil die Big Player mal wieder ihr Spiel verloren haben. Wenn es sie nicht gegeben hätte, ahnen wir, säßen wir wenigstens immer noch in Feinripp-Unterhosen vor Märklin-Eisenbahnen, aber die haben sie uns auch genommen. Jetzt haben wir nur noch Abwrackprämien und ihre Sprüche.
Vielleicht ist genau das das Problem: Dass es sich immer nur um Männer handelt, die an den ganz großen Stellschrauben drehen dürfen. Doch das ist eine Feststellung, die ein wenig ranzig riecht, weil sie schon so oft folgenlos vorgetragen wurde. Außerdem hat man in der Krise Wichtigeres zu tun als darüber nachzudenken, ob sie einem nicht von einer sich selbst überlassenen und in sich selbst verliebten Männerkultur eingebrockt worden ist. Man ist vollauf damit beschäftigt, sich durchzuschlagen. Und verschiebt die Gender-Diskussion auf den nächsten Boom, in dem man auch keine Lust auf sie haben wird.
Und so werden auch weiterhin Männerclubs die Weltwirtschaft regieren und regulieren. Bankvorstände, Börsenparkette, Investment-Firmen, Weltwirtschaftsgipfel: lauter so frauenfreie Zonen wie Urologen-Wartezimmer. Und wenn man sich ein paar Wochen lang die Wirtschaftsnachrichten, Schlusskursdepeschen und Leader-Interviews antut, beginnt man zu ahnen, dass die Ökonomie von genau den männlichen Deformationen in Schwung gehalten wird, die man auch sonst im Leben nur schwer ertragen kann.
Immer geht’s ums Gewinnen, ums Bessersein, ums Imponieren. Es ist eine seltsame Männerkultur, die da am Drücker ist: pompöse Bescheidwisser; Strategen, die das große Ganze im Auge haben und nie die kleinen Konsequenzen; Aufsteiger, die andere Aufsteiger übertrumpfen wollen; Spieler, die Verluste mit noch höheren Einsätzen ausgleichen wollen; Nerds, die sich exotische Instrumente ausdenken; und Gurus, die ihr Zahlengeschubse zum Zen, zum Krieg oder zu einer Kombination von beidem verklären. Doch wenn sie alle zusammen mal verlieren, weiß keiner, wie es geschehen konnte, es ist eben einfach so passiert.
(Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum Frauen ökonomisch klüger handeln.)
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18 Uhr 27
Ich finde den Artikel wunderbar. Der letzte Satz des Herrn Droske mag stimmen aber die Arroganz ist doch eher den Herren-Banker zuzuschreiben und Entschuldigungen fallen Männern in Führungspositionen bekanntlich sehr schwer.
Herr Droske scheint sich als Mann persönlich angegriffen zu fühlen, dabei geht es um die Entscheidungsträger des Wirtschafts-und Bankwesen, die bis auf wenige Ausnahmen doch männlicher Natur sind.
22 Uhr 04
Lieber Herr Kollege Droske,
die meisten Ihrer Artikel schätze ich sehr, hier jedoch ist Ihnen offensichtlich ein sehr schwerer Fehler in der Recherche unterlaufen. Ungefähr ebenso schwer, wie wenn ich schreiben würde, den Holocaust hätte es nie gegeben.
Zutreffend ist, dass fast alle Finanzprodukte von Männern entwickelt werden. Ausgerechnet jedoch die ABS, die sog. Asset Backed Securities – eben jene „Wertpapiere“, die Lehmann und Hypo Real Estate sowie 32 weitere Banken in die Insolvenz trieb - wurden von einer Frau erfunden: Frau Blythe Masters, Vorstandsfrau bei Goldman Sachs.
Männliche und weibliche (!) Bankangestellte – Frauen sind in der Bankenlandschaft übrigens in der großen Überzahl – haben diese ABS erfolgreich an ihre Kunden und KundInnen (!) verkauft.
Zweiter peinlicher Fehler: Sie zitieren Island - das Land, welches durch die Finanzkrise am Abgrund steht. Ausgerechnet bei isländischen Banken jedoch sind die Vorstände nahezu paritätisch besetzt: 41 % Frauen. Und besonders pikant ist: Bei beiden isländischen Großbanken sind die verantwortlichen Investmentvorstände weiblich.
Fazit: Nimmt man Ihren Artikel ernst, müsste man Frauen ja aus den Führungsetagen vollständig entfernen.
Auch wenn es zur Zeit in den Medien sehr in Mode ist, Männer als dumm und unfähig darzustellen und Frauen als intelligent und überlegen – Redakteure / -innen sollten vor dem Schreiben ein Minimum an Recherche betreiben und sich zumindest grob an der Wahrheit orientieren.
Frauen arbeiten vermutlich nicht schlechter als Männer. Aber wohl ganz offensichtlich auch nicht besser.
07 Uhr 05
Un da die meisten Frauen (wie Männer übrigens auch) gerne drei Partner gleichzeitig hätten - den zuverlässigen Versorger, den perfekten Liebhaber, den veständnissvollen Zuhörer (in dieser Reihenfolge) handeln sie entsprechend: Erst gut versorgt sein, dann einen prickelnden Seitensprung und weil das alles nicht wirklich glücklich macht noch einen "vegetarischen Liebhaber", dem sie skrupellos stundenlang ein Ohr abkauen. Und mal ganz ehrlich: Wer will es ihnen verübeln...
19 Uhr 12
Die WestLB hat ihre Schräglage u.a. der Super-Blondine Robin Saunders zu verdanken.
HP hat schwer unter Carly Fiorina gelitten, vor allem der Wert der Aktien.
Die Schrott-Anleihen, die die Weltwirtschaftskrise ausgelöst haben, wurden von Blythe Masters erfunden.
Die KfW wurde von Ingrid Matthäus-Meier an die Wand gefahren.
Da ich kein "Anti-Feminist" bin, würde ich nie sagen, Frauen haben keinen Wirtschaftsverstand.
Aber wie Droske zu bedauern, dass Frauen keine Rolle in den Führungsetagen spielen und es deshalb ökonomisch so schlecht aussieht, verkennt, dass es genügend Frauen an bedeutender Position gibt und dass es genügend Beispiele für Inkompetenz gibt unabhängig vom Geschlecht.
22 Uhr 33
ich schreibe keineswegs "unreflektiert" über die wirtschaftliche Inkompetenz bei Frauen, das Gegenteil hat FRAU Kricheldorf bereits für mich getan.
Und das ist keineswegs beschämend für mich - eher für das weibliche Geschlecht.
Das Buch finden Sie aber auch OHNE Mann, oder?
Hofft jedenfalls
Th F.
23 Uhr 17
18 Uhr 54
08 Uhr 01
Wer "Verantwortung - nein Danke" von Beate Kricheldorf gelesen hat, der spürt (auch als Mann), dass die o.g. Wirtschaftliche Kompetenz bei Frauen die Ausnahme ist.
"Wer sich anschaut, welche Frauen welche Männer heiraten, der ahnt, die sie es hassen müssen, für ihren eigenen Lebensunterhalt zu sorgen" (Jack Nicholson?)