Gesellschaft/Leben | 05. Juni 2009

Dokumente der Intoleranz

In Heft 21/2009 berichtete ein homosexuelles Paar in der Titelgeschichte Der Mann fürs Leben von seinem langen Kampf um Anerkennung. Nach Erscheinen des Heftes gingen sehr schwulenfeindliche Anrufe und Zuschriften bei der Redaktion ein. Wir möchten Ihnen einen Teil dieser bezeichnenden Dokumente von Intoleranz zeigen. Gleichzeitig haben wir aber auch positive Reaktionen zusammengestellt.



Seit 48 Jahren sind Alfred Kaine und John Günther zusammen, 1999 durften sie endlich heiraten. (Foto: Joachim Baldauf)
22.06.2009
Geehrte Redaktion des SZ-Magazins,
noch einmal zu der leidigen Entgleisung mit dem alten Schwulenpaar vom Heft 21.2009.

Es gereicht Ihnen nicht zur Ehre, Kritik an diesem Interview als Zeichen der Intoleranz zu diffamieren. Sie sollten sich vielmehr dafür schämen ungefragt die Gefühle ihrer Leser so zu beleidigen, denn es gibt auch heute in unserer vom Zeitgeist zersetzten und relativistischen Gegenwart noch Menschen, die eine Perversion als Zumutung empfinden. Sich gegen diese Abartigkeit zu verwehren ist kein Zeichen von Intoleranz, sondern von gesundem Empfinden. Homosexualität ist eine Perversion und daran kann man berechtigtermaßen stoßen.

Offensichtlich sind Sie ordentlich über das Ziel hinausgeschossen. Die Dokumente der Intoleranz, die Sie groß ankündigen, sind doch sehr überschaubar. Es sollte mich nicht wundern, wenn Sie hier die nächste Gelegenheit zur Manipulation Ihrer Leser genutzt haben und ein deutliches Ungleichgewicht der Leserbriefe präsentieren - statt Format zu zeigen und sich für diese Geschmacksübertretung zu entschuldigen, stellen Sie eine ungleiche Vielzahl an, aus Ihrer Sicht wohl "positiven" Zuschriften online. Ich finde das unglaublich perfide!
Als langjähriger Leser Ihres Magazins weiß ich auch, dass es anders geht. Ich erinnere mich an ein Interview mit Herrn Biolek, bei dem die tragischen Momente seiner homosexuellen Verirrung deutlich wurden. Auch ist mir die Reportage über einen Wachkoma-Patienten in guter Erinnerung, der von seinem schwulen Freund fürsorglich betreut wurde. Hier waren die Betroffenen in ihrer Tragik zu erkennen. Kein solcher Sexismus wie in Ihrem angesprochenen Heft.

[...]

Bedauerlicherweise ist es langsam interessanter die Leserbriefe in den Zeitungen zu lesen als die von den Redakteuren geschriebenen Texte.
Warum findet sich heute fast nur noch gendermainstreaming Bullshit? Haben Sie denn gar keine Haltung mehr, kein Format, keinen Anstand und keinen gesunden Menschenverstand? Aber in Zeiten des Relativismus kann man das wohl nicht anders erwarten.

Mit freundlichen Grüßen Andreas B.

23.05.2009
Sehr geehrtes Redaktionsteam,
meiner Meinung nach haben Sie bei der Auswahl des Titelbildes vom 22. Mai-Magazin keine glückliche Hand bewiesen.
Dieses ekelhafte und perverse Abbild schwuler Greise wird auch anderen Lesern Ihres Magazins nicht das Wochenende versüsst haben. Ihr Leser Uwe U.
P.S. Dies ist die erste Zuschrift nach 37 Jahren SZ-Abo!


22.05.2009

Hallo,
ich bin Rentner und habe demgemäß auch viel Zeit für interessante Rätsel. Am meisten freue ich mich aber immer auf das Freitagsrätsel im Magazin. Bitte übermitteln sie dem Autor CUS meine Wertschätzung.
Wesentlich weniger spricht mich dagegen das Interview mit dem Schwulenpaar im gleichen Heft an. Ich krieg da immer ein ekliges Gefühl bei diesem Thema.
Mit freundlichen Grüßen Helmut H.

