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aus Heft 24/2009 Internet 4 Kommentare

"Hallo, süße Traumfrau"

Zwölf Wochen online, Hunderte von Mails, zehn Treffen - und ein Haufen Vollidioten. Was passiert, wenn eine Frau über 60 versucht, im Internet einen Mann zu finden? Unsere Autorin hat ihr Bestes gegeben.

Von Karin Dietl-Wichmann 

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Sie kennen den Spruch: Für eine Frau über 40 ist es wahrscheinlicher, von einem Terroristen erschossen zu werden, als noch den Mann fürs Leben zu finden. Wie sieht es dann erst bei einer 60-Jährigen aus? Soll sie Stützstrümpfe überziehen? Einen Töpferkurs buchen? Oder sich lieber gleich die Grube schaufeln? Blödsinn!

Ganz gleich, wie alt eine Frau oder ein Mann ist, behaupten die Partnerschaftsinstitute, jeder Topf könne seinen Deckel finden. Bei Millionen von Singles soll es schon geklappt haben. Na also. Ich ließ mich bei drei Instituten registrieren, das kostet Geld, Zeit und Nerven, doch was zählt das schon gegen die Aussicht auf Liebe und Glück?

Das Institut Parship wirbt mit der »besten Klientel«, was immer das heißen mag. Auf 50plus-Treff tummelt sich alles, vom Dessousvertreter bis zum Supermarkt-Filialleiter. Die Singlebörse Elite bedient neben Jüngeren auch Frauen über 40, für die sei vom Handwerksmeister bis zum Urologen alles dabei.

Doch vor der Liebe kommt die Arbeit. Ich musste über mich Auskunft geben, am besten wahrheitsgemäß, so seien meine Chancen am größten. Also – Alter: 60plus, Größe: 163 cm, Gewicht: 58 kg, Haarfarbe: wechselnd, Augenfarbe: braun, Familienstand: geschieden, Kinder: 1, Beruf: Autorin, Sprachkenntnisse: englisch/französisch, Sternzeichen: Jungfrau, Hobbys: keine. Sogar mein Fitness-Level musste ich angeben: niedrig.

Dann musste ich ein Fragespiel durchlaufen: Ich wählte die Altbauwohnung in der Großstadt, zog eine Asienreise dem Wanderweg über die Dolomiten vor und gestand, dass gute Manieren für mich kein Beiwerk sind. Dann sollte ich noch drei Fragen an die Männer stellen. Ich entschied mich für:
1. Seit wann lebst du allein? (Ich will keinen, der verheiratet und
nur auf ein Abenteuer aus ist.)
2. Wie viel Freiraum gestehst du deiner Partnerin zu? (Ich will definitiv keinen Macho.)
3. Suchst du jemanden, mit dem du auf Augenhöhe leben und lieben willst? (Ich bin weder eine billige Haushälterin noch ein unterwürfiges Aschenputtel.)

Gelogen habe ich nur in einem Punkt: Als Beruf gab ich bei Parship wahrheitsgemäß »Autorin« an. Für Elite war ich »selbstständig« und »vermögend«, bei 50plus-Treff Verkäuferin. Ich stellte noch ein Foto online, besorgte mir eine neue E-Mail-Adresse und eine zweite Mobilnummer.

(Lesen Sie auf der nächsten Seite: »Wie hältst du es mit Sex? Ich finde, fünfmal am Tag ist ein guter Durchschnitt.«)

Kommentare

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Kommentar:

