Der Tod und das Mädchen
Die Jugend wäre eine schöne Zeit, wenn sie erst später im Leben käme, fand Charlie Chaplin. Ganz im Gegenteil, meint die Schauspielerin Julie Delpy - alles wird besser, wenn man die Unruhe der frühen Jahre endlich hinter sich hat. Und dass eines Tages alles vorbei ist, bien sûr, das muss man mit Humor nehmen. Ein Gespräch über das Leben, das Altern und das Ende.
Von Max Fellmann (Interview)

Frau Delpy, haben Sie sehr große Angst vor dem Alter?
Julie Delpy: Ich? Nein, wieso?
Sie haben gerade als Regisseurin und Hauptdarstellerin einen Film über eine Gräfin im 17. Jahrhundert gedreht, die völlig besessen ist von der Angst vor dem Alter. Sie lässt Jungfrauen umbringen und wäscht sich mit deren Blut, weil sie glaubt, das könne das Altern aufhalten. Die hat es wirklich gegeben. Daraus wurde später auch die Dracula-Geschichte.
Da wird Ihnen jetzt oft die Frage gestellt werden: Ist der Film Ihre Methode, mit der eigenen Angst vor dem Alter umzugehen? Ich habe nicht viel Angst vor dem Alter. Aber mich faszinieren Menschen, die nur mit ihrem Äußeren beschäftigt sind. Das hat so eine tragische Dimension, schließlich ist es immer vergebens. Sich dem Alter nicht stellen zu wollen, das ist so…so großartig aussichtslos. Und was Menschen sich antun, um so lang wie möglich jung auszusehen, hat meistens gruslige Effekte.
Gehen wir ein paar berühmte Namen durch, und Sie sagen mir, wer in Würde altert, wer eher nicht. Okay.
Catherine Deneuve. Altert gut. Klar, sie tut, was sie kann, rein äußerlich. Aber sie ist keine von den alten Puppen, die nicht zugeben wollen, dass sie nun mal 65 sind. Ich sage: würdevoll.
Karl Lagerfeld. Na, der ist so eine Kunstfigur, da ist das Altern ja schon Teil der Inszenierung. Die weißen Haare, der ewige Dandy. Bei ihm hat Alter irgendwie eine völlig andere Bedeutung als bei anderen Menschen. Eher wie ein zusätzliches Element der Show.
Wie würdevoll ist es, als älterer Herr eine Monsterdiät zu machen, nur damit man in Kleidung von Hedi Slimane passt? Das ist natürlich bizarr. Aber bitte, wenn es doch so hervorragend funktioniert. Wollen wir nicht alle schlank sein?
Mick Jagger. Tja. Eher amüsant, oder? Er tut so, als wäre er ein Teenager in seiner Rüpelphase. Aber ich nehme ihm das nicht übel. Ich glaube, »Würde« ist da einfach nicht die passende Kategorie.
Carla Bruni. Uh. Ganz, ganz schwierig. Ich sehe ja, was sie mit ihrem Gesicht angestellt hat. Sie hat das ja alles schon vor langer, langer Zeit machen lassen. Die Nase und so. Ich bin eigentlich eher frappiert von ihrer grandiosen Machtgeilheit.
Haben Sie sie schon mal getroffen? Jaja, wir kennen uns. Sie ist nett, man kann gar nichts gegen sie sagen – abgesehen davon, dass sie Sarkozy geheiratet hat, was natürlich absolut lächerlich ist. Und als Obama Präsident wurde, hat halb Frankreich gewettet, dass sie sich sofort an den ranmachen wird, hihi.
Na ja. Vielleicht liebt sie ihren Mann ja einfach. Klaaaar. Und mit Macht hat das rein gar nichts zu tun. Nun, ich könnte mir vorstellen, sie wird sich später schwertun mit dem Älterwerden.
Julie Delpy. Ach, altert ganz okay, würde ich sagen. Ist etwas runder als früher. Aber ich bin gerade zum ersten Mal Mutter geworden, da darf man zulegen.
Sie sind spät Mutter geworden. Mit 39. Schade? Oder ein Vorteil? Oh, ich bedauere das überhaupt nicht! Es ist exakt richtig so. Früher wäre ich gar nicht bereit dazu gewesen. Aber in den letzten paar Jahren habe ich sowieso fast schon so gelebt, als hätte ich ein Kind: Ich bin um zehn ins Bett gegangen, morgens um sieben wieder raus, kaum mehr ausgegangen. Also lief eigentlich alles ganz natürlich auf diesen nächsten Schritt zu.
Lesen Sie auf der nächsten Seite: "Wenn es mir heute aus irgendeinem Grund beschissen geht, schaffe ich es, mich selbst auszulachen."
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