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aus Heft 50/2009 Gesellschaft/Leben 8 Kommentare

Henryk M. Broder trifft Maxim Biller

Sie sind die zwei streitlustigsten Juden Deutschlands, sonst verbindet sie herzlich wenig: Henryk M. Broder und Maxim Biller über biografische Heimatlosigkeit, deutsche Verantwortung – und die entscheidende Frage, wer der bessere Selbstdarsteller ist.

Von Evelyn Roll und Tobias Haberl (Interview)  Alfred Steffen (Fotos)



Henryk M. Broder (links) und Maxim Biller
SZ-Magazin: Herr Broder, Herr Biller, als wir zum Interview gebeten haben, haben Sie beide sofort zugesagt. Dabei wussten Sie gar nicht, worüber wir mit Ihnen reden möchten. Machen Sie das immer so? Hauptsache, im Gespräch bleiben?
Henryk M. Broder:
Ja, klar. Mir ist alles recht. Seit zwanzig Jahren wünsche ich mir ein Gespräch mit Maxim Biller.

Maxim Biller: Ist doch verständlich, dass Sie uns beide zusammenbringen, Sie würden ja auch Walter Matthau und Jack Lemmon interviewen …
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Broder: …wie wäre es mit Albert Einstein und Sigmund Freud? Maxim, du bist unbescheiden.

Warum ist das Gespräch nie zustande gekommen?
Broder:
Weil keiner die Idee hatte. Dabei liegt sie so nahe. Ersatzweise wäre ich aber auch mit Teresa Orlowski als Gesprächspartnerin einverstanden gewesen.

Biller: Typisch. Dich interessieren nur Juden und Sex. Entschuldigung, Juden und Pornografie …

… und der Zentralrat. Herr Biller, was haben Sie gedacht, als Sie von Herrn Broders Bewerbung für das Präsidentenamt des Zentralrats der Juden gehört haben?
Biller:
Gar nichts, ehrlich.

Broder:
Und dafür bin ich dir sehr dankbar. Du bist der Einzige, der sich nicht dazu geäußert hat. Die Wahrheit ist, ich hätte dieses Amt nie angetreten. So was passt nicht zu mir, allein die Verantwortung. Beim Spiegel habe ich nicht mal einen Schreibtisch, weil ich gern aufstehe, wenn die Kollegen schon zwei Konferenzen hinter sich haben. Und als Präsident des Zentralrats könnte ich nicht mal in eine Ecke pinkeln, wenn ich aus der Kneipe komme.

Trotzdem haben Sie in Interviews darum gebeten, ernst genommen zu werden. Warum das ganze Theater?
Broder:
Die Idee gefiel mir eben. Sie kam mir auf einer langen Autobahnfahrt von Augsburg nach Amsterdam. Ich lebe sehr kurzfristig, jeden Tag werden die Karten neu gemischt. Es gibt ein jüdisches Sprichwort, das ich in solchen Situationen gern zitiere: Wissen Sie, wie man Gott zum Lachen bringen kann? Machen Sie einen Plan! Man könnte sagen: I talked myself into it. Irgendwann glaubte ich mir fast selbst. Und wissen Sie, was mich überrascht hat? Wie viele Leute mich ernst
genommen haben, alle außer zweien: meine Frau und der Chefredakteur des Spiegel. Der sagte: »Broder, passen Sie auf, die Sache könnte Flügel bekommen!«

Hat sie ja dann auch. Herr Biller, können wir Sie doch noch zu einem Kommentar bewegen?
Biller:
Der Zentralrat wird sich gedacht haben: Gott sei Dank, jetzt müssen wir keine kritischen Texte von Broder mehr lesen, weil der sich nur noch um russische Juden in Deutschland kümmern muss. Auf jeden Fall ist es lächerlich, wie ernst die deutsche Gesellschaft so was nimmt. Ich habe vor zwei Jahren einen Artikel über den deutschen Sommer 2006 geschrieben, das Jahr der Fußball-WM. Ich beschrieb, wie dieser Patriotismus für mich auch bittere Momente enthält, und schloss mit der Pointe: »Euer Getue geht mir so auf die Nerven, da gehe ich doch lieber in das Land, wo die Busse explodieren.« Das war satirisch gemeint. Drei Tage später war in der SZ eine Meldung über drei Spalten.

Broder: Die hieß: Geschafft! Maxim Biller geht!