  • Marc Baumann (1) (Leserzuschrift von der Redaktion gepostet:)

    hallo lieber Hans K.,
    bitte, verurteilen Sie die Frauen nicht ganz.
    Ich als Frau habe nämlich die gleiche Erfahrung gemacht wie die Autorin, bzw. Sie.
    Auch ich habe mich bei zwei Singlebörsen "eingekauft". Das war mit 55 Jahren offensichtlich eine Zumutung für die Männerwelt. Von "was willst denn du, alte Oma", bis "laß Dir Deine (hellblonden, natur) Haare färben" hatte ich alles im Repertoir. Daß ich nochdazu angegeben habe, einen Hund mein Eigen zu nennen, war der Gipfel der Empörung.
    Auch war die Männerwelt sehr sparsam mit Zuschriften. Den ersten Schritt mußte fast immer ich selber machen.
    Es gab auch in der gesamten Zeit (d.h.ein Jahr) nur ein Treffen mit einem totalen Arrogantling aus Berchtesgaden, der entsetzt war, daß ich mir seinetwegen nicht gleich einen Golfschläger zulege.

    Also, es war im Großen und Ganzen eine ganz negative Erfahrung, obwohl mein ganzer Bekanntenkreis ob meines Aussehens und meiner Natürlichkeit mit sofortigem Erfolg rechnete.
    Außer Spesen nix gewesen.
    PS: ich bin auch heute nach 5 Jahren noch immer alleine!
    Es grüßt alle Leidensgenossinnen-und genossen Gabi vom Chiemgau
    GABI GUENTHER
  • Marc Baumann (1) (Leserzuschrift von der Redaktion gepostet:)

    Nun, ich bin ein Mann, 51, seit knapp 8 Wochen bei 2 dieser geschäftstüchtigen Institute registriert - und bekomme kaum eine Anfrage und auch ganz selten nur eine Antwort auf meine Schreiben. Zeitaufwendig ist es trotz dieses Sachverhaltes enorm, ja......
    Und das einzige Treffen, das bisher stattgefunden hat, war eine Katastrophe mit extrem hohen Frust: es war eigentlich eine für mich sehr interessante Frau, ein Frau aber, voll mit exorbitanten Ansprüchen und dem Glauben, ein allererstes Treffen muß unbedingt den "Traumman" mit einem ganz großem "Kribbeln" liefern - eigentlich ein totaler Irrsin, bedenkt man, das Liebe sich entwicklen muß, sich erst im Verlaufe von vielen Interaktionen entwickeln kann, das Partnerschaft und Gemeinsamkeiten erst mit gemeinsamen Aktivitäten und Kontakten sich entwickeln können....

    Nun war ich auch schon vor einigen Jahren auf diesen Portalen einmal aktiv. Von da weiß ich: bei der einen da "kribbelt" es nicht, bei der anderen da "prikelt" es nicht, bei der nächsten habe ich den falschen Beruf, der anderen bin ich "zu schwierig", der nächsten zu depressiv, der anderen zu schwach, der andern zu stark, wieder der nächsten habe ich zu wenig Beziehungserfahrung, dann stimmt das Sternzeichen nicht, dann ist passt meine Herkunft nicht, dann ist es zu wenig Erfolgim Beruf, die nächste attestiert "Unzufriedenheit mit meinem Beruf" (den mit diesem mann kann Frau auch nicht zufrieden werden), der nächsten bin zu einsam (Sie muß den Alleinunterhalter speilen!), dann natürlich sowieos: mal zu klein, mal zu dick, mal zu groß, mal die falsche Augenfarbe - nicht zuletzt hatte ich auch schon das falsche Auto (war übrigens einen Ingenieuring, die beim TÜV arbeit fand), usw, usf.....

    Da kann man als Mann wahrscheinlich alle Millionnen deutsche Single-Frauen treffen, bei jeder hat es irgend etwas...bei keiner passt es - der exorbitanten Ansprüche dieser Single-Frauen wegen....