22.05.2009
Muss man solche Bilder zeigen? Die Präsenz von Homosexualität in den Medien hat eine Dimension erreicht, die schon längst über's Ziel hinaus geschossen ist. Es ist Privatsache und sollte auch privat bleiben. Robin O.

Die positiven Reaktionen

04.06.2009
Hier schreibt die Nichte an alle Welt:
Ich bin sehr stolz das die beiden meine Onkel sind.
Es ist bewundernswert, wie sie zusammen leben.
Ich wünsche allen Homosexuellen, das sie in der Zukunft die gleichen Rechte wie wir Hetero`s bekommen. Michaela P.

27.05.2009
"wahnsinnig tolles und unbedingt lesenswertes interview im sz-magazin mit alfred und john, die seit 48 jahren als paar in stuttgart leben und mit der ignoranten dummheit der menschen zu kämpfen haben." Auszug aus dem Blog Wider die Totalverblödung

26.05.2009
"Das Magazin der Süddeutschen Zeitung hat zu diesem Anlass ein berührendes Interview mit zwei alten, glatzköpfigen Männern geführt:  dem 74jährigen John Günther und dem 81jährigen Alfred Kaine, die seit 48 Jahren ein Paar sind und ihre Partnerschaft von Beginn an gerne legalisiert hätten: Sie mussten 38 Jahre darauf warten. Nun sind sie seit zehn Jahren glücklich verheiratet." Auszug aus dem Blog von Doris Knecht

25.05.2009
"Ein wirklich wunderbares, kluges, rührendes und interessantes Gespräch über die eine große Liebe und die vielen Hürden, die man dafür manchmal nehmen muss. Unbedingt lesen!" Auszug aus dem Blog Geschlossene Gesellschaft

23.05.2009
Guten Tag,
vielleicht kann man den Interviewpartner Kaine & Günther ausrichten, dass mir tatsächlich am Cover als Erstes die Brillen aufgefallen sind! Die eine so horn-sprenkelig, die andre sehr speziell, dazu der Schnauzer...dass dahinter eine tolle Geschichte steckt, hab ich dann auch bald gemerkt.
Aber zwei zärtliche Männer sind ja zB auch in der Werbung auf p.4 ders. Ausg., ist also schon sehr normal geworden. Kann natürlich auch dran liegen, dass ich ein sehr style-affiner Hetero bin - whatever, am Anfang war die Brille.
MfG, Paul L.

23.05.2009
"zur freude der leserInnen sind die beiden kritische beobachter einer gesellschaftlichen entwicklung. sie schildern was sie alles ertragen mussten, bis sie ihre ihr liebe überhaupt so leben konnten, wie sie wollten. sie beschreiben, wie schwer es fiel, sich öffentlich zu küssen und das wort “schwul” auszusprechen. das ist sicherlich die erschütterndste erfahrung nach jahrzehntelanger diskriminierung. die schwierigkeit, sich an die verbesserte lebenssituation zu gewöhnen. viele schwule, die die beobachtungen und verurteilungen durch den § 175 noch erlebt haben oder die beobachtung durch die stasi im osten, brauchen eine menge zeit, um im alter die freiheiten zu nutzen, die ihnen zustehen." Auszug aus dem Blog Schreibschrift

23.05.2009
ein tolles Interview über menschliches Glück. Sensibel und wunderbar photographiert. Ich wünsche den beiden noch ein langes und glückliches Leben. Thomas S.

22.05.2009
Lieber Herr O.,
was genau ist denn das Problem an den Bildern?
Und über welches Ziel wird da hinausgeschossen?
Ich wäre da schon deshalb dankbar für eine Antwort, damit ich mit meinem Verhalten nicht arme Heterosexuelle in ihrer heilen Welt behellige, sondern mich schön brav den Normvorgaben der Mehrheit (vielleicht sind es aber ja auch nur Ihre persönlichen?) anpassen kann.
Ach so, nebenbei bemerkt: schon mal über die Präsenz von Heterosexualität in den Medien nachgedacht? Hilde S.

24.05.2009
"Meine Meinung? Man kann sich das gar nicht mehr vorstellen, wie viel Diskriminierung Homosexuelle erfahren mussten. Diese beiden sind seit 48 Jahren ein Paar, ein glückliches Paar." Auszug aus dem Blog von Beate Wedekind

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