Biller:
Genau: Maxim Biller zieht nach Israel. Dabei hatte ich doch nur einen Witz gemacht, klar hatte der einen ernsten Kern, aber dass so was gemeldet wird – dreispaltig, deutschlandweit …

Broder: Gib doch zu, es hat dir geschmeichelt. Bei einem Einspalter wärst du gekränkt gewesen.

Biller:
Henryk, du projizierst! Ich dachte, Menschen, die projizieren, lebten nur im letzten Jahrhundert.

Was haben Sie denn nun gedacht, als Henryk Broder Chef des Zentralrats werden wollte?

Biller: Nichts, ehrlich, mich interessiert das Schicksal des Zentralrats genauso wenig wie das von CDU und SPD. Das ist Vereinsmeierei. Das ist mir zu klein.


(Lesen Sie auf der nächsten Seite: "Dein Problem, Henryk, ist, dass seit vierzig Jahren alles unkontrolliert aus dir nach außen strömt.")

Kommentare

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Kommentar:

  • Dominick Schott (0) Wenn das zwei Pausenclowns sind, arbeite ich lieber durch. Wobei: Broder ist wenigstens schlagfertig. Biller ist nur ichbezogen weinerlich.
  • atze berlin (0) das war richtig grausam. es war mit das schlimmste was ich je gelesen habe. was redet biller denn da? er sollte dringend den therapeuten wechseln! beim jüdischen schach ist alles erlaubt, bis auf die anwendung körperlicher gewalt? das sagt biller doch nur, weil er weiss, dass ihn selbst ein einarmiges 11-jähriges mädchen niederschlagen könnte und dies auch durchaus in betracht ziehen würde.
  • Martin Protz (0) Zwei Männer, die sich unablässig beleidigen, ohne wirklich böse zu werden - wundervoll! Mir hat's Spaß gemacht und erkenntnisreich war's auch - danke an beide!
  • Simon Weber (3) Bei dem Interview krieg ich den Eindruck einer "Judenshow": Zwei Berufsjuden machen Kunststückchen im Zeitungszoo mit selbstgebastelten Schildern "Gattung: Homo, Spezies: Jude". War das das Ziel des Interviews, oder sind Broder und Biller selbst auf diese Idee gekommen?

    Viel schlimmer können die Wildenvorstellungen in Hagenbeck's Tierpark des vorvergangenen Jahrhundertsauch nicht gewesen sein... Broder und Biller dürften doch eigentlich mehr drauf haben, als für eine Zeitung die streitlustigen Juden zu spielen.

    Naja, nächstes mal wenigstens das Ganze als Humoreinlage kennzeichnen, damit Menschen, die keine anderen Juden kennen, keinen falschen Eindruck kriegen und damit humorlose Menschen wie ich sich nicht so sehr fremdschämen müssen ;-)
  • Kurt Lippert (0) Dick und Doof
  • Michael Tarnowski (1) B&B: zwei infantile Wichtigtuer, die im Sandkasten ihrer Befindlichkeiten spielen und gegenseitig wetteifern, wessen Pipimann der grössere ist: die eigene Eitelkeiten, das "bessere Juden Sein", die eigene Kindheit, die eigene literarische Bedeutung - "Meine ist größer!" - "Gar nicht!" - "Dooch...!" - "Mennoo...".
    Schade, dass diese Pausenclowns sich im jüdisch/deutschen Literaturdiskurs so vordrängen können.
    Nach Lesen des Artikels habe ich sofort alle B&B-Bücher im Altpapier entsorgt.
  • Josef Hellmann (0) Gelesen habe ich es, aber Teresa Orlowski als Partnerin hätte das Gespräch sicherlich spannender gemacht. Wir erfahren, dass die armen Juden nicht in Deutschland angekommen sind bzw. von den deutschen Mitbürgern nicht angenommen werden. Dennoch gehen sie nicht nach Israel, auch nicht dann, wenn sie darüber einen Witz machen, den wir nicht verstehen. Sie sind Pausenclowns, und sie verdienen Geld damit. Es sei Ihnen gegönnt. Schade ist nur, dass von den Menschen jüdischen Glaubens vorwiegend denen in der Öffentlichkeit Gehör gegeben wird, die eher unsymphatisch wirken. Herrn Friedman habe ich in dieser Runde wirklich vermisst,
  • Jeeves Kadeem (0) Das sind beides unangenehme Mitmenschen und deshalb les ich's erst gar nicht.