    Ich bin übrigens Akademiker mit einer hochqualifizierten Ausbildung (Naturwissenschaftler, ein Beruf, den alle deutschen Frauen ablehnen. Wäre ich Arzt, Pop-Star, Musiker, oder (Miss-)Mananger, wäre mein Marktwert natürlich viel höher...).
    Ich bin allerdings aus Gründen der ins unermessliche gestiegenen beruflichen Belastung bei meinem früheren angelsächsischen, globalen Arbeitgeber und aus pflegerischer Verantwortung meiner mittlerweile verstorbenen Eltern gegenüber aus meinem ursprünglichen Beruf vor einigen Jahren ausgestiegen, nicht zuletzt auch meiner Gesundheit zu Liebe. Aber ich bin trotzdem ohne finanzielle Probleme......

    Meine Erfahrung: deutsche Frauen haben nicht nur exorbitant hohe Ansprüche an einen Mann, sie glauben auch unbeirrt an das was diese Partner-Matchings aus Geschäftstüchtigkeit mit ihrem psychologischen Anspruch suggerieren.
    Da wundert es mich eben nicht, wenn Deutschland kinderlos bleibt - wo eben "Mann" keine Frau derer Ansprüche wegen findet, kann es auch keine Kinder geben......

    Und genau das für jeden einzelnen teure Spiel in diesen Internet - Kontaktbörsen zeigt, eben genau das Anspruchsdenken der Frauen ist das Hauptbroblem der Kinderlosigkeit in Deutschland, erst in zweiter Reihe ist es die mangelnde Kindebetreuung wie das von der Familienministerin für den Steuerzahler an den aber fälschlicherweise teuer verkauft wird.

    Gruß von einem ziemlich vereinsamten Single-Mann (51), der sich auch gern eine Partnerin wünschen würde leider vergebens.
    HANS K.
  • Reinhard Ettel (0) Mir erschliesst sich die Notwendigkeit solcher Partnervermittlungs-
    unternehmen nur unter dem Gesichtspunkt, dass sie offensichtlich
    eine gute Einnahmequelle für die Betreiber sind.
    Sie sind mir eher ein Ausweis für den schlechten Zustand der Ge-
    sellschaft.
    Wo Zusammenleben funktioniert, findet man seinen Partner selbst.
    Wenn Menschen der direkte Weg zu anderen versperrt ist, werden sie zum Opfer fragwürdiger Praktiken der Partnerfindung.
    Wenn es stimmt, dass deutsche Frauen aussergewöhnlich hohe An-
    sprüche an Männer stellen, hat die Liebe ihre tragende Rolle für eine
    zwischenmenschliche Beziehung vollkommen verloren.
    Sie soll nämlich die Grundlage einer haltbaren Beziehung sein und
    nicht zuerst das Konto oder grosser Besitz.
    Und ich weiss nach 37 Jahren Ehe und allen Höhen und Tiefen,vor allem, das komplette Wegbrechen meiner Pespektive nach der Ver-
    einigung, ich nach einem wirklich gesicherten Auskommen plötzlich
    arbeitslos und nicht mehr der Hauptverdiener der Familie, dass an
    diesem Punkt unserer Beziehung hätte zu Ende sein können.
    Bei uns hat aber nicht das Geld die Welt regiert.
    Ich bin im übrigen überzeugt, dass genügend Möglichkeiten existieren, ohne Internet und Partnervermittler den passenden
    Deckel für`s Töpfchen zu finden.
    Für mich käme letztgenanntes nicht in frage.
    wir in dieser Zeit durchgestanden
  • Roland Brandel (2) Liebe "Traumfrau",
    auf wenigen Seiten eine offensichtliche Zusammenfassung Ihrer Erlebnisse mit den drei Instituten.Dreprimierend,aber nicht anders zu erwarten.Kontaktanzeigen sollen (g-)aehnliche Mißerfolge bringen.
    Der Deckel fuer den jeweiligen Topf haengt an enem hohen,pendelnden Seil.Den Topf nur bei Erkennen lediglich drunterstellen.Paßt oder paßt nicht.Nur nicht passend machen.N.B.:Charme,Humor und Herzlichkeit sind leider weitgehend abhanden gekommen.
    Herzlichen(sic!) Gruß Ihr R.Brandel