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aus Heft 09/2010 Familie 4 Kommentare

Sind das seine Augen?

Die größte Verletzung, die eine Frau erleiden kann: Sie will Kinder mit dem Mann den sie liebt. Doch der erklärt eines Tages, dass er jetzt ein Kind mit einer anderen Frau hat. Protokoll eines Traumas.

Von Susanne Schneider (Protokoll) 



Paul (alle Namen von der Redaktion geändert) und ich waren das, was man ein Traumpaar nennt. Nie zuvor habe ich einen Menschen so sehr geliebt. Schon zwei Wochen, nachdem wir uns kennengelernt hatten, sind wir zusammengezogen. Wir wollten unser ganzes Leben miteinander verbringen, Kinder haben, einen Hund, ein Haus. So hatten wir uns das ausgemalt.

Aber Paul war Reiseveranstalter bei einem großen Unternehmen und viel unterwegs, um Hotels anzusehen. Damit wir nicht so viel getrennt waren, habe ich meinen Job als Ernährungsberaterin aufgegeben und ihn meistens begleitet. Ich war 28, ich war glücklich, das mit den Kindern hatte Zeit, bis wir ein ruhigeres Leben führten, dachte ich. Und so verschoben wir den Kinderwunsch Jahr um Jahr.
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Nach sechs Jahren war die Liebe immer noch riesengroß, aber das ewige Reisen nicht mehr so spannend. Und ich wäre sehr gern schwanger geworden. Doch der Standardsatz meines Freundes lautete: »Ach, lass uns lieber noch ein bisschen damit warten, Schatz.« Wenn ich das meinen Freundinnen erzählte, kannten sie nur einen Ratschlag: Leg es einfach drauf an, schwanger zu werden, und weihe ihn bloß nicht ein, sonst wird das nie was. Um Gottes willen, ihn reinlegen, auf diese Idee kam ich gar nicht. Er schon.

Irgendwann um diese Zeit, ich glaube, es war kurz vor meinem 35. Geburtstag, fiel mir auf, dass mein Freund besonders anhänglich wurde und viel aufmerksamer war als sonst. Heute weiß ich, dass er acht Wochen mit sich und seinem schlechten Gewissen gekämpft hat, bis er stotternd und schlotternd gestand: »Du bist immer noch die Frau meines Lebens, ich will dich heiraten, aber es ist etwas Schlimmes passiert: Ich hatte auf einer Reise Sex mit einer Kollegin, und die bekommt jetzt ein Kind von mir. Und ich will gar nichts von ihr, glaub mir, und ich bereue alles.«

So fühlt sich sterben an, da war ich mir sicher. Mehr noch, so fühlt sich sterben an, nachdem einem jemand ein Messer in den Bauch gerammt hat: Eine andere, die er nicht liebt, soll das Kind bekommen, das ich gern hätte? Weil sie nicht verhütet und es darauf angelegt hat, schwanger zu werden? Während ich Skrupel habe bei dem Gedanken, ihn vor vollendete Tatsachen zu stellen? Wie krank ist das denn?
Ich habe schreiend meine Koffer gepackt und bin zu meiner Mutter.

Was auffällt: Fast alle Frauen kennen solche Geschichten über Frauen, die lange Beziehungen hatten, sich Kinder wünschten, ihrem Freund oder Mann zuliebe noch ein bisschen warteten und noch ein bisschen, und irgendwann starrten sie fassungslos auf das Kind, das er mit einer anderen schon nach ein paar Nächten oder Wochen gezeugt hat. Und das für eine verdammt tolle Entscheidung hielt.

Merkwürdig nur: Das Zeitungsarchiv hat keine Unterlagen zu diesem Thema, es gibt anscheinend keine Studien, keine gesellschaftlichen Betrachtungen. Nur ein paar konkrete Fälle findet das Archiv: den von der bis heute kinderlosen Jennifer Aniston zum Beispiel, die mit ansehen muss, wie ihr Ex-Mann Brad Pitt es nun zu sechs Kindern gebracht hat.

