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Alphabet der Sexualität 27. März 2009 1 Kommentar

K - Krise

Krisenstimmung überall - außer in deutschen Schlafzimmern: Sexualforscher belegen einen kollektiven Wunsch nach mehr Zärtlichkeit, die Erotik-Branche floriert. Ist die Rezession die Geburtsstunde eines neuen Baby-Booms?

Von Marc Baumann 



Es gibt gute und weniger gute Zeitpunkte ein Kind zu zeugen. Mein Vater etwa wurde im November 1944 geboren. Ich habe meine Großmutter kürzlich gefragt, warum sie ausgerechnet mitten im Zweiten Weltkrieg schwanger geworden ist. Ihre Antwort: Ach ja, dein Großvater hatte eben Fronturlaub.

Was lernen wir? Der männliche Sextrieb lässt sich nicht so leicht erschüttern.
Der Russe kommt? Opa kam zuerst.
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Das macht einem doch Hoffnung für 2009, noch so ein Krisenjahr. Gut, es fallen keine Bomben, aber lesen Sie mal die Financial Times-Kolumne von Wolfgang Münchau, dann sind Sie überzeugt, dass die Welt in etwa kommenden Mittwoch untergeht.

Gute Nachrichten sind selten geworden, aber es gibt sie noch - und sie kommen aus deutschen Schlafzimmern: Laut einer Forsa Umfrage wollen sich gerundete 75 Prozent der 1000 befragten Männer und Frauen "künftig mehr mit ihren Partnern befassen, um sich von der schwierigen Wirtschaftssituation abzulenken". Der Erotik-Versandhandel berichtet von einem "sehr starken Anstieg bei typischen Pärchen-Bestellungen (...) die in den heimischen vier Wänden erotische Stimmung aufkommen lassen."

Wer etwa in der Automobilbranche arbeitet und bereits auf Kurzarbeit gesetzt wurde, hat ja nun Zeit genug für ausuferndes Vorspiel oder die Langsamkeit der indischen Kamasutra-Lehre. Banker verspüren derzeit allerdings "verstärkte Lustlosigkeit", berichtet Focus Online. Dazu passend finden sich bei Google News folgende Meldungen: "Im Puff herrscht tote Hose!" - "Die Wirtschaftskrise hat das horizontale Gewerbe voll erwischt."

Vielleicht könnte auch hier eine Abwrackprämie helfen: Es findet sich doch bestimmt noch etwas Steuergeld, um die Führungsriege der Bayerischen Landesbank auf Staatskosten von Dominas mal gründlich auspeitschen zu lassen?

Jakob Pastötter, Leiter der Deutschen Gesellschaft für sozialwissenschaftliche Sexualforschung, hat herausgefunden, dass während einer Rezession die reine Triebbefriedigung in den Hintergrund tritt, "es wird dafür mehr gekuschelt".

"Besonders Banker haben ein stärkeres Bedürfnis nach Nähe und Sicherheit" weiß Focus Online, und wer von uns würde nicht gern mal einen Verantwortlichen der Hypo Real Estate in den Arm nehmen und den so richtig, richtig fest drücken?
 
Online-Kuppelbörsen rufen dazu passend einen neuen Trend aus: „Cocooning". Definiert als "Abwehr- oder Angstreaktion in Form eines Rückzugs in das Privatleben". Anstatt den Samstagabend bei teuren Cocktails in Bars zu verbringen, werde daheim mit Freunden gekocht, DVD-Abend statt Kinokarten. Und: Mit der Ehefrau schlafen, statt teure Hotelzimmer mit der Sekretärin buchen.

Bei so viel wiederentdeckter Zärtlichkeit könnte Deutschland ein Babyboom bevorstehen: Die Generation Lehman Brothers.

Kommentare

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  • Thomas Bode (0) Ja es gibt eine Krise. Wir haben es verstanden. Und wir werden uns danach richten liebe Journalisten. Ihr glaubt es vielleicht nicht weil sich das Konsumverhalten kaum geändert hat. Aber Ihr könnt dennoch beruhigt sein puncto Eures Einflusses und aufhören jeden beliebigen Anlass zu nutzen um "KriKriKrise" zu kreischen. Zum Beispiel: "AC/DC können fetzig spielen trotz Krise..".
    Als ich das las überlegte ich welches noch seichtere Thema ich vorschlagen könnte - und natürlich fiel mir so etwas ein wie "Männer kriegen immer noch einen hoch trotz Krise!". Aber ich wurde von der Wirklichkeit überholt wie man an diesem Artikel sieht.