(Lesen Sie auf der nächsten Seite: "In einem meiner Eifersuchtsanfälle bin ich heimlich zu dem Reisebüro gefahren, in dem die andere gearbeitet hat, und habe durch die Fensterscheibe geschaut; an ihrem dicken Bauch habe ich sie sofort erkannt."
)

Kommentare

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  • Benedikt Amrhein (0)
    Dhoughal Walker (0) sagte:
    ........
    Das ist mir alles zu einseitig.


    ganz genau. besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können - d.h. natürlich nicht nur das oben zitierte.
    ja. seltsam, der artikel. als wenn es der frau schneider darum gegangen wäre, bei den männlichen lesern eine art schuldbombe zu zünden.
    damit will ich auf keinen fall das leid der betroffenen schmälern. aber es ist auch mir zu wenig selbstreflexion in dem artikel. es wäre wirklich mehr als interessant, die "erwiderung" des mannes zu lesen. vielleicht lässt sich da ja was machen.... ?!
  • achmed jabbajabba (0) also ich habe beim lesen ein ganz mieses gefühl bekommen. ich kann ihre gefühle ja nicht nachvollziehen da ich ein mann bin und nie ihre situation erlebt habe. aber es gibt auch männer die betrogen werden, denen dasselbe passiert, oder noch schlimmer, denen man ein fremdes kind unterjubelt, ein kuckucks-kind. das sie die kinder hassen, tja, sie glauben wohl sie gestehen sich ehrlich ihre gefühle ein. ich finde das ist eine sehr weibliche haltung so etwas vor sich selbst zu rechtfertigen. ich hoffe das ich nie solche primitiven gefühle erleben werde bzw. das mein sinn für objektivität so getrübt wird. und ich muss mich anschließen was hier schon gesagt wurde: es ist die subjektive erzählung einer verletzten frau. ich persönlich würde auch gerne den mann hören (lesen). trotzdem, schön das sie einen neuen haben. genießen sie ihr leben.
  • Dhoughal Walker (0) "Paul und ich waren das, was man ein Traumpaar nennt." Was mir bei diesem Satz zunächst mal einfällt ist folgendes: "Na-ja ..."

    Wenn denn in der Beziehung wirklich alles so super-duper gewesen ist, dann stellt sich mir zunächst einmal die Frage, warum Paul mit einer anderen Frau ins Bett gegangen ist. Vielleicht hat Paul das ein bisschen anders gesehen, von wegen Traumpaar und so?

    Ja, es ist eine wirklich traurige Geschichte. Aber was mir daran nicht gefällt, ist die Tatsache, dass hier leider alles nur aus der Sicht der Betroffenen geschildert wird. Paul erscheint in dieser Geschichte nur als das A....loch, das mit einer anderen im Bett war und sich dann abmeldet, als er ein Kind mit der anderen bekommt. Es gibt kein Nachdenken darüber, was Paul dazu gebracht hat, mit der anderen ins Bett zu gehen, was ihn dazu gebracht hat, zu der anderen Frau zu ziehen, mit ihr ein zweites Kind zu bekommen, warum Paul jahrelang kein Kind mit der Betroffenen haben wollte etc. pp.

    Das ist mir alles zu einseitig.
  • Christina Franz (0) Ich kann nicht nachvollziehen, warum es hier so kategorisch heisst, dass es ab 40 zu spät ist, Kinder zu bekommen. Ich bin Hebamme und 43 Jahre alt. Sowohl durch meine Arbeit als auch aus meinem Bekanntenkreis kenne ich viele Frauen, die zwischen 40 und 45 Kinder teilweise 2 und 3 bekommen haben- und ganz ohne künstliche Befruchtung. Selber bekam ich mein erstes Kind ohne Probleme und sehr schnell mit 40, und wir erwarten das nächste im Herbst.
    Vielleicht ist es aber auch ein deutsches Problem, dass Frauen über 35 als Risikogruppe abgestempelt werden. Ich lebe z.Zt. in Dänemark und hier ist es völlig entspannt, mit über 40 Kinder zu bekommen. Keiner versucht einem einzureden, wie problematisch das nun alles werden könnte.
    Vielleicht klappts ja eben doch